Prekäre Bedingungen

Schuhfirma On stoppt Bestellungen bei Asia-Fabrik

Wirtschaft
18.06.2026 18:29
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Schweizer NGO Public Eye stellt in einem Bericht prekäre Arbeitsbedingungen bei Zulieferern des börsennotierten Schweizer Laufschuh- und Sneaker-Produzenten On in Indonesien fest. Das Unternehmen hat die Bestellungen bei Sublieferanten gestoppt, wie es am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP sagte. Der ehemalige Tennis-Star Roger Federer ist an On beteiligt. 

Im Bericht geht es um den direkten On-Zulieferer Long Rich und dessen Sublieferanten Yihong auf der Insel Java, die unter anderem für On, Brooks und New Balance produzieren. Viele Beschäftigte erhielten nur den gesetzlichen Mindestlohn von 2,9 Millionen Rupiah oder knapp 130 Franken (141 Euro) im Monat, schreibt Public Eye. Dies reiche nicht zum Leben. Beim Yihong stellte die NGO Arbeitszeitverstöße, fehlende Verträge, unrechtmäßige Kündigungen und Belästigung fest. Ein Streit habe dort zur Entlassung von 112 Gewerkschaftsmitgliedern geführt. Auf Druck der Schuhhersteller seien 64 von ihnen jedoch wieder eingestellt worden.

On reagiert mit Bestellstopp und Untersuchung
On erklärte gegenüber AWP, die geschilderten Zustände stünden „in klarem Widerspruch“ zu Ons Grundwerten und Supplier Code of Conduct und würden nicht toleriert. Das Unternehmen habe eine umfassende unabhängige Untersuchung eingeleitet und sämtliche neuen Aufträge bei Yihong ausgesetzt, bis die Verstöße behoben seien.

Video: Der Fabrikarbeiter Suryana erklärt die Herstellung von On-Schuhen

  Die Wiedereinstellung von 64 Gewerkschaftsmitgliedern bestätigt On. Public Eye bezeichnet diese als außergewöhnlichen Erfolg. Die Fabrik habe sich zudem verpflichtet, einen Großteil der entgangenen Löhne nachzuzahlen. Laut On hatte eine unabhängige Überprüfung im Oktober 2025 die Missstände nicht aufgedeckt. Die Firma will nun die Beschwerdemechanismen verbessern und den Dialog mit Public Eye sowie lokalen Organisationen stärken.

Niedrige Löhne trotz hoher Margen
Die Sportmarke peilt für das laufende Jahr einen Umsatz von 3,5 Mrd. Franken (3,8 Mrd. Euro) und eine Bruttomarge von mindestens 64,5 Prozent an. Public Eye argumentiert, On sei hochprofitabel und könnte allen Zulieferern und Sublieferanten existenzsichernde Löhne zahlen.

Die NGO verweist zudem auf den Nachhaltigkeitsbericht von On, in dem stehe, dass gesetzliche Mindestlöhne häufig keinen „angemessenen Lebensstandard“ ermöglichten und alle Beschäftigten in der Lieferkette einen „fairen, existenzsichernden Lohn“ verdient hätten.

On bestätigt, dass die im Bericht genannten Fabriken den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn zahlen. Dieser liege aber zumindest in Teilen Indonesiens unter einem existenzsichernden Lohn, räumte der Schuhkonzern ein. Allerdings würden bereits mehr als 80 Prozent der bewerteten Tier-1-Zulieferer den Standard für existenzsichernde Löhne erfüllen. Mit dem betroffenen direkten Zulieferer Long Rich führe On Gespräche, um diese Lücke zu schließen.

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