Zusammen mit vier Insassen, die in der Justizanstalt Sonnberg in Niederösterreich mit Handys und Drogen gedealt haben sollen, sitzt im Landesgericht Korneuburg eine 61-Jährige auf der Anklagebank. Die Serbin streitet im Prozess alle Vorwürfe ab.
Zwei stramme Männer rechts von ihr, zwei links von ihr – umringt von Justizwachebeamten. Dazwischen sitzt die 61-jährige Serbin mit Locken und Brille. Sie passt so gar nicht zu den vier vorbestraften Häftlingen, denen beim Prozess im Landesgericht Korneuburg (NÖ) Suchtgifthandel in der Justizanstalt Sonnberg vorgeworfen wird. Und doch soll sie in der Tat eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Rolle gespielt haben.
Der Serbin drohen bis zu zehn Jahre Haft
Die Frau hat selbst einen Sohn, der in der Justizanstalt einsitzt. Der Erstangeklagte, den die Staatsanwältin als „professionellen Drogenhändler“ bezeichnet und der von Anwältin Bettina Caspar-Bures verteidigte Fünftangeklagte aus dem berüchtigten „Kavač-Clan“, sagen, dass die Frau schon zuvor Handys eingeschleust hat. Sie habe ein künstliches Knie und einen Metallausweis, den sie am Eingang vorweisen kann.
Die Mutter ist nicht so ahnungslos, wie sie tut. Mein Mandant wird dies schildern und sich dazu auch schuldig bekennen.

Anwältin Bettina Caspar-Bures vertritt den Fünftangeklagten.
Bild: Privat
Im Prozess bestreitet die Angeklagte alles. Auch jenen Vorwurf, der mit bis zu zehn Jahren Haft bedroht ist. „Sie hat sich bereit erklärt, A6-Papierblätter, die in Pinaca-Verbindungen getränkt waren, in drei Kuverts in die Justizanstalt Sonnberg zu schmuggeln“, meint die Staatsanwältin.
Vom Drogen-Papier kleine Ecken abgeschnitten
Angeblich sei dem Sohn der Angeklagten von Mitinsassen gesagt worden, dass ihm etwas passiere, wenn er seine Mutti nicht zum Schmuggel überreden könne. So soll die Serbin, für die die Unschuldsvermutung gilt, die in Drogen getränkte Briefe bei einem Mittelsmann abgeholt haben. In den Häfn nahm sie diese dann aber nicht mit. Der Tatbestand sei dennoch erfüllt, so die Anklägerin.
Das wird die ganze Zeit geraucht wie Zigaretten. In der Zelle. Überall.
Der Erstangeklagte über die neueste Häfn-Droge
Der Erst- und der Fünftangeklagte sollen in Haft mit der neuen, gefährlichen Droge gedealt haben. Und zwar wie folgt: Es werden Stücke in der Größe von Quadraten auf dem karierten Papier abgeschnitten und weiterverkauft. Diese werden dann geraucht. „Die Wirkung dieser neuen Droge ist schwer einzuschätzen, weshalb es in Justizanstalten immer wieder zu Todesfällen durch Überdosen kommt“, berichtet die Anklägerin.
Urteile fallen am Donnerstag
Folgt man dem Prozess, scheint Drogenkonsum in Haft Normalität zu sein: „Das wird die ganze Zeit geraucht wie Zigaretten. In der Zelle. Überall“, sagt der von Marcus Januschke vertretene Erstangeklagte. Der Mann ist, wie auch der Fünftangeklagte, geständig, in Pinaca getränkte Blätter an Mitinsassen verkauft zu haben. Andere Anklagepunkte bestreiten sie. Der von Manfred Arbacher-Stöger verteidigte Zweitangeklagte und der von Philipp Wolm vertretene Viertangeklagte bekennen sich nicht schuldig. Die Urteile sollen am Donnerstag fallen.
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