Die Hitze ist nicht nur für den Körper gefährlich, sondern schlägt sich auch auf die Seele nieder. Das Landesklinikum Mauer in Amstetten (NÖ) gibt Tipps, wie man einen kühlen Kopf bewahrt und trotz der Klimakrise nach vorne schauen kann.
Nicht immer ist ein heißer Sommertag heutzutage so unbeschwert wie früher – mit einem Eis in der Hand im Freibad liegend. Während viele nach wie vor die Sonne genießen, bedeutet eine Hitzewelle für die Mehrheit eine große körperliche und psychische Belastung. Das merkt auch das Landesklinikum Mauer in Amstetten. Als eines der größten psychiatrischen Einrichtungen im Land, zählt man immer mehr Noteinweisungen während der heißen Sommermonate.
„Wir stellen uns darauf ein, dass wir künftig in den Sommermonaten mehr Patienten versorgen werden“, warnt Christian Korbel vom Landesklinikum Mauer in Amstetten. Der Ärztliche Direktor lud am Mittwoch Fachkräfte und Interessierte ein, um über die Gefahren der Hitze zu diskutieren. Hat es lange über 30 Grad, bleibt das Level der Stresshormone im Körper hoch: „Dadurch werden Menschen aggressiver“, sagt Korbel.
Erkrankungen können schlimmer werden
Die Hitze mache nicht nur aggressiv, sie bedrückt viele regelrecht. Bei bereits Betroffenen können sich die Symptome ihrer psychischen Erkrankung verschlimmern. Man schläft schlechter, ist weniger leistungsfähig, und spürt eine soziale Ungleichheit mehr. „Nicht jeder kann sich eine Klimaanlage leisten“, so die Experten im Klinikum. Das wirkt sich wiederum auf Medikamente aus. Psychopharmaka wie Antidepressiva müssten nämlich normal bei unter 25 Grad gelagert werden.
Medikamente wirken anders
„Gewisse Antidepressiva reduzieren die Schweißbildung – der Körper kühlt schlechter ab. Auch durch Beruhigungsmittel nimmt man die Hitze weniger wahr“, weiß Korbel. Besonders aufpassen müsse man, wenn in Medikamenten Lithium enthalten sei. Denn durch starkes Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit, Salz und die Lithiumkonzentration im Blut steigt stark an. Eine Lithiumvergiftung könnte die Folge sein.
Gemeinsam gegen den Klimawandel
Neben den direkten Auswirkungen von Hitze beschäftigen sich Wissenschaftler zunehmend mit den psychischen Folgen der Klimakrise. Viele Menschen entwickeln Sorgen um ihre Zukunft, während andere unter einer tiefen Trauer über den Verlust ihrer vertrauten Umwelt leiden – ein Phänomen, das als „Solastalgie“ bezeichnet wird, erzählt Korbel. „Diese Sorgen sind grundsätzlich noch keine psychische Erkrankung, können aber in weiterer Folge eine solche begünstigen“.
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