Museum für Geschichte

Wie Hilfe aus Übersee den Wiederaufbau ermöglichte

Steiermark
18.06.2026 09:00

Das Museum für Geschichte in Graz blickt in der Ausstellung „Nach dem Krieg“ auf die Zeit nach 1945 und wie internationale Hilfe den Wiederaufbau der Steiermark möglich machte.

„Wir würden uns wünschen, dass die Ausstellung weniger Gegewartsbezug hätte“, sagt Bettina Habsburg-Lothringen, Leiterin des Museums für Geschichte. Während Millionen Menschen aktuell an den Auswirkungen von Kriegen leiden, blickt das Haus mit der Ausstellung „Nach dem Krieg“ auf das Ende des Zweiten Weltkrieges zurück und stellt die Frage: Was folgt eigentlich auf das Ende eines Krieges?

Drei Viertel der Kinder waren unterernährt
„Not und Elend enden ja nicht, nur weil die Waffen niedergelegt werden“, sagt Ausstellungskurator Heribert Macher-Kroisenbrunner. 1945 war das Leben in der Steiermark vor allem vom Mangel geprägt: „1946 waren drei Viertel der Kinder in der Steiermark unterernährt. Man konnte wegen der Zerstörung und dem Mangel an Arbeitskräften nur 15 Prozent der Nahrungsmittel selbst produzieren. Es fehlten rund 23.000 Wohneinheiten, Menschen hausten in Ruinen.“

Kurator Heribert Macher-Kroisenbrunner mit Museumchefin Bettina Habsburg-Lothringen.
Kurator Heribert Macher-Kroisenbrunner mit Museumchefin Bettina Habsburg-Lothringen.(Bild: Universalmuseum Joanneum/J.J. Kucek)

Hilfe kam ab Kriegsende 1945 vor allem von der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration), die Hilfe aus aller Welt – von Australien bis Südafrika – bündelte und auch in die Steiermark brachte: „Rund 80 Prozent der Nahrungsmittel, die damals verteilt wurden und von denen viele Steirerinnen und Steirer, aber auch Flüchtlinge, die hier gestrandet waren, abhängig waren, kamen über die UNRRA“, weiß Macher-Kroisenbrunner, der im Archiv der heute zur UNO gehörenden Organisation geforscht hat. Dort hat er auch Bilder aus deren Arbeit in der Steiermark gefunden, die in der Schau erstmals in Österreich zu sehen sind.

Einblick in den Nachkriegs-Alltag
Sie zeigen nicht nur die Armut jener Zeit (und die Freude über die Hilfe), sondern auch den Nachkriegs-Alltag: Dazu gehörte etwa auch der „Rucksack-Tourismus“: Städter wanderten mit ihren Wertgegenständen im Rucksack aufs Land und erhofften sich im Tausch von Bauern Lebensmittel. Und auch der Schwarzhandel (etwa im Grazer Volksgarten) blühte auf.

Der UNRRA-Einsatz lief übrigens 1947 aus, kurz darauf trat der Marshallplan in Kraft. „Wiederaufbau und Wirtschaftswunder wären ohne diesen internationalen Akt der Solidarität unmöglich gewesen“, so Macher-Kroisenbrunner.

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