Zahlreiche Superstars wechselten 2023 in die Wüste, unterschrieben dort astronomische Verträge. Der Wiener Bernd Fisa ist Berater der Saudi Pro League, gab der „Krone“ exklusive Einblicke in die Welt der Scheichklubs, deren Nationalteam zum WM-Auftakt ein 1:1 gegen Uruguay „ermauerte“.
„Die Erwartungshaltung ist groß, die Entwicklung sichtbar – sie sind aber natürlich noch ein weites Stück von Weltklasse entfernt“, sagt Bernd Fisa nach dem Start-1:1 der Saudis bei der WM gegen Uruguay. Der Wiener weiß genau, wie die Uhren im Wüstenstaat ticken, ist seit drei Jahren Berater der Saudi Pro League. Und war somit auch beim Transferwahnsinn 2023 live dabei. Die Scheichklubs hatten ja eine nie dagewesene Transferoffensive gestartet, Cristiano Ronaldo, Neymar & Co. mit astronomischen Summen überschüttet.
„Man will auf der globalen Fußball-Landkarte wahrgenommen werden“, so Fisa. Gleichzeitig soll die extrem junge Bevölkerung (70 Prozent unter 35 Jahren) zu einem aktiveren Lebensstil motiviert werden. Der Fußballboom ist dabei Teil eines weitreichenden gesellschaftlichen Wandels: Rund 80 Prozent der Saudis interessieren sich für Fußball. Die Sportbeteiligung ist von 13 Prozent im Jahr 2015 auf 59 Prozent gestiegen, während die Zahl der Sporteinrichtungen im selben Zeitraum von rund 800 auf mehr als 4.300 anwuchs. „Mit Fußball und all den Stars an der Spitze.“ An die Spitze will auch die Saudi Pro League. „Geplant ist, bis zur WM 2034 mit den europäischen Topligen zu konkurrieren.“
„Bei den Topklubs ist die Begeisterung riesig!“
Ein Hirngespinst? Einige Granden kehrten dem Nahen Osten den Rücken. Zudem liefen die Stars manchmal vor Geisterkulissen auf. Ist der Wüstenzauber verblasst? „Nein. Die Liga wächst, wird mittlerweile in mehr als 180 Ländern übertragen, auch die Sponsorengelder und Social-Media-Zahlen steigen stetig“, sieht Fisa den Bewerb auf einem guten Weg. „Bei den Topklubs in Dschidda und Riad ist die Begeisterung riesig, bei kleineren Vereinen weniger. Und große Namen laufen dort noch immer auf. Allerdings findet nun ein Umdenken statt.“ Heißt: Statt auf alternde Kicker wird auf junges Blut gesetzt.
„Joao Felix von Al-Nassr ist das perfekte Beispiel. Er war sportlich am Boden, war Spieler der Saison und hat seinen Marktwert wieder erhöht“, will man künftig auch Transfererlöse generieren. „Alles muss wirtschaftlich nachhaltig sein.“ Der Konflikt im Nahen Osten erschwert die Mission. „Eine Übergangsphase! Sobald der Krieg vorbei ist, wird die Tourismusschiene wieder voll aktiviert.“ Zumal 2030 die Weltausstellung in Riad stattfindet – und 2034 die Heim-WM. Insgesamt elf Stadien werden für das Spektakel erbaut. Das neue Aramco-Stadion in Al-Khobar kommt schon beim AFC-Cup 2027 zum Einsatz.
„Ziel ist, dass die Welt in Saudi-Arabien investiert!“
„Keine Sorge! Der Saudi-Boom geht weiter.“ Möglich. Cristiano Ronaldo plant zumindest langfristig, sicherte sich 25 Prozent an Al-Nassr. „Auch Al Hilal wurde zu 70 Prozent verkauft.“ Die Privatisierung hält Einzug. „Ziel ist, dass die Welt in Saudi-Arabien investiert. Und nicht umgekehrt.“ Nicht nur die Liga befindet sich im Wandel. Saudi-Arabien öffnet sich. Sport ist Motor von Veränderungen. „Für mich ist der Job hier eine außergewöhnliche Erfahrung. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass Saudi Arbien die Heimat Mekkas ist und traditionell tief verwurzelt bleibt.“ Dass Frauen Führungspositionen übernehmen, Auto fahren, Fußball spielen, belegt, dass das islamische Land Schritt für Schritt nach vorne geht.
Das will auch das Nationalteam bei der WM. 2022 gab’s das 2:1-Wunder gegen den späteren Weltmeister Argentinien, vier Jahre später „ermauerte“ man sich zum Auftakt ein 1:1 gegen Uruguay. Wo die weitere Reise jetzt hin geht? „Die Erwartungshaltung ist groß. Roberto Mancini kam mit großer Begeisterung, hatte aber gleich wenig Erfolg wie Rückkehrer Herve Renard.“ Der vor einem Monat entlassen wurde. „Jetzt ist Georgios Donis am Ruder.“
Die grünen Falken haben im Hinblick auf die WM 2034 andere Sorgen. „Es wurde vor allem in die Spitze investiert, im Unterbau bzw. Nachwuchs besteht Aufholfbedarf. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.“
Ein Wettlauf gegen die Zeit ...
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