Das sagt die Neue:

„Für Kleinschulen ist das Standortabsicherung“

Tirol
30.06.2026 12:00

Ab 1. Juli ist Bettina Ellinger Bildungsdirektorin für Tirol. Im Interview mit der „Krone“ erläutert sie, was sie ändern will, was sie LH Anton Mattle sagt, der die Bildungsdirektionen abschaffen will, wie sie die Idee für sechs Jahre Volksschule sieht und warum die Sommerschule heuer boomt.

„Krone“: Frau Ellinger, ab morgen sind Sie Chefin einer Behörde, die LH Mattle auflösen möchte. Was sagen Sie dazu, zumal Sie für die ÖVP im Landtag saßen?
Ellinger: Ich möchte betonen, dass ich 2018 alle meine politischen Ämter zurückgelegt habe. In meinen Funktionen im Bildungswesen war es mir stets wichtig, neutral zu agieren. Für die Stelle der Bildungsdirektorin habe ich mich beworben, weil ich zutiefst von der Bildungsdirektion überzeugt bin. Sie ist wichtiges Bindeglied zwischen Bund und Ländern. Über Reformen kann man immer reden – da bin ich offen. Aber die Institution hat sich als wichtig erwiesen, zumal sie auf regionale Gegebenheiten in den Ländern reagieren kann.

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Wir hatten im Vorjahr in der Sommerschule 3900 Anmeldungen, heuer sind es mit 5200 deutlich mehr.

Bettina Ellinger, Bildungsdirektorin für Tirol

In welchen Fächern es bei Lehrern eng werden kann
Welche Herausforderungen sehen Sie in Tirol?
Die personelle Entwicklung bei Lehrern und Schulleitern ist ein Thema. Tirol ist aktuell gut aufgestellt. Im Herbst gibt es kaum offene Stellen. Wir hatten deutlich mehr Bewerber als ausgeschriebene Stellen. Aber langfristig müssen wir gut planen. In den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch haben wir Bedarf, auch bei Volksschullehrern, bei Inklusion, Sonderpädagogik und überraschenderweise im Fach Sport.

Wir bereiten auch ein Format vor, um mehr Pädagogen für eine Schulleitung zu gewinnen. Als ehemalige Schulleiterin möchte ich vermitteln, welche tollen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Job bietet. Helfen können Schulcluster, in denen Schulen in einer Region zusammenrücken. Ich sehe das auch als Standortabsicherung für Kleinschulen und als Unterstützung für Gemeinden als Schulerhalter.

Ellinger erläutert im „Krone“-Gespräch, was ihr wichtig ist.
Ellinger erläutert im „Krone“-Gespräch, was ihr wichtig ist.(Bild: Johanna Birbaumer)

Die Sommerferien stehen vor der Tür und auch die Sommerschule, die heuer für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen Pflicht ist. Wie laufen die Vorbereitungen?
Wir hatten im Vorjahr 3900 Anmeldungen, heuer sind es mit 5200 deutlich mehr. Was mich freut: Wir können heuer 104 Standorte mit mehr als 220 Lehrern und 100 Studierenden anbieten. Erfreulich ist, dass sich fast 600 Lehrer für die Sommerschule gemeldet haben. Das tolle Format hat sich etabliert: Es ist Hilfe bei Lerndefiziten, aber auch Begabtenförderung und Kennenlernraum bei einem Schulwechsel.

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Ich wäre eine schlechte Volksschullehrerin und Erziehungswissenschaftlerin, wenn ich nicht offen für das Modell einer gemeinsamen Schule offen wäre.

Bettina Ellinger, Bildungsdirektorin für Tirol 

Viele Bildungsexperten sehen in Österreich wenig Chancengleichheit für Kinder. Was kann die Bildungsdirektion da tun und wie stehen sie zur Idee des Bildungsministers, die Volksschule auf sechs Jahre auszudehnen?
Das Thema Chancengleichheit ist ein Herzensprojekt von mir. Und ich sehe Möglichkeiten, das besser zu steuern. Ein Instrument ist der Chancenbonus des Bundes, der in Tirol elf Schulen zugutekommt. Ressourcen dorthin, wo sie gebraucht werden – dieses Ziel verfolgen wir auch in der Bildungsdirektion. Wir sehen uns als Unterstützer der Schulen, die wissen, was sie brauchen. Zur Idee einer 6-jährigen Volksschule sage ich nicht nein. Aber noch liegen keine Details vor. Mir ist wichtig, offen für Reformen zu bleiben und für Pilotprojekte, bevor wir in die Breite gehen.

Sind Sie auch offen für eine gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen?
Ich wäre eine schlechte Volksschullehrerin und eine schlechte Erziehungswissenschaftlerin, wenn ich nicht offen für dieses Modell wäre. Es ist meine persönliche Überzeugung, aber es ist eine politische Entscheidung. Wenn der Wunsch da ist, werden wir als Bildungsdirektion das unterstützen.

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