Ein WM-Spiel um 6 Uhr morgens fordert ungewöhnliche Maßnahmen: Im blauen Landtagsklub liefen die Vorbereitungen schon ab halb vier Uhr nachts. Zwischen Kaffeemaschine, rot-weiß-roten Wahlkampf-Gadgets und der bangen Frage, ob die Bewirtung eigentlich noch als Landtagsarbeit durchgeht, wurde der 3:1-Sieg Österreichs gegen Jordanien gefeiert.
Wer am Dienstag um kurz vor 6 Uhr verschlafen ins Bregenzer Landhaus tappte, wurde vom Portier mit der Frage begrüßt: „Gehörst Du auch zu den Verrückten, die so früh Fußball schauen?“ Im Landtagsklub der Vorarlberger Freiheitlichen liefen währenddessen die letzten Vorbereitungen vor dem ersten Match des Nationalteams. Klubdirektor Joachim Weixlbaumer hatte schon um 3.30 Uhr den Ofen in seiner Heimatstadt Bludenz angeworfen, um die ersten Brezen aufzubacken. Diese standen bereits im Korb bereit – ein Schwung Weißwürste landete im heißen Wasser. Klubobmann Markus Klien pendelte zwischen Kaffeemaschine und der blauen WM-Arena, um die Zuseher mit dem begehrtesten aller Getränke zu versorgen – Kaffee!
Während sich die österreichischen Teamspieler zu Beginn mühten, eine Anspielstation im Strafraum des Gegners zu finden, trudelten die letzten Fans ein. FPÖ-Geschäftsführer Stefan Winder hatte noch ein paar rot-weiß-rote Gadgets von den letzten Wahlkämpfen ausgegraben und mitgebracht. Rasenden Absatz fanden diese aber nicht. Für wesentlich mehr Begeisterung sorgte hingegen der Weitschuss von Romano Schmid, der im Tor der Jordanier einschlug. „Das hätten wir nicht besser machen können“, waren sich der Klubdirektor und sein Stellvertreter, Tobias Federer, einig.
Ärger mit der Rechnungshofdirektorin?
Zeit für Weißbier und Weißwürste. „Das sind die billigen vom Discounter, damit es keinen Ärger mit dem Rechnungshof gibt“, scherzte Weixlbaumer Bezug nehmend auf die jüngste RH-Prüfung. Allerdings war er sich nicht ganz sicher, ob die Bewirtungskosten im Rahmen eines Fußballspiels noch unter Landtagsarbeit fallen. Den Mitarbeitern des Landhauses, die sich im blauen Klub eingefunden hatten, war das egal. Sie fieberten nach dem zwischenzeitlichen Unentschieden weiter mit ihren Kickern mit.
Bange Minuten in der Nachspielzeit
Ein aberkanntes Tor, dann doch die 2:1 Führung – und satte zehn Minuten Nachspielzeit. Während sich die Klubdirektoren über die lange Nachspielzeit ärgerten, blickte FPÖ-Landesrat Manfred Vogt etwas sorgenvoll auf den Bildschirm. In der Geschichte des Fußballs gibt es schließlich genügend Beispiele, wie ein sicher geglaubter Sieg doch noch verschenkt wurde. Mit seinem verwandelten Elfmeter sorgte Marko Arnautovic dann aber nicht nur für den Endstand, sondern auch dafür, dass das Bangen im FPÖ-Klub ein vorzeitiges Ende nahm.
Besonders zufrieden war Klubobmann Markus Klien. Mit seinem 2:0-Tipp war er gar nicht so falsch gelegen – und liegt in seiner privaten Tipprunde auf Platz 1. „Und wer ist um 4 Uhr beim Algerien-Spiel dabei?“, wollte Weixlbaumer abschließend wissen. Die glücklichen, aber recht verschlafenen Fußball-Verrückten hatten dafür allerdings nur ein müdes Lächeln übrig.
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