Wettlauf gegen Zeit

Deutscher Möbel-Riese steht kurz vor dem Aus

Wirtschaft
29.06.2026 10:40
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Krise in der deutschen Möbelbranche fordert das nächste prominente Opfer: Der Polstermöbelhersteller Himolla hat ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren beantragt. Für den Traditionsbetrieb aus Bayern beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit – und für rund 850 Beschäftigte in Deutschland eine Phase großer Unsicherheit. Noch soll der Geschäftsbetrieb allerdings ohne Einschränkungen weiterlaufen.

Himolla mit Stammsitz im bayerischen Taufkirchen zählt zu den größten Polstermöbelherstellern Europas. Das 1948 gegründete Unternehmen produziert Sofas, Relax-Sessel und Wohnlandschaften und beschäftigt in der gesamten Unternehmensgruppe mehr als 2000 Mitarbeiter. Allein am deutschen Standort Taufkirchen arbeiten rund 850 Menschen. Das Unternehmen erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von knapp 190 Millionen Euro.

Die Geschäftsführung hat nun ein Schutzschirmverfahren für die deutsche Gesellschaft beantragt. Ziel ist eine Sanierung in Eigenverwaltung. Anders als bei einer klassischen Insolvenz bleibt die Unternehmensführung dabei im Amt und wird von externen Sanierungsexperten unterstützt.

Schwache Nachfrage belastet die Branche
Als Gründe für die wirtschaftliche Schieflage nennt Himolla die anhaltend schwierige Marktlage. Die Möbelindustrie leidet nach Unternehmensangaben unter der schwachen Konsumlaune, der stockenden Bautätigkeit sowie einem intensiven Preiswettbewerb mit Herstellern aus Niedriglohnländern.

Zwar habe Himolla seine Marktanteile trotz rückläufiger Umsätze stabil halten können. Die bisherigen Restrukturierungsmaßnahmen hätten die Umsatzrückgänge und Verluste jedoch nicht ausgleichen können. Sanierungsgeschäftsführer Tillmann Peeters erklärte, das Unternehmen wolle die Zeit unter dem Schutzschirm nutzen, um einen Sanierungsplan zu erarbeiten, der das Kerngeschäft stabilisiert und der Unternehmensgruppe eine nachhaltige Perspektive eröffnet.

Möbelindustrie weiter in der Krise
Mit Himolla gerät ein weiterer traditionsreicher Hersteller in Schwierigkeiten. Bereits zuvor hatten unter anderem Hülsta, König + Neurath und Interlübke Insolvenz anmelden müssen.

Die gesamte deutsche Möbelindustrie setzte im vergangenen Jahr rund 15,8 Milliarden Euro um – ein Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders stark betroffen sind die Hersteller von Polstermöbeln: In den ersten beiden Monaten des Jahres gingen ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13 Prozent zurück.

Betrieb läuft vorerst weiter
Für Kunden gibt es vorerst Entwarnung. Nach Angaben des Unternehmens werden alle Aufträge wie geplant abgewickelt, der Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter.

Die Beschäftigten am deutschen Standort erhalten für die Monate Juni, Juli und August Insolvenzgeld. Das Schutzschirmverfahren betrifft zunächst ausschließlich die deutsche Gesellschaft. Die Standorte in Polen, Rumänien, der Slowakei und Ungarn sind davon nach Unternehmensangaben nicht unmittelbar betroffen.

Was bedeutet ein Schutzschirmverfahren?
Ein Schutzschirmverfahren ist eine besondere Form des Insolvenzverfahrens zur Sanierung eines Unternehmens. Voraussetzung ist, dass das Unternehmen noch nicht zahlungsunfähig ist. Während eines Zeitraums von bis zu drei Monaten bleibt die Geschäftsführung im Amt und kann unter gerichtlichem Schutz einen Insolvenzplan ausarbeiten. Ziel ist es, das Unternehmen zu stabilisieren und eine Fortführung zu ermöglichen.

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