Wer in Vorarlberg an den Schutz der Umwelt denkt, denkt sofort an sie: Hildegard Breiner. Drei Jahrzehnte lang leitete sie den Naturschutzbund Vorarlberg mit enormer Ausdauer. Am Mittwoch feierten Wegbegleiter die rüstige Aktivistin, die kurz zuvor ihren 90. Geburtstag beging, in der inatura Dornbirn und verabschiedeten sie feierlich aus ihrem Amt als Obfrau.
Hildegard Breiner gilt als die „Grande Dame“ des Vorarlberger Naturschutzes. Ihr unermüdlicher Weg begann bereits in den 1970er-Jahren. Gemeinsam mit ihrem Mann Franz-Viktor wehrte sie sich früh und mutig gegen Atomkraft. Sie mobilisierte die Menschen im Land vor der historischen Volksabstimmung im Jahr 1978. Dass das Atomkraftwerk in Zwentendorf nie in Betrieb ging, verdankt Österreich zu einem großen Teil den Vorarlbergern: Sensationelle 85 Prozent stimmten damals mit „Nein“ – ein riesiger Erfolg für die Breiners. Später verhinderte sie mit Zehntausenden Mitstreitern auch die Wiederaufarbeitungsanlage im deutschen Wackersdorf.
Erste gemeinschaftliche Photovoltaikanlagen im Ländle
Doch sie protestierte nicht nur, sie gestaltete auch aktiv mit. Im Jahr 1996 rief sie die bekannte „SonnenSchein-Kampagne“ ins Leben. Damit rüttelte sie die Vorarlberger für den Sonnenstrom wach. Binnen kürzester Zeit baute ein Drittel aller Gemeinden im Land die ersten gemeinschaftlichen Anlagen für Photovoltaik.
Hildegard Breiner leiht der Natur, der Umwelt und der Artenvielfalt seit einer gefühlten Ewigkeit ihre starke Stimme. Das gilt für Vorarlberg, aber auch weit über die Grenzen des Landes hinaus. Sie schloss sich früh verschiedenen Gruppen an, die sich für die Umwelt bewegen. Ihr Ziel war immer klar: Sie will die Natur erhalten, moderne Projekte für das Klima und die biologische Vielfalt fördern, erneuerbare Energien vorantreiben und Atomkraft verhindern. Bereits seit 1987 arbeitet sie aktiv im Vorstand des Naturschutzbundes mit, ab 1995 lenkte sie die Geschicke des Vereins als Obfrau. Ihr Lebensmotto lautet dabei stets: „Ausdauer ist die Macht der Ohnmächtigen.“
Dass Hildegard Breiner den Naturschutzbund so viele Jahre leitete, zeigt, wie sehr sie darauf vertraut, dass Menschen vernünftig handeln.
Christian Gantner, Landesrat
Ihr großer persönlicher Einsatz blieb nicht unbemerkt. Die Republik Österreich verlieh ihr im Jahr 2021 das Goldene Ehrenzeichen. Auch das Land Vorarlberg würdigte die bekannte Aktivistin schon mehrfach: Im Jahr 2000 erhielt sie das Große Verdienstzeichen, im Jahr 2018 folgte das Silberne Ehrenzeichen. Sogar weltweit schätzt man ihre Arbeit: In Indien erhielt sie den renommierten „Nuclear-Free Future Award“ für ihr Lebenswerk.
Im Alter von 90 Jahren zieht sich Hildegard Breiner nun von der Spitze des Naturschutzbunds zurück. Ihr Erbe und ihre Stimme im Vorarlberger Naturschutz werden hell und klar nachklingen – auch wenn mit der Novelle des Naturschutzgesetzes die Zeichen im Land gerade nicht auf Umweltschutz deuten.
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