Seit ihrer Gründung 2021 hat sich die Hip-Hop-Crew HoodBlaq in rasantem Tempo zu einer festen Größe im deutschen Straßenrap entwickelt. Maskiert, mit Drill-Einflüssen und Millionen Streams legen die Ludwigshafener jetzt mit ihrem Album „Blaq“ nach. 20 Songs sollen nun beweisen, warum die Newcomer derzeit so spannend sind.
Schon nach den ersten Takten wird deutlich, wovon die Musik von HoodBlaq erzählt: vom rauen Leben auf der Straße. Auch ihr Auftreten ist Teil dieses Images. Die eigentlich sechsköpfige Rap-Crew, bestehend aus Mali, Veysel, Safraoui, Moussa, Jamal und Alim, zeigt sich in Videos und bei öffentlichen Auftritten meist maskiert und hält ihre Identitäten weitgehend geheim. Auf dem Cover des neuen Albums „Blaq“ sind allerdings nur fünf Mitglieder zu sehen. Der Grund: Alim muss nach Angaben der Crew derzeit eine dreijährige Haftstrafe verbüßen. Laut „Mannheimer Morgen“ wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. „Das Ganze ist während der Entstehung unseres Albums passiert, weswegen wir leider nicht schnell genug reagieren konnten und das Album somit ohne Alim bringen mussten“, erklärte die Gruppe auf Instagram. Gleichzeitig betonte sie: „Wir lassen keinen Bruder zurück.“
Auch ohne das sechste Mitglied wollen HoodBlaq nun an ihren bisherigen Erfolg anknüpfen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2021 entwickelte sich die Crew mit kompromisslosem Rap, Drill-Einflüssen und ihrer viral gegangenen Hashtag-Reihe zu einer festen Größe der Deutschrap-Szene. 2023 wurde sie bei den Hiphop.de Awards sogar als „Beste Gruppe national“ ausgezeichnet.
Mit „Blaq“ legen die Ludwigshafener nun 20 neue Songs vor. Doch kann das Album über seine düstere Straßenrap-Ästhetik hinaus wirklich überzeugen?
Kriminalität, Geld, Drogenhandel und Hafti-Abi
Der Opener „Jung & Reich“ gibt sofort die Richtung der Platte vor. Jedes der fünf beteiligten Mitglieder bekommt seinen eigenen Part und kann kurz zeigen, was es am Mikrofon zu bieten hat. Safraoui sorgt mit seiner eingängigen Hook dafür, dass der Song trotz des dunkel gehaltenen Beats schnell im Ohr bleibt. Auch „Bolo“ fällt deutlich melancholischer und melodischer aus, bleibt aber dennoch im Gedächtnis. Die eingängige Hook steht dabei im Kontrast zu den harten Zeilen über Drogenhandel, Kriminalität und ein Leben zwischen schnellem Geld und Gefängnis. Gerade dieser Gegensatz macht den Song zu einem der stärkeren Momente des Albums, auch wenn HoodBlaq inhaltlich auf bekanntem Terrain bleiben.
Mit dem ersten prominenten Feature des Albums hätte man in dieser Form wohl nicht gerechnet. Auf „Maybach“ ist ausgerechnet Haftbefehl zu hören, um dessen Gesundheit sich Fans seit Wochen sorgen. Nachdem mehrere Auftritte abgesagt worden waren, erklärte der 40-Jährige selbst, derzeit körperlich und emotional nicht in der Verfassung zu sein, auf der Bühne zu stehen. Umso überraschender wirkt sein Auftritt auf dem neuen HoodBlaq-Werk.
Musikalisch ist „Maybach“ ein Haftbefehl-Track durch und durch: kantige Block-Atmosphäre, wuchtige Drums und kompromisslose Lyrics. Inhaltlich bewegt sich der Frankfurter zwar auf vertrautem Terrain, seine markante Stimme verleiht dem Song aber dennoch eine besondere Intensität. Gleichzeitig wirkt sein Part stellenweise ungewohnt kraftlos – als würde ihm beim Rappen die letzte Überzeugung oder Energie fehlen. Manche Passagen klingen beinahe improvisiert, wodurch das Feature nicht ganz die Wucht entfaltet, die man von Haftbefehl kennt.
„Bilder im Kopf“ schlägt direkt danach musikalisch eine völlig andere Richtung ein. Der warme, fast schon entspannte Hip-Hop-Beat bildet einen spannenden Kontrast zum Inhalt. Statt Geld und Status stehen hier Zweifel, Schuld und die Folgen des Straßenlebens im Mittelpunkt. Zeilen wie „Die Seele tot“ oder „Straße hat nicht gut getan“ verleihen dem Song eine ungewohnt nachdenkliche Seite und machen ihn zu einem der emotionalsten Momente der Platte. Angesichts von Alims Abwesenheit auf dem Albumcover wirken die Zeilen über Festnahme und Gefängnis besonders eindringlich.
Hochkarätige Featuregäste
„Hochhaus“ gehört zu den Liedern, die das Potenzial zum Fan-Favoriten haben. RAF Camora liefert keinen aufgesetzten Gastauftritt, sondern ergänzt den HoodBlaq-Sound mit seiner gewohnt melodischen Art – ohne den fünf Rappern die Show zu stehlen. Dass die Chemie stimmt, überrascht allerdings kaum: HoodBlaq standen bereits auf RAF Camoras „Gotham City Tour“ als Vorgruppe auf der Bühne und arbeiteten zuvor schon bei Songs wie „Casablanca“ und „Tropicana“ mit ihm zusammen.
Auch die weiteren Gastbeiträge fügen sich stimmig in das Gesamtbild des Albums ein. Kontra K bringt auf „Tiefpunkt“ seine motivierenden und reflektierten Zeilen ein und sorgt damit für einen willkommenen Kontrast. Gzuz bleibt auf „Presser & Schieber“ hingegen seiner kantigen Hamburger Gangart treu. Mit seiner unverwechselbaren Art zu rappen und der direkten Sprache verleiht er dem Track zusätzliche Härte, ohne dabei den Sound der Crew zu überlagern. Keines der Features wirkt wie ein bloßer Name für die Trackliste – vielmehr ergänzen die Gäste den Stil von HoodBlaq und verleihen dem Album an den richtigen Stellen zusätzliche Facetten.
Melodischere Klänge zum Finale
Zum Ende hin nimmt „Blaq“ noch einmal spürbar Fahrt auf. „Warum“ schlägt nachdenklichere Töne an und rückt Zweifel sowie die Schattenseiten des Straßenlebens in den Mittelpunkt. „Mehr“ kehrt anschließend zum bewährten HoodBlaq-Sound zurück und setzt auf Status, Reichtum und kompromisslosen Straßenrap. Den Schlusspunkt bildet schließlich „Fehler“ – und der überrascht. Der schnellere, moderne Trap-Sound hebt sich hörbar vom restlichen Album ab, während Zeilen über Schlaflosigkeit, falsches Vertrauen und die Entschuldigung an die Mutter eine ungewohnt verletzliche Seite der Crew zeigen. So endet „Blaq“ nicht mit einem weiteren Straßenrap-Banger, sondern mit einem Song, der noch einmal eine andere Facette von HoodBlaq offenbart und dadurch nachhallt.
Fazit: Die Jungs bleiben ihrem kompromisslosen Straßenrap zwar treu, wagen musikalisch aber immer wieder kleine Ausflüge in melodischere und modernere Klangwelten. Gerade diese Songs stechen auf dem Album besonders hervor, weil sie zwischen all der Härte für die nötige Abwechslung sorgen. Wer die Ludwigshafener bislang noch nicht auf dem Radar hatte, könnte mit „Blaq“ durchaus einen Zugang zur Crew finden. Denn auf Dauer lebt selbst harter Deutschrap davon, zwischendurch auch einmal andere Töne anzuschlagen.
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