Die Polizei muss in Niederösterreich wieder häufiger zu Betretungs- und Annäherungsverboten greifen. Bis Ende Juni wurden bereits 1411 Maßnahmen ausgesprochen – um fast 17 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Neun von zehn Gefährdern sind Männer.
Wenn Streit eskaliert und Gefahr für Leib und Leben besteht, bleibt der Polizei oft nur eine Möglichkeit: Der mutmaßliche Gefährder muss die Wohnung sofort verlassen und darf sich dem Opfer nicht mehr nähern. Ein Betretungs- und Annäherungsverbot mussten Niederösterreichs Beamte heuer bereits 1411 Mal aussprechen. Das sind bis Ende Juni um fast 17 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025.
Effektiver Gewaltschutz gelingt nur durch das Zusammenspiel von konsequentem Einschreiten, nachhaltiger Prävention und professioneller Unterstützung.
Landespolizeidirektor Franz Popp
Eine eindeutige Erklärung für den Anstieg hat man bei der Exekutive zwar nicht. Möglich ist aber, dass immer mehr Betroffene Hilfe suchen. „Die Bereitschaft, sich an Institutionen zu wenden, ist Jahr für Jahr gestiegen“, so Landespolizeidirektor Franz Popp. Ein recht klares Bild gibt es hingegen von den Gefährdern: Neun von zehn sind Männer, in zwei Dritteln der Fälle handelt es sich um Gewalt in aktuellen oder ehemaligen Beziehungen. Die klare Mehrheit besitzt die österreichische oder eine andere EU-Staatsbürgerschaft.
Nach der Wegweisung beginnt die Uhr zu ticken: Das Betretungs- und Annäherungsverbot gilt zunächst für 14 Tage. Innerhalb von fünf Tagen müssen sich die Betroffenen beim Verein Neustart melden. Die erste verpflichtende Beratungseinheit muss innerhalb der zweiwöchigen Geltungsdauer absolviert werden.
„Ziel ist es, im Gespräch mit speziell ausgebildeten Beratern, die Gewalt einzustellen, Ursachen herauszufinden, alternative Lösungen aufzuzeigen und bei der Person zu erreichen, dass sie selbst an sich arbeitet“, erklärt Alexander Grohs, Leiter des Vereins Neustart. Seit 2021 wurden in NÖ bereits 10.000 Gefährder erreicht. „Wir reden nicht von Einzelfällen, sondern von Mustern“, so Grohs.
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