Ausgerechnet im Jubiläumsjahr wurde der 1951 erstmals aufgestellte Kindberger Zunftbaum von einem Sturm gefällt. Im Rahmen des großen Kirtags kehrte das Wahrzeichen der obersteirischen Stadt nun wieder zurück. Ein Blick in die Mürztaler Geschichtsbücher.
In Kindberg gab es in den 1950er-Jahren zwei große Gasthöfe, die vom aufkeimenden Tourismus profitierten: das Hotel Post und das Gruber. Menschen, die nach Italien fuhren, kamen zwangsläufig in Kindberg vorbei, die Umfahrung via S6 gibt es erst seit 1989. Viele sind „in Kindberg stehen geblieben. Unter vielen anderen war Heinz Fischer zu Beginn seiner politischen Karriere hier, der englische Außenminister Anthony Eden war öfter Gast im Hotel Gruber, Udo Jürgens hat mit meinem Vater im Freibad Fußball gespielt“, erzählt Bürgermeister Christian Sander.
„Es gab Bälle, man ist mit tollen Autos vorgefahren, weil in Kindberg einer der ersten Kirtage stattgefunden hat. Das hat der Hotelier Gruber, der damals auch eine Art Tourismusobmann war, initiiert. Die Menschen sind mit Sonderzügen von Graz raufgekommen, damit sie das Fest besuchen können“, schildert Sander.
Bayern diente als Vorbild
Gruber war es auch, der 1951 den „Umstieg“ vom üblichen Maibaum zum Zunftbaum vorantrieb. Vorbilder aus Bayern führten dazu, dass die Zunftzeichen, ein Trachtenpaar und ein Hochzeitszug angebracht wurden, teilweise gestaltet von heimischen Künstlern wie Hubert Pilch.
Kindberg wurde als Markt erstmals 1232 erwähnt, im Bürgermeister-Büro hängt ein Dekret von 1838 im Namen von Kaiser Ferdinand I., dass in der Stadt ein Markt stattfinden darf. Tafeln des allerersten Zunftbaumes, das Wappen von Kindberg und der steirische Landes-Panther, sind im Vorraum des Gemeindeamtes zu sehen: Sie stammen in restaurierter Form vom ehemaligen Kindberger Stadtamtsdirektor Max Kroisleitner, der ein künstlerisch vielseitiger Mann war.
Auch die Industrie findet Platz
Einerseits findet sich auf dem Zunftbaum das „alte Handwerk“, wie beispielsweise Tischler, Metzger, Schuster, Zuckerbäcker, Fotograf, Hutmacher oder Rauchfangkehrer, anderseits auch die moderne Technologie und Industrie: Die Carbon-Technik spielt im Mürztal eine wichtige Rolle, selbstverständlich auch die Voestalpine, die mit rund 1100 Mitarbeitern der größte Betrieb der Stadt ist. Im oberen Drittel des Baums prangt das Kindberg-Herz, neben den Trachtengruppen sind am Rondeau die neun österreichischen Bundesländerwappen zu finden.
Der aktuelle Zunftbaum ist 32 Meter hoch, die Fichte stammt aus dem eigenen Bürgerwald. Erneuert wird der Baum nach dem letzten Sturm-Bruch im März nunmehr alle fünf Jahre – vorausgesetzt, es kommen keine weiteren Sturmböen dazwischen.
Trachtenverein bald 100 Jahre alt
Kurz noch zum Thema Tracht: Der Trachtenverein Die Schneerosner z‘Kindberg marschierte beim Festakt am Wochenende auf, diesmal in historischen Gesellschaftsgewändern. Der Verein nähert sich einem großen Jubiläum: Er wurde 1928 gegründet, und zwar vom Urgroßvater des aktuellen Bürgermeisters.
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