Qualifikationslücke

Neue Allianz gegen den Fachkräftemangel

Vorarlberg
03.07.2026 13:30
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Steigende Anforderungen der Wirtschaft und alarmierende Arbeitslosenzahlen erhöhen den Handlungsdruck. Jetzt soll ein neuer Aktionsplan von Land, Arbeiterkammer und AMS  Menschen ohne Berufsabschluss gezielt fördern.

In Sachen Arbeitsmarkt steht Vorarlberg vor großen Herausforderungen: Während die heimische Wirtschaft händeringend nach qualifizierten Fachkräften sucht, verfügt ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Beschäftigten und Arbeitssuchenden über keine abgeschlossene Berufsausbildung. Dem wollen die Zuständigen des Landes, der Arbeiterkammer und des Arbeitsmarktservice ab Herbst mit einem gemeinsamen Aktionsplan entgegenwirken.

Wettbewerbsposition absichern
„Sowohl das WIFO-Szenario für die Jahre 2030/35 als auch eine aktuelle Studie von Joanneum Research zur Erwachsenenbildung zeigen, dass die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter bis zum Jahr 2040 spürbar sinken wird“, erläuterte Wirtschaftslandesrat Marco Tittler bei einer Pressekonferenz am Metallcampus der Integra in Feldkirch. Gleichzeitig würden sich die Anforderungsprofile der Unternehmen rasant verschärfen. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs zwischen den Regionen gelte es, die Wettbewerbsposition Vorarlbergs nachhaltig abzusichern. Ein entscheidender Hebel sei hierbei die gezielte Weiterqualifizierung.

AK-Präsident Bernhard Heinzle richtete den Blick vor allem auf die soziale Komponente und die Betroffenen: „Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung befinden sich in einer langfristig schwierigen Lage. Wer keinen Berufsabschluss hat, spürt das immer stärker – bei der Jobsicherheit, beim Einkommen und beim Risiko, in Armut zu geraten.“ Die Arbeiterkammer setze daher verstärkt auf kostenlose Bildungsberatung und finanzielle Hilfen wie den Bildungszuschuss.

Service-Hinweis

Seit dem 1. Juli 2026 steht eine eigene Telefon-Hotline zur Verfügung. Unter 050 904 844 (AMS ServiceLine Fachkräfteausbildung) erhalten sowohl betroffene Arbeitnehmer als auch Betriebe umfassende Beratung zu Qualifizierungen

Wie drastisch die Situation auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich ist, belegte AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter mit aktuellen Zahlen vom Juni: Während die Arbeitslosenquote bei Menschen mit einem Lehrabschluss bei moderaten 5,4 Prozent liegt, schnellt diese bei Menschen ohne formalen Abschluss auf dramatische 17,7 Prozent nach oben. Rund 47 Prozent aller Arbeitslosen im Land (5077 Männer und Frauen) haben keinen Abschluss. Bei über 70 Prozent aller offenen Stellen wird aber mindestens eine Lehrausbildung gefordert.

Um die Maßnahmen im Kampf gegen Arbeitslosigkeit zu bündeln, wird im Herbst 2026 unter Federführung des Landes der „Aktionsplan Fachkräfteausbildung“ gestartet. Die Moderation und Prozessbegleitung übernimmt die Plattform für Fachkräfteausbildung (FAV). 

Der Sprung zur Fachkraft im eigenen Betrieb
Wie die Weiterbildung im Rahmen des Aktionsplans konkret aussehen könnte, wurde anhand von zwei Beispielen aufgezeigt. Zum einen gibt es das Modell 1 (Weiterbildungsteilzeit): Eine Assistentin in einem mittelständischen Unternehmen will die Abschlussprüfung zur Buchhalterin ablegen. Da der Vorbereitungskurs zeitintensiv ist, reduziert sie ihre Arbeitszeit im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber um 40 Prozent. Finanziell abgefedert wird dies durch das Weiterbildungsgeld des AMS: Bei einem vorherigen Bruttoeinkommen von 3.200 Euro erhält sie täglich 21,60 Euro. Die Kurskosten deckt der Vorarlberger Bildungszuschuss. Das Ergebnis ist eine klassische Win-win-Situation: Brigitte bleibt im Unternehmen, sichert ihre Existenz und der Betrieb gewinnt eine qualifizierte Buchhalterin aus den eigenen Reihen.

Vollzeit-Qualifizierung ohne Existenzängste
Beim zweiten Modell (Weiterbildungszeit) geht es um den Angestellten in einem Installationsbetrieb: Um den Meisterbrief im Rahmen eines ganztägigen Kurses zu erwerben, vereinbart er eine dreimonatige Karenzierung – die sogenannte Weiterbildungszeit. Unkompliziert beantragt über „MeinAMS“, erhält Marcus bei einem letzten Bruttogehalt von 3600 Euro nun täglich 51,50 Euro vom AMS, der Arbeitgeber steuert freiwillig 9 Euro pro Tag bei. Mit rund 1800 Euro im Monat sind die Fixkosten gedeckt. Marcus kann sich ganz auf die Meisterprüfung konzentrieren und kehrt anschließend in den Betrieb zurück.

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