Mit seinem sehenswerten Tor in der Nachspielzeit schießt Stephen Eustaquio Kanada gegen Südafrika ins WM-Achtelfinale. Nach dem Spiel wurde der Matchwinner emotional. Seine traurige Geschichte geht um die Welt ...
Teamchef Jesse Marsch hat den größten Erfolg der kanadischen Fußball-Geschichte sofort mit dem ganzen Team genossen. „Die harte Arbeit, die meine Burschen geleistet haben, ihr Charakter, ihre Stärke, das macht sie zu kanadischen Helden. Ich bin so glücklich“, sagte der ehemalige Salzburg-Cheftrainer am Sonntag nach dem 1:0 im WM-Sechzehntelfinale gegen Südafrika. Das Spiel wurde aber erst in der Nachspielzeit entschieden, als alle bereits an eine Verlängerung dachten.
Das Sechzehntelfinale in Los Angeles gegen tapfere Südafrikaner, die oft ideenlosen Kanadiern lange Zeit Paroli boten und auch ihre Chancen hatten, hatte zwei Geschichten: zum einen das Comeback des langzeitverletzten Bayern-Profis Alphonso Davies, der sich vor 15 Monaten in diesem Stadion bei einer Begegnung mit den USA das Kreuzband gerissen hatte und als Einwechselspieler nun zum ersten Mal seither für die Kanadier auflief. Diese hatten ihren Leithammel in der 75. Minute zurück, und nicht nur als solcher konnte er quasi aus dem Stand den Charakter des Spiels ändern.
Traurige Geschichte von WM-Held geht um die Welt
Zum anderen war es die Geschichte des Torschützen Stephen Eustaquio, der in der 92. Minute die Kanadier ins Glück und nach Houston schickte. Der 29-Jährige hatte vor wenigen Jahren innerhalb kurzer Zeit seine Eltern verloren. Als ihn ein Reporter nach Spielende fragte, was ihm das Tor vor diesem Hintergrund bedeute, wurde er emotional: Die Tränen schossen ihm in die Augen, kurz hielt er die Hände vor das Gesicht. „Ich tue alles für meine Familie, meine Eltern, meine Freundin, meine Tochter, meinen Bruder, für meine Freunde daheim – für alle“, so Eustaquio. Im April 2023 starb seine Mutter an den Folgen seines Hirntumors. Ein Jahr später starb sein Vater an einem Herzinfarkt – nur wenige Tage nach der Geburt von Eustaquios Tochter Benedita. Schon bei der WM 2022 in Katar hatten seine Eltern wegen der schweren Erkrankung der Mutter nicht vor Ort sein können. Nun verpassten sie auch den größten Moment der Karriere ihres Sohnes.
Dass ausgerechnet Eustaquio Kanada mit seinem Tor in der Nachspielzeit zum ersten K.-o.-Sieg bei einer Weltmeisterschaft schoss, freute auch Jesse Marsch. „Vielleicht hat es Steph am meisten verdient, so einen Moment zu haben“, sagte der Coach. „Ich bin sehr glücklich für ihn, und ich glaube, von irgendwo oben schauen seine Eltern herunter.“
Südafrikaner verabschieden sich stolz
Die Südafrikaner gingen erhobenen Hauptes aus dem Turnier. Nach dem sehr schwachen Eröffnungsspiel in Mexiko-Stadt gegen Mexiko hielt es kaum jemand für möglich, die Mannschaft in der K.o.-Phase wiederzusehen. Aber die Bafana Bafana steigerte sich enorm. Für die Kanadier war es dennoch nicht genug, wie auch Teamchef Hugo Broos anerkannte: „Ich denke, wir müssen heute ehrlich sein. Wir haben das Spiel verloren, weil es an Power und Tempo in unserem Team fehlte“, sagte er in der Pressekonferenz nach dem Spiel.
„Wenn ich uns mit unserem Gegner vergleiche, haben wir viele Duelle verloren, und der Speed in unserer Mannschaft – nicht nur das läuferische Tempo, sondern auch das Tempo beim Abschluss – war nicht auf gleicher Höhe. Wenn man sieht, wie schnell Kanada spielt, und auch ihr Aufbau, hat es manchmal lange gedauert, bevor wir eine Entscheidung getroffen haben“, analysierte Broos. Dennoch: „Ich bin sehr stolz auf mein Team.“
Kanada trifft nun auf die Niederlande oder Marokko
Für Kanada geht es nun nach Houston in Texas. Dort erwarten sie den Sieger aus der Begegnung Niederlande – immer im erweiterten Favoritenkreis – gegen den WM-Vierten von Katar, Marokko. Bei allem Respekt für Südafrika ist das wohl ein ganz anderes Kaliber. Auch deshalb scheint es mehr als nur ein Wermutstropfen zu sein, dass sich die Marsch-Truppe „nur“ als Gruppenzweiter qualifiziert hat und mit Fortdauer des Turniers nun auf das Heimrecht verzichten muss.
Marsch jedenfalls freut sich auf das Spiel am Samstag (19.00 Uhr/live ServusTV) gegen einen „Giganten“. Es sei das Ziel gewesen, weit genug für ein solches Match gegen ein Schwergewicht zu kommen. Kanada habe nichts zu verlieren. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um das zu gewinnen“, versicherte der US-amerikanische Coach der Ahornblätter.
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