Menschen mit Behinderung treffen in Graz noch auf viele Hürden – und leben, gerade auf kombinierten Geh- und Radwegen, mitunter gefährlich. Bemerkenswert: Nur 129 von 11.500 Gemeindewohnungen sind vollständig barrierefrei. Die Grazer ÖVP will das Thema vorantreiben.
Politiker müssen sich mit fast allen Themen beschäftigen. Das kann durchaus wie eine Pflichtübung klingen, mitunter sprechen sie aber auch über echte Herzensanliegen. Bei Kurt Hohensinner merkt man: Geht es um das Thema Inklusion, ist Zweiteres der Fall. Der Stadtrat und ÖVP-Spitzenkandidat hat als Behindertenpädagoge gearbeitet und, quasi als erste politische Duftmarke in Graz, eine Idee aus Disneyland aufgegriffen und Miniaturen von Grazer Sehenswürdigkeiten für sehbehinderte Menschen initiiert.
Diese kommen auch Kindern, Touristen und interessierten Einheimischen zugute: „Wenn wir die Stadt inklusiver gestalten, ist das ein Mehrwert für alle Menschen“, ist Hohensinner überzeugt. Er hat mehrere Projekte in diesem Bereich vorangetrieben, zudem eine Inklusionsstrategie, die 2023 beschlossen wurde.
Wir haben schon vieles erreicht, es bleibt noch vieles zu tun.
Stadträtin Claudia Unger
Nur 129 Gemeindewohnungen sind barrierefrei
„Der erste Zwischenbericht zeigt, wo noch Handlungsbedarf besteht – insbesondere in den Bereichen Verkehr und bei den Grazer Gemeindewohnungen“, sagt Stadträtin Claudia Unger, die derzeit für Inklusion zuständig ist. Konkrete Beispiele nennt Bernhard Alber, der seit einem Unfall vor mehr als 20 Jahren im Rollstuhl sitzt und für die ÖVP bei der Gemeinderatswahl kandidiert.
So sind in Graz nur 129 von 11.500 Gemeindewohnungen tatsächlich barrierefrei, am freien Markt ist zudem die Bereitschaft der Eigentümer, etwa einen Türöffner zu installieren, generell sehr gering. „Als Mensch mit Behinderung kann es Jahre dauern, bis man eine barrierefreie Wohnung findet.“
„Vor zwei Wochen hat mich ein E-Roller gerammt“
Beim Verkehr ortet Alber gerade in den Randbezirken einen „Fleckerlteppich“. Gehwege sind oft zu schmal oder haben eine zu starke Querneigung. Gefährlich seien die kombinierten Geh- und Radwege, „erst vor zwei Wochen hat mich ein E-Roller gerammt“. Eine Trennung wäre wesentlich sicherer, die Gehwege sollten mit taktilen Leitsystemen ausgestattet sein.
Den Stopp von vier großen Schulausbauten in Graz sieht die ÖVP auch aus Inklusionssicht kritisch: Es wären viele Inklusionsklassen vorgesehen, nun sei keine hundertprozentige Abdeckung des Bedarfs mehr möglich. Und auch im Rathaus selbst gibt es noch Aufholbedarf: Die Gemeinderatssitzungen werden aus Kostengründen nicht mehr von einem Gebärdendolmetscher begleitet, im Sitzungssaal müssen erst zwei Plätze für Gemeinderäte im Rollstuhl eingerichtet werden.
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