Zwischen Sandbänken und Hochwassergefahr: Was die Donau jetzt über den Klimawandel verrät.
Extremes Niederwasser machte das Anlegen der Boote zur Herausforderung. Ausgerechnet dort, wo die Donau derzeit so zahm wirkt, wird klar, warum Niederösterreich Milliarden in Hochwasserschutz und die Rückkehr lebendiger Auen investieren muss. Denn Dürre und Flut sind längst zwei Seiten derselben Medaille.
Die Donau präsentierte sich bei der gemeinsamen Bootsbefahrung von Landesvize Stephan Pernkopf, Infrastrukturminister Peter Hanke sowie Experten von ihrer ungewöhnlichsten Seite. Flache Fahrrinnen, freiliegende Schotterbänke und niedrige Pegel erschwerten das Anlegen der Boote. Ein eindrucksvolles Bild dafür, wie sehr der Klimawandel Österreichs größten Fluss verändert.
Dabei erinnert gerade dieser Niedrigwasserstand daran, dass auf lange Trockenphasen oft umso heftigere Hochwasser folgen können. Die Extreme nehmen zu – und mit ihnen die Herausforderungen für Mensch und Natur.
Milliardenschäden durch Hochwasser
Seit 2002 haben Hochwasser in Niederösterreich Schäden von mehr als zwei Milliarden Euro verursacht. Allein die Flutkatastrophe im Herbst 2024 richtete Schäden von rund einer Milliarde Euro an. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren rund 800 Hochwasserschutzprojekte umgesetzt und damit die Sicherheit in 300 Gemeinden verbessert.
„Wir wollen Überflutungen vermeiden und Menschen schützen“, betonte LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Entlang der Donau sollen deshalb bis 2028 vier weitere Hochwasserschutzprojekte in Bad Deutsch-Altenburg, Melk, Neustadtl an der Donau und Krems-Stein umgesetzt werden. Das Investitionsvolumen beträgt rund 17 Millionen Euro.
Der Natur wieder Raum geben
Doch moderner Hochwasserschutz endet längst nicht mehr beim Dammbau. Immer stärker rückt die Renaturierung der Flüsse in den Mittelpunkt. Wo Auen wieder entstehen und Flüsse mehr Platz bekommen, kann sich Hochwasser ausbreiten, ohne sofort große Schäden anzurichten. Gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für Fische, Amphibien und seltene Vogelarten.
Die Auenwildnis Wachau gilt dabei als Vorzeigeprojekt. Weitere Renaturierungen laufen bereits an der Donau bei Schallemmersdorf, an der Pielach und an der Leitha, ein weiteres Projekt an der Großen Tulln befindet sich in Vorbereitung.
Sicherheit und Natur gemeinsam denken
Für Infrastrukturminister Peter Hanke ist genau dieses Zusammenspiel der richtige Weg. Die Donau sei Lebensader, Naturraum und Verkehrsweg zugleich. Wenn Hochwasserschutz, Renaturierung und Artenvielfalt gemeinsam gedacht werden, profitieren Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt gleichermaßen. Dass in renaturierten Bereichen Fische zurückkehren und sich Vögel wieder ansiedeln, zeige den Erfolg dieses Weges.
Klimawandel verlangt ein Umdenken
Gewässerexperte Helmut Habersack sieht darin eine der wichtigsten Antworten auf den Klimawandel. Jahrzehntelang seien Flüsse eingeengt und natürliche Überflutungsflächen abgeschnitten worden. Dadurch würden Hochwasserwellen beschleunigt. Heute brauche es das Gegenteil: mehr Platz für das Wasser, damit Hochwasser langsamer abfließen kann und Schäden reduziert werden. Die Wachau sei dafür mittlerweile ein europäisches Leuchtturmprojekt.
Auch Feuerwehren profitieren
Landesfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner verwies darauf, dass sich jeder Euro im Hochwasserschutz auch für die Einsatzkräfte bezahlt mache. Schutzbauten würden nicht nur Menschen und Häuser sichern, sondern im Ernstfall auch die Feuerwehren erheblich entlasten. Gemeinsam mit moderner Ausrüstung und intensiver Ausbildung könne man Katastrophen künftig noch wirksamer begegnen.
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