Eine neue Simulation zeigt, dass das Wachstum der steirischen Landeshauptstadt schon ab dem Jahr 2045 stoppen könnte. Grund dafür ist unter anderem die sinkende Geburtenrate. Das Grazer Stadtplanungsamt sieht darin aber kein Problem.
Graz ist die am stärksten wachsende Stadt Österreichs – das ist schon lange nichts Neues. Neu ist allerdings die These, dass Städte in Österreich – darunter auch Graz – schon bald „ausgewachsen“ sein könnten.
Zu dieser Erkenntnis kam nun ein Team des Wiener Complexity Science Hub im Rahmen einer Simulation. Gemeinsam mit der ETH Zürich wurden städtische Bevölkerungsentwicklungen weltweit verglichen, um Wachstumsprognosen für Kommunen zu erstellen. Anschließend wurde für die österreichischen Städte im Auftrag des ORF eine gesonderte Bevölkerungssimulation angefertigt.
Wir sind sparsam und achten bewusst auf den Bodenverbrauch. Das ist wichtig, egal ob das Wachstum weitergeht oder stehen bleibt.

Bernhard Inninger, Leiter Stadtplanungsamt Graz
Bild: Foto Fischer
Demnach dürfte nicht erwartet werden, dass sich das aktuelle Wachstum auch in Zukunft so fortsetzen wird wie bisher. Gründe dafür sind sowohl die sinkende Geburtenrate als auch die steigende Urbanisierung ländlicher Regionen. Bessere Jobchancen seien in der Stadt dann nicht mehr garantiert, die Lebenserhaltungskosten würden hingegen steigen.
Was in der Studie beziehungsweise Simulation betont wird: Unvorhersehbare Entwicklungen im Weltgeschehen, wie etwa Migrationsbewegungen aufgrund von Kriegen, können langfristige Prognosen wesentlich beeinflussen, zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht beachtet werden.
Vorausschauende Stadtplanung
Die Aussichten für Graz gestalten sich laut Experten folgendermaßen: Die steirische Landeshauptstadt dürfte noch bis etwa 2045 oder 2050 wachsen. Danach könnte die Stadt wieder schrumpfen. In Wien ist das übrigens laut Prognosen schon früher der Fall.
Für die Stadtplanung sind solche wissenschaftlichen Arbeiten zwar interessante Beiträge zur Diskussion, die konkrete Planung orientiert sich jedoch an den Bevölkerungsprognosen für jene Zeiträume, in denen heute Entscheidungen getroffen werden müssen.
Auf das Grazer Stadtplanungsamt hat die neue Erkenntnis also wenig Auswirkung: „Wir arbeiten mit einem zeitlichen Horizont von 15 Jahren und gehen davon aus, dass sich die Stadt in diesem Zeitraum weiterhin so entwickelt wie schon seit dem Jahr 2000“, erklärt Bernhard Inninger, Leiter des Stadtplanungsamts. Wesentlich für die Zukunft sei jedoch, vorausschauend zu planen: „Wir sind sparsam und achten bewusst auf den Bodenverbrauch. Das ist wichtig, egal ob das Wachstum weitergeht oder stehen bleibt.“
Dem stimmt auch Vizebürgermeisterin Judith Schwentner von den Grünen zu: „Studien wie diese zeigen, dass wir Stadtentwicklung immer langfristig denken müssen. Gute Stadtplanung bedeutet, bestehende Quartiere mit Qualität weiterzuentwickeln und Graz so zu gestalten, dass Menschen heute und auch in Zukunft gerne hier leben.“
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