Sommertipps für Eltern

Kurs voll? So lernt Ihr Kind trotzdem Schwimmen

Oberösterreich
01.07.2026 18:00

Kein Platz frei im Schwimmkurs? Wie Kinder trotzdem lernen, sicher mit Wasser umzugehen, und wie Eltern dabei helfen können, verraten wir hier. 

Die Wartelisten sind lang, viele Kurse längst ausgebucht. Und je näher der Urlaub rückt, desto größer wird bei vielen Eltern die Sorge: Was, wenn mein Kind bis dahin nicht richtig schwimmen kann? Die gute Nachricht: Die Basis dafür entsteht lange vor den ersten Brustzügen – und lässt sich gut mit Mama und Papa üben. 

Wer an Schwimmenlernen denkt, denkt oft an Technik. Tatsächlich beginnt alles viel früher: mit der Wassergewöhnung. Spritzen, durchs flache Wasser laufen, Spielzeug vom Beckenboden holen – all das hilft, das Element Wasser kennenzulernen, so Marion Falzeder, Gründerin von Nessie-Verein Wasserspaß: „Viele Eltern hängen ihr Kind ins Becken, packen eine Schwimmhilfe drauf und erwarten, dass es gleich losschwimmt.“ Dabei sei gerade das langsame Herantasten entscheidend. Kinder sollten erleben, wie sich Wasser anfühlt, wie es den Körper bewegt und dass es nicht schlimm ist, wenn das Gesicht nass wird. Auch zuhause in der Badewanne oder mit einer großen Schüssel Wasser lasse sich das spielerisch üben.

Das wichtigste erste Ziel: Zurück an den Beckenrand!
Was bedeutet eigentlich „schwimmen können“? Viele würden sagen: 25 Meter Brustschwimmen. Für Falzeder greift das zu kurz. „Schwimmen heißt für uns: Ich kann mich atmend von A nach B bewegen. Kinder müssen nicht perfekt sein in ihrem Stil. Sondern überleben!“, stellt Falzeder klar. Deshalb gilt: Erst lernen, mit Wasser im Gesicht umzugehen, unterzutauchen und sich wieder aufzurichten – die Schwimmtechnik kommt später.

Kann ein Kind nach einem Sturz ins Wasser selbstständig an den Beckenrand gelangen, ohne in Panik zu geraten, können viele schwere Ertrinkungsunfälle verhindert werden. Dieses Ziel lasse sich oft schon im Alter von zwei bis drei Jahren vorbereiten. Ganz besonders, wenn das Kind regelmäßig Babyschwimmkurse besucht hat. Dass Neugeborene von Anfang an mithilfe des Atemschutzreflexes tauchen können, sei jedoch eine veraltete Ansicht, sagt Falzeder. „Dieser Reflex ist nicht angenehm, weil er die Luftröhre versperrt, und sollte deshalb nicht weiter geübt werden. Wir vom Babyschwimmverband verfolgen den Ansatz, dass jedes Kind seine eigene Strategie entwickeln sollte, mit Wasser umzugehen. Selbstbestimmung spielt dabei eine wichtige Rolle und Neugeborene, die ihren Kopf noch nicht einmal halten können, können das noch nicht.“ 

Die richtige Schwimmhilfe für die richtige Technik
Aber ganz ohne Flügerl und Co. geht es dann doch nicht - oder? „Ich muss das Wasser auch ohne Schwimmhilfe erleben, das ist wichtig. Denn was viele Eltern nicht bedenken: Ein Kind, das nicht tauchen kann, wird kein sicherer Schwimmer! Die Technik erlerne ich dann mit einer Schwimmhilfe - meistens im Volksschulalter.“

Denn dazu braucht es Kraft, Koordination und Ausdauer. „Schwimmen ist Sport“, betont Falzeder. „Niemand, der gerade Radfahren lernt, fährt gleich auf den Großglockner. Genauso wenig lernt man in wenigen Tagen vor dem Sommerurlaub Schwimmen.“ Zum Üben empfiehlt die erfahrene Trainerin Schwimmnudel und -brett, weil damit Arm- und Beinbewegungen getrennt trainiert werden können. Wer Schwimmhilfen verwendet, sollte solche bevorzugen, bei denen sich der Auftrieb reduzieren lässt – etwa Schwimmscheiben oder -gürtel. Den „aktuellen Hype um Schwimmwesten“ kann die Trainerin daher nicht nachvollziehen.

(Bild: Krone KREATIV/Markus Wenzel, stock.adobe.com)

Was übrigens viele überrascht: Aus Sicht der Sicherheit ist Rückenschwimmen sogar wichtiger als Brustschwimmen. „Auf dem Rücken kann ich atmen, mich ausruhen und neu orientieren“, erklärt Falzeder. Gerade wenn Kinder erschöpft sind, könne diese Fähigkeit entscheidend sein.

Ab wann Kinder alleine im Freibad unterwegs sein dürfen
Dass manche Kinder Respekt vor dem Wasser haben und länger brauchen, bis sie den Sprung ins kühle Nass wagen, sei völlig normal. Wichtig sei, sie nicht zu drängen – aber auch nicht auszuweichen. Falzeder: „Ich würde empfehlen, das Kind in kleinen Dosen und guter Begleitung Schritt für Schritt an das Wasser heranzuführen.“

Eines ersetzt allerdings auch das beste Training nicht: die Aufsicht der Erwachsenen. „Kinder sollten erst alleine gelassen werden, wenn sie tauchen und schwimmen vollständig beherrschen und es auch kein Problem ist, wenn Wasser unbeabsichtigt in Mund oder Augen gerät“, weiß Martin Eberl von der Wasserrettung. 

Tipps von der OÖ Wasserrettung

  • Wichtig für alle Altersstufen, besonders bei hohen Temperaturunterschieden: Vor dem Sprung abkühlen, um den Körper nicht zu überfordern!
  • Frierende Kinder mit blauen Lippen sollten möglichst rasch aus dem Wasser.  
  • Sport nach einer deftigen Mahlzeit kann zu Kreislaufproblemen führen, daher: Nach dem Essen warten! „Semmerl oder Eis sind da aber eher keine Gefahr“, beruhigt Martin Eberl.
  • Im Wasser am besten kräftige, leuchtende Neonfarben tragen.  
  • Am besten eignen sich Schwimmhilfen, bei denen sich der Auftrieb reduzieren lässt. 
  • Gemeinsam lernt man Schwimmen am besten! Kleine Gruppen mit 2 bis 4 Kindern sind eine optimale Größe.

Ertrinken zählt in Österreich zu den häufigsten tödlichen Unfallursachen in dieser Altersgruppe. Umso wichtiger ist es, dass Kinder möglichst früh lernen, sich im Wasser selbst zu helfen – auch wenn der erste Schwimmkurs noch auf sich warten lässt.

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