„Aufg‘legt“

Wiener Wein wird Attraktion für Luxus-Touristen

Wien
17.06.2026 14:14

Die sechs „WienWein“-Winzer, zusammen für acht von zehn Flaschen Wiener Qualitätswein verantwortlich, erklären Kalifornien, Bordeaux und Co. den Krieg: Hiesiger Wein soll nun ebenso ein Grund für eine Reise werden. Man verspricht Niveau statt Show und das Gegenteil vom „Busheurigen in Grinzing“.

Dafür, dass Wien die „Wein-Welthauptstadt“ (Winzer Fritz Wieninger) ist, bleibt man ziemlich unter sich: Die Hälfte wird schon beim Heurigen weggetrunken, je rund ein Sechstel entfallen auf Handel und Gastronomie, nur jede fünfte Flasche wird exportiert. Das wollen die sechs Winzer der WienWein-Gruppe nicht zwingend ändern, trotzdem soll die Kundschaft internationaler werden – indem sie für den Wein in die Stadt kommt.

„Einfach geil. Das kann uns keiner nachmachen“
Was im kalifornischen Napa-Valley, im französischen Bordeaux oder dem portugiesischen Douro-Tal gang und gäbe ist, soll nun auch in Wien funktionieren: Wein künftig gezielt als Touristenattraktion zu vermarkten, von der Verkostung am Weingut über die E-Bike-Tour durch die Weinberge bis zum romantischen Picknick zwischen Reben. Das ist für Michael Edlmoser gerade hier „aufg‘legt“: „Am Donaukanal sitzen und auf den Kahlenberg schauen – einfach geil. Das kann uns keiner nachmachen.“

Wien ist die weltweit einzige Millionen-Metropole mit nennenswertem Weinbau innerhalb der ...
Wien ist die weltweit einzige Millionen-Metropole mit nennenswertem Weinbau innerhalb der Stadtgrenzen.(Bild: Herbert Lehmann)

„Ich kann versprechen: Wir werden nicht den Busheurigen in Grinzing wiederbeleben“, garantiert Wieninger. Die Vermarktung soll im Gegenteil wohlhabendere Touristen anziehen und ihnen einen „ehrlichen Blick auf die Werkbank“ vermitteln: „Jeder, der das gemacht hat, wird daheim in Boston, Osaka, Brüssel und Berlin erzählen: Wow, weißt Du, was ich dort gemacht habe?“. Schon jetzt finde jede zweite Weinverkostung auf Englisch statt.

„Wir sind auf die Butterseite gefallen“
Mit dem lokalen Publikum sind die Winzer ohnehin mehr als zufrieden. Dass Wien auf nicht zu schwere Weißweine spezialisiert sei, spiele dem aktuellen Konsumverhalten in die Hand. „Wir sind auf die Butterseite gefallen“, resümiert Wieninger. Man habe zudem die „junge urbane Zielgruppe“ erreicht, meint Thomas Podsednik. Auch die Umsätze bei Heurigen und Buschenschanken seien wieder im Steigen begriffen. Heuer verspricht Josef Wimmer-Schmidt einen „elegant-duftig-frisch-fruchtigen“ Jahrgang.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, starten die sechs Winzer nun auch gemeinsame Tests mit Künstlicher Intelligenz, von der Inspektion der Reben mit Drohnen bis zur Empfehlung für einzelne Arbeitsschritte entsprechend der Wettervorhersage. Das könnte nicht zuletzt den Einsatz von Schädlingsbekämpfung reduzieren und so auch den Konsumenten nützen. Das letzte Wort lassen sich die Winzer aber nicht nehmen, wenn es um den Wiener Wein geht, wie Wieninger klarmacht: „Die KI schlägt vor, und wir können das nützen. Können, nicht müssen.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung