Gelockerte Regelung

Steiermark: Neue Biber-Verordnung polarisiert

Steiermark
11.06.2026 14:27

Die blau-schwarze Landesregierung hat am Donnerstag die angekündigte Biber-Verordnung für die Steiermark beschlossen. Sie soll den Umgang mit Konflikten zwischen Mensch und Biber rechtssicher regeln. Entnahmen von Tieren sind künftig unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Naturschützer sprechen von einer „Tötungsverordnung“.

Mit der neuen Verordnung reagiert das Land laut Aussendung auf die gestiegene Biberpopulation und die damit verbundenen Konflikte mit Hochwasserschutzanlagen, Infrastruktur, Landwirtschaft und Wasserkraft. Vorrang haben laut Verordnung Präventionsmaßnahmen wie Beratung, Schutzvorrichtungen oder technische Sicherungen. Erst wenn diese keinen Erfolg bringen, können weitere Schritte bis hin zu Entnahmen geprüft werden.

„Vernünftiges Miteinander“
„Der Biber ist ein wichtiger Bestandteil unserer heimischen Natur und erfüllt wertvolle Funktionen im Ökosystem. Gleichzeitig führt die steigende Population zunehmend zu Konflikten mit Hochwasserschutzanlagen, kommunaler Infrastruktur, ausgewählten landwirtschaftlichen Flächen oder Wasserkraftanlagen. Mit der neuen Verordnung schaffen wir einen klaren Rahmen für ein vernünftiges Miteinander von Mensch und Biber“, sagt Naturschutzlandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ).

Daten und Fakten

  • Bislang waren Tötungen von Bibern in der Steiermark nur nach behördlicher Ausnahmegenehmigung im Einzelfall möglich.
  • Mit der nun beschlossenen Biber-Verordnung werden Entnahmen unter festgelegten Voraussetzungen und innerhalb eines jährlichen Kontingents von 84 Tieren erleichtert.
  • Naturschutzorganisationen sehen darin eine Aufweichung des bisherigen Artenschutzes, die Landesregierung spricht von mehr Rechtssicherheit und einem rascheren Konfliktmanagement.

Entnahmen sind laut Verordnung nur zwischen 1. September und 31. März zulässig und auf maximal 84 Tiere pro Jahr begrenzt. Die Regelung soll zudem laufend evaluiert werden.

Grüne: „Biber ist ein Verbündeter“
Kritik kam von Naturschutzorganisationen, auf politischer Ebene, allen voran von den Grünen, die sich bereits im April bei der Präsentation des neuen Regelwerks zu Wort meldeten. Die steirische Klubobfrau Sandra Krautwaschl sieht die Verordnung als Teil einer generellen Abkehr vom Naturschutz. „Der Biber ist ein Verbündeter. Er schafft Lebensräume, hält Wasser in der Landschaft und schützt uns vor Hochwasser und Trockenheit. Gerade in Zeiten der Klimakrise brauchen wir diese natürlichen Helfer mehr denn je – und keine neuen Abschussquoten“, so Krautwaschl.

Der Biber ist ein Verbündeter. Gerade in Zeiten der Klimakrise brauchen wir diese natürlichen Helfer mehr denn je – und keine neuen Abschussquoten.

Sandra Krautwaschl

Klubobfrau Grüne Steiermark

Die Grünen fordern stattdessen einen stärkeren Fokus auf Prävention und Beratung. „Ein gutes Zusammenleben mit Wildtieren entsteht nicht durch Abschüsse, sondern durch kluge Lösungen. Prävention, Beratung und Unterstützung für Betroffene müssen im Mittelpunkt stehen“, betont Krautwaschl.

Auch der WWF unterstreicht die Bedeutung des Bibers – gerade in Trockenperioden. „Als Baumeister der Natur schafft der Biber wertvolle Feuchtgebiete, speichert Wasser in der Landschaft und stärkt die Artenvielfalt. Daher ist das Vorgehen der Landesregierung höchst kurzsichtig und verantwortungslos“, sagt Sarah Layendecker. Sie bewertet die „Biber-Tötungsverordnung“ als „europa- und völkerrechtswidrig“.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Steiermark
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung