Fischer schockiert

Horror-Moment: Blutbrühe verseuchte Fluss in NÖ

Niederösterreich
12.06.2026 18:00

Szenen wie in einem Horror-Film! Tiefrot verfärbte sich die Melk bei Ruprechtshofen in Niederösterreich auf einer Strecke von rund drei Kilometern, nachdem aus einer Fleischerei Schlachtabfälle in den sonst glasklaren Fluss gelangt waren. Fischer schlagen Alarm und sprechen von einem schweren Eingriff in ein sensibles Ökosystem.

Was sich in der Melk abspielte, lässt Naturschützern und Fischern das Blut in den Adern gefrieren: Der sonst klare Fluss färbte sich streckenweise tiefrot –  ausgerechnet in einem der ökologisch wertvollsten Gewässerabschnitte des Mostviertels. Besorgte Anrainer bemerkten die ungewöhnliche Verfärbung und alarmierten umgehend Fischereiaufseher Stefan Höfler.

Vor Ort bot sich den Naturwächtern ein erschreckendes Bild. Eine blutrote Brühe zog sich durch den Bachlauf und floss schließlich über den Schlattenbach in die Melk. Auf einer Länge von rund drei Kilometern war die Verunreinigung deutlich sichtbar.

Schlachtabfälle im Regenwasserkanal
Nach ersten Informationen war es bei der Verladung von Schlachtabfällen einer nahegelegenen Fleischerei zu einem Unfall gekommen. Die verschütteten Rückstände sollen anschließend in einen Regenwasserkanal gekehrt worden sein. Von dort gelangten sie über den Schlattenbach direkt in die Melk.

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Das einzige Glück für die Fische war, dass die Wassertemperaturen noch nicht höher waren. Sonst hätten wir vermutlich ein massives Fischsterben erlebt.

Fischereiaufseher Stefan Höfler

„Das einzige Glück für die Fische war, dass die Wassertemperaturen noch nicht höher waren. Sonst hätten wir vermutlich ein massives Fischsterben erlebt“, schildert Fischereiaufseher Stefan Höfler die dramatische Situation. 

Denn Blut und organische Abfälle können Gewässern enorme Mengen an Sauerstoff entziehen. Gerade in den Sommermonaten kann dies innerhalb kürzester Zeit zum Tod ganzer Fischbestände führen.

Bedrohung für den „König der Flüsse“
Besonders alarmierend ist der Vorfall, weil die Melk als wertvoller Lebensraum für seltene und geschützte Arten gilt. Dazu zählt vor allem der Huchen, der nicht umsonst als „König unserer Flüsse“ bezeichnet wird. Die bis zu 1,5 Meter langen Raubfische reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums.

Auch geschützte Flussmuscheln finden in der Melk noch geeignete Lebensbedingungen. Gerade diese Arten sind auf sauberes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen.

Besonders Huchen reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums.
Besonders Huchen reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums.(Bild: Christian Jauschowetz)

Während Weißfische die Belastung offenbar zunächst überstanden haben, befürchten Experten langfristige Auswirkungen auf die empfindlicheren Bewohner des Gewässers. Die Folgen könnten sich erst Wochen oder Monate später zeigen.

Nicht der erste blutige Vorfall
Für Höfler wiegt jedoch noch etwas schwerer, dass es sich offenbar nicht um einen Einzelfall handelt. Bereits im vergangenen Jahr sei es zu massiven Bluteinleitungen gekommen. Damals wurde der Vorfall den Behörden gemeldet. „Umso schlimmer ist es, dass es trotzdem wieder zu einer derartigen Schlampigkeit gekommen ist“, kritisiert der Fischereiaufseher.

Die neuerliche Verunreinigung sorgt daher nicht nur für Empörung bei Fischern und Naturschützern, sondern wirft auch Fragen nach den getroffenen Sicherheitsmaßnahmen auf.

Der sonst klare Fluss färbte sich streckenweise tiefrot.
Der sonst klare Fluss färbte sich streckenweise tiefrot.(Bild: zVg/Privat)

Behörde muss nun ermitteln
Nach einer neuerlichen Anzeige liegt der Fall nun bei der Bezirkshauptmannschaft Melk. Dort wird zu prüfen sein, welche Mengen tatsächlich in das Gewässer gelangt sind und ob Verstöße gegen wasserrechtliche Bestimmungen vorliegen.

Für die Fischer entlang der Melk bleibt die Sorge groß. Denn was auf den ersten Blick „nur“ wie eine rote Verfärbung wirkt, kann für ein empfindliches Ökosystem schwerwiegende Folgen haben. Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie rasch menschliche Nachlässigkeit jahrzehntelange Bemühungen um den Schutz heimischer Gewässer zunichtemachen kann.

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