Bürgermeister Michael Ludwig und Erzbischof Grünwidl zeigen sich am Wiener Donauinselfest in bester Laune. Sommer, Sonne und gute Musik mussten über eine kleine Unstimmigkeit hinwegtrösten.
Auf der Donauinsel wird auch am Samstag getanzt, gesungen, geschwitzt – und ganz nebenbei auch philosophiert. Während auf den Bühnen Gitarrenriffs, Schlagerbeats und Elektrosounds um die Wette dröhnen, sorgt ein ganz anderer „Glaubenskrieg“ für Gesprächsstoff: Spritzer oder Bier?
Wiens Bürgermeister Michael Ludwig bleibt dabei traditionsbewusst: „Ein kleines Bier – aber erst ein bisschen später. Spätestens aber bei Gert Steinbäcker und den Edlseern.“ Oberhirte und Erzbischof Grünwidl hingegen gibt sich diplomatisch – und leicht sommerlich: „Eher ein Spritzer. Aber auch erst später.“ Ein himmlisch-irdischer Kompromiss scheint also möglich.
Doch keine Sorge: Wirklich gestritten wird hier nicht. Dafür ist die Stimmung am Donauinselfest einfach zu gut. Auf den rund 4,5 Kilometern Festivalgelände feiern Jung und Alt bei freiem Eintritt, entdecken neue Musikacts oder grölen bei altbekannten Hits mit. Von Rock bis Schlager, von DJ-Sets bis Kabarett – der Samstag liefert ein buntes Programm für alle Generationen.
Zwischen Action und Muskelkater: Insel wird zum Fitnessstudio
Währenddessen geht es in der Krone-Area sportlich zu: Vater Florian kämpft sich mit seinen Kindern Maxi und Emma durch die Action-Insel des Bundesheers. Sein Fazit? „War ganz anstrengend, aber sehr lustig.“ Und mit einem ehrlichen Lächeln ergänzt er: „Ich war schon mal fitter.“
Passend dazu erklärt Vizeleutnant Gerald Pelikan vom Heeressportzentrum motiviert, worum es geht: „Militärische Fitness, Grundfertigkeiten des Soldaten – Bewegung im Gelände, heben und tragen, Selbstverteidigung. Alles auf Niveau der Besucher.“ Heißt übersetzt: Jeder darf sich ein bisschen wie ein Soldat fühlen – zumindest für ein paar Minuten.
Leise Töne im Partylärm: Wenn das Herz reden will
Doch zwischen Party, Sport und Spaß gibt es auch leise Töne. Mitten im Trubel ist die Festivalseelsorge unterwegs – erkennbar an grünen Westen und magentafarbenen Kappen. Unter dem Motto „Erzähl mir was, ich hör dir zu“ bieten sie ein offenes Ohr für alles, was Festivalbesucher bewegt.
Und das wird gebraucht: Im Vorjahr gab es rund 1600 Gespräche – ein Rekord. Themen wie Beziehungskrisen, Einsamkeit oder das Gefühl, trotz Menschenmassen allein zu sein, kommen häufig zur Sprache. Viele suchen auf dem Festival Gemeinschaft – und merken erst dort, was ihnen im Alltag fehlt.
Die Seelsorge, getragen von katholischer und evangelischer Kirche, ist längst fixer Bestandteil des „Awareness“-Konzepts. Am Ende bleibt das Donauinselfest aber das, was es immer war: ein Ort voller Gegensätze. Laut und leise. Ausgelassen und nachdenklich. Bier und Spritzer.
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