Kontert Kreml-Aussagen

Selenskyj: Einnahme wichtiger Stadt war nur „Lüge“

Außenpolitik
04.07.2026 15:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Moskau hat am Freitag die Einnahme der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka gemeldet. „Die Stadt steht nun vollständig unter unserer Kontrolle“, verkündete Kremlsprecher Dmitri Peskow. Die Ukraine hat die Einnahme sogleich zurückgewiesen. Selenskyj sagte, bei der Aussage handle es sich lediglich um eine weitere „russische Lüge“.

Kostjantyniwka ist ein strategisch wichtiger Stützpunkt auf dem Weg zu den letzten größeren Städten in der Donbass-Region, die noch unter der Kontrolle Kiews stehen. Die Stadt, die vor dem Krieg 78.000 Einwohner zählte, war seit Ende 2025 schwer umkämpft.

Russland: „Kontrollieren nun wichtige Donbass-Stadt“
Im Fernsehen war Russlands Präsident Putin in Uniform mit dem Generalstabschef zu sehen, wie er den russischen Soldaten seinen Dank aussprach. Putin sagte dabei, die Einnahme von Kostjantyniwka sei von „großer strategischer Bedeutung“ und dass die russische Armee nun die gesamte Region Luhansk im Osten der Ukraine kontrollieren würde.

Selenskyj: „Nur russische Lüge“
Die Ukraine hat russische Angaben über eine angebliche Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka kurz darauf dementiert. „Wir weisen dies zurück. Das sind weitere Falschmeldungen“, sagte ein Vertreter des ukrainischen Generalstabs am Samstag. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schloss sich dem an. „Das ist natürlich nicht wahr. Es ist nur eine weitere russische Lüge“, schrieb er am Samstag auf der Plattform X. Selenskyj erklärte, die Stadt im Osten des Landes sei weiter unter ukrainischer Kontrolle. „Wenn Kostjantyniwka unter russischer Kontrolle wäre, hätte Putin vielleicht kein Problem, mich dort zu treffen, um einen diplomatischen Weg zu finden, diesen Krieg endlich zu beenden.“

„Putin braucht positive Nachrichten“
Das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) wertete Putins Siegesmeldung als Versuch, mediale Aufmerksamkeit vor dem Wochenende mit den Feiern zu 250 Jahre Unabhängigkeit der USA zu gewinnen. Der russische Staatschef zeigte sich erstmals seit Längerem wieder in Uniform bei den Militärs. Das Verkünden von Erfolgen der Armee ist wichtig für Putin. Die Treibstoffkrise in Russland, verursacht durch ukrainische Gegenangriffe mit Drohnen, hat in der Bevölkerung großen Unmut hervorgerufen.

Zahlreiche Tote bei ukrainischen Angriffen in Russland
Zuvor waren bei einer großangelegten ukrainischen Offensive am Freitag nach russischen Angaben mindestens zehn Menschen getötet worden. Bei einer Drohnenattacke auf einen Markt in Tokmak, im von Russland kontrollierten Teil der ukrainischen Region Saporischschja, wurden etwa fünf Menschen getötet und 18 weitere verletzt, erklärte der örtliche Gouverneur im Onlinedienst Telegram.

Das Balkendiagramm zeigt die Gebietsgewinne im Ukraine-Krieg von Dezember 2025 bis Mai 2026. Russische Truppen eroberten im Dezember 2025 mit 519 Quadratkilometern die größte Fläche. Im April und Mai 2026 wurden von ukrainischen Truppen 116 und 281 Quadratkilometer zurückerobert. Quelle: ISW.

Größere Teile der Krim ohne Strom
Wiederholte ukrainische Drohnenangriffe sorgten auf der von Russland besetzten ukrainischen Halbinsel Krim in größeren Gebieten für Stromausfälle. Außerdem griff die Ukraine zwei russische Luftwaffenstützpunkte auf der Krim an. Ziel seien Kampfflugzeuge und Drohnendepots gewesen, wie der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU auf Telegram meldete.

Kiew meldet Zerstörung von Brücke auf der Krim
Die ukrainischen Streitkräfte zerstörten auf der Krim auch nach Angaben des Generalstabs in Kiew eine Brücke im Gebiet Krasnogwardejsk im Zentrum der Halbinsel vollständig. Damit sei die Versorgung der Fronten im Osten der Ukraine mit Nachschub deutlich erschwert worden. Daneben seien Radaranlagen sowie eine Anlage zur elektronischen Aufklärung bei Sewastopol von Drohnen angegriffen worden. Eine Bestätigung von unabhängiger Seite war nicht möglich.

Bisher haben die russischen Streitkräfte mit Attacken immer wieder für massive Stromausfälle in der Ukraine gesorgt. Vor allem im Winter wurde die Zivilbevölkerung damit schwer unter Druck gesetzt. Aktuell richten sich ukrainische Angriffe vermehrt gegen militärische Ziele auf der Krim. Allerdings gerät auch die Energie-Infrastruktur ins Visier ukrainischer Drohnen.

Drohnenangriff legt große russische Ölraffinerie lahm
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff stoppte die viertgrößte russische Ölraffinerie Norsi Insidern zufolge die Rohölverarbeitung. Bei der Attacke in der Region Nischni Nowgorod wurde nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Gleb Nikitin ein Mensch getötet und eine Industrieanlage beschädigt. Wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen sagten, traf die Drohne die Hauptraffinerieanlage, die 53 Prozent der Gesamtkapazität von Norsi ausmacht.

Russische Gleitbomben und Raketen auf ukrainische Städte
Bei russischen Angriffen auf die ukrainischen Großstädte Saporischschja und Dnipro mit Gleitbomben, Drohnen und Raketen kamen mindestens fünf Menschen ums Leben. In der frontnahen südostukrainischen Großstadt Saporischschja wurden durch eine Gleitbombe mindestens zwei Zivilisten getötet.

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