Nach mehr als 80 Jahren besuchten dankbare Enkel eines Kriegsgefangenen aus Frankreich nun Niederösterreich. Ihr Opa Paul arbeitete bei den Großeltern von Harald Hahn mit, Bürgermeister von Zillingdorf im Bezirk Wiener Neustadt. Aus dem Aufenthalt entstand eine freundschaftliche Verbindung.
Eine Freundschaft über Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinweg, getragen von den Erinnerungen von über acht Jahrzehnten: Davon berichtet Bürgermeister Harald Hahn aus Zillingdorf, Bezirk Wiener Neustadt. Erleben darf er dies mit Cyrielle und Frederic.
Kriegsgefangener in Zillingdorf
Sie sind die Enkel von Paul aus Frankreich, der bei Hahns Großeltern Anfang der 1940er-Jahre als Kriegsgefangener in der Landwirtschaft mitarbeitete. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, wie wertschätzend und herzlich er in die Familie aufgenommen wurde. Deutsch brachte ihm der Sohn Hansi, der später im Zweiten Weltkrieg in Italien gefallen ist, bei: „Plappere mir einfach nach, wie ein Papagei.“
„Plötzlich stand Paul vor mir!“
Der Bürgermeister erfuhr erst Anfang der 1970er-Jahre als Zehnjähriger von alldem: „Plötzlich stand Paul vor mir und fragte nach Familie Mayer. Meine Oma umarmte ihn und sagte: Mein Paul!“, erinnert er sich.
Danach kam der Franzose noch einmal mit seiner Frau zu Besuch in das niederösterreichische Zillingdorf.
Enkel schrieben Mail
Nun kamen die französischen Enkel hierher. „Vor ein paar Wochen habe ich ein Mail von ihnen an meine offizielle Bürgermeister-Adresse bekommen. Ich habe sie vorher nicht gekannt“, so Hahn. Cyrielle und Frederic nahmen an der Fronleichnamsprozession teil, besuchten Erinnerungsorte und zündeten eine Grabkerze für die Verstorbenen an. „Die Prozession ist bei uns in Zillingdorf noch etwas ganz Besonderes und Traditionelles. Ein Altar ist von meiner Cousine beim ehemaligen Grundstück meiner Großeltern Maria und Johann aufgebaut worden“, schildert Harald Hahn.
„Geschichte gemeinsam weiterleben“
Aus dem kurzen Besuch mit Übernachtung entstand eine wunderbare Freundschaft zwischen den Nachfahren der Familie Mayer aus Niederösterreich und den Nachfahren von Paul aus Frankreich.
„Geschichte gemeinsam weiterleben“, nennt das Cyrielle Aubin auf Facebook. Übrigens: Die neue WhatsApp-Freundesgruppe heißt „Papagei“.
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