KU2-Senkung der WKO

Bei näherer Betrachtung gerät man ins Staunen

Tirol
20.06.2026 13:00

Einige Rechenbeispiele aus der Praxis zeigen, wie „entlastend“ die viel umjubelte KU2-Senkung der Wirtschaftskammer für Betriebe ist – Luft nach oben ist da! FW-Landesobfrau Evelyn Achhorner hat sich die Senkung im Detail angesehen und muss ob der Ergebnisse leicht schmunzeln.

Mit viel gegenseitigem auf die Schulter klopfen haben Anfang Juni die Mitglieder des sogenannten Wirtschaftsparlaments der Wirtschaftskammer Tirol die Senkung der Kammerumlage 2 (KU2) beschlossen. Einstimmig sogar. Also auch mit den Stimmen der offen bekennenden „Kammergegner“ FPÖ und Neos – aber dazu später. In drei Schritten – beginnend 2027 – soll diese KU2 von 0,39 auf 0,34 Prozent gesenkt werden. Damit kann das einzelne Zwangsmitglied der Kammer Tirol wohl vorerst wenig bis rein gar nichts anfangen. Konkreter wird es schon, wenn man die Summe der Einsparung nennt, die nach dieser dreistufigen Senkung schlagend wird. Laut Kammer-Aussage nimmt man derzeit rund 30 Millionen Euro mit dieser KU2 ein. Ab dem Jahr 2030 werden es jährlich rund 6,2 Millionen weniger sein. Ist das wirklich viel?

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Die Senkung der KU2 ist positiv für die Betriebe. Für die Großen wird es schon viel ausmachen, aber auch die Kleinen brauchen eine spürbare Entlastung.

Evelyn Achhorner, FW-Landesobfrau

 Nun: Mehr als 50 Prozent der rund 54.000 Pflichtmitglieder werden davon nie etwas spüren, weil sie keine Mitarbeiter haben. Für sie ändert sich also gar nichts.

Spannend wird es für Betriebe, die Mitarbeiter haben. Die eingangs erwähnte FPÖ, die als Freiheitliche Wirtschaft Tirol (FWT) im Wirtschaftsparlament sitzt, hat dieser Senkung zugestimmt. „Die Senkung der KU2 ist positiv für die Betriebe. Für die Großen wird es schon viel ausmachen, aber auch die Kleinen brauchen eine spürbare Entlastung. Und da nützt eine Maßnahme der Kammer nicht viel“, betont Evelyn Achhorner, FW-Landesobfrau. Sie hat sich im Detail diese „Entlastung“ angesehen und bringt Beispiele.

Beispiel 1: Ein typischer kleiner Tiroler Handwerksbetrieb mit drei bis vier Mitarbeitern, Bruttolohnsumme ca. 300.000 €/Jahr. Einsparung nach voller Umsetzung der Senkung ab 2030: gesamt 150 € pro Jahr.

Beispiel 2: Mittlerer Handwerksbetrieb (Elektriker, Maler, Tischler, Installateur etc.), mit acht bis zwölf Mitarbeitern, Bruttolohnsumme etwa 600.000 bis 800.000 €. Einsparung gesamt: 300 bis 400 €/Jahr.

Beispiel 3: Größerer Handwerksbetrieb mit 20 und mehr Mitarbeitern, Bruttolohnsumme 1,5 Mio. Euro jährlich. Einsparung gesamt rund 750 €/Jahr.

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Es bringt den Unternehmern nur etwas, wenn es Reformen in der WKO gibt und zugleich eine vernünftige Wirtschaftspolitik im Bund gemacht wird.

Evelyn Achhorner, FW-Landesobfrau

Weitere Entlastungen gefordert
Achhorner, die auch im Tiroler Landtag sitzt, will diese KU2-Senkung keinesfalls schlechtreden, weil „diese Beträge wenigstens direkt spürbar sind als niedrigere monatliche Lohnnebenkosten in der Personalverrechnung. Sie bleiben dem Betrieb als Liquidität erhalten“, betont sie. Aber es brauche weitere Entlastungen. „Es bringt den Unternehmern nur etwas, wenn es Reformen in der WKO gibt und zugleich eine vernünftige Wirtschaftspolitik im Bund gemacht wird – ohne weitere Steuerbelastungen. Aber wir sehen ja immer wieder, dass Regierung und Wirtschaftskammer nicht am gleichen Strang ziehen, obwohl teils dieselben Vertreter im Nationalrat und im Wirtschaftsparlament sitzen.“ Als neue Belastungen nennt Achhorner etwa die Paketsteuer, die CO2-Abgabe, die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel usw.

Letztlich sei die Zustimmung ihrer Fraktion als kleiner Vertrauensvorschuss für Tirols WK-Präsidentin Barbara Thaler und ihr Bemühen zu einer Verschlankung der WK Tirol zu sehen. Mehr aber auch nicht.

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