Die blau-schwarze Landesregierung hat am Donnerstag die angekündigte Biber-Verordnung für die Steiermark beschlossen. Sie soll den Umgang mit Konflikten zwischen Mensch und Biber rechtssicher regeln. Entnahmen von Tieren sind künftig unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Naturschützer sprechen von einer „Tötungsverordnung“.
Mit der neuen Verordnung reagiert das Land laut Aussendung auf die gestiegene Biberpopulation und die damit verbundenen Konflikte mit Hochwasserschutzanlagen, Infrastruktur, Landwirtschaft und Wasserkraft. Vorrang haben laut Verordnung Präventionsmaßnahmen wie Beratung, Schutzvorrichtungen oder technische Sicherungen. Erst wenn diese keinen Erfolg bringen, können weitere Schritte bis hin zu Entnahmen geprüft werden.
„Vernünftiges Miteinander“
„Der Biber ist ein wichtiger Bestandteil unserer heimischen Natur und erfüllt wertvolle Funktionen im Ökosystem. Gleichzeitig führt die steigende Population zunehmend zu Konflikten mit Hochwasserschutzanlagen, kommunaler Infrastruktur, ausgewählten landwirtschaftlichen Flächen oder Wasserkraftanlagen. Mit der neuen Verordnung schaffen wir einen klaren Rahmen für ein vernünftiges Miteinander von Mensch und Biber“, sagt Naturschutzlandesrat Hannes Amesbauer (FPÖ).
Entnahmen sind laut Verordnung nur zwischen 1. September und 31. März zulässig und auf maximal 84 Tiere pro Jahr begrenzt. Die Regelung soll zudem laufend evaluiert werden.
Grüne: „Biber ist ein Verbündeter“
Kritik kam von Naturschutzorganisationen, auf politischer Ebene, allen voran von den Grünen, die sich bereits im April bei der Präsentation des neuen Regelwerks zu Wort meldeten. Die steirische Klubobfrau Sandra Krautwaschl sieht die Verordnung als Teil einer generellen Abkehr vom Naturschutz. „Der Biber ist ein Verbündeter. Er schafft Lebensräume, hält Wasser in der Landschaft und schützt uns vor Hochwasser und Trockenheit. Gerade in Zeiten der Klimakrise brauchen wir diese natürlichen Helfer mehr denn je – und keine neuen Abschussquoten“, so Krautwaschl.
Der Biber ist ein Verbündeter. Gerade in Zeiten der Klimakrise brauchen wir diese natürlichen Helfer mehr denn je – und keine neuen Abschussquoten.

Sandra Krautwaschl
Klubobfrau Grüne Steiermark
Bild: Christian Jauschowetz
Die Grünen fordern stattdessen einen stärkeren Fokus auf Prävention und Beratung. „Ein gutes Zusammenleben mit Wildtieren entsteht nicht durch Abschüsse, sondern durch kluge Lösungen. Prävention, Beratung und Unterstützung für Betroffene müssen im Mittelpunkt stehen“, betont Krautwaschl.
Auch der WWF unterstreicht die Bedeutung des Bibers – gerade in Trockenperioden. „Als Baumeister der Natur schafft der Biber wertvolle Feuchtgebiete, speichert Wasser in der Landschaft und stärkt die Artenvielfalt. Daher ist das Vorgehen der Landesregierung höchst kurzsichtig und verantwortungslos“, sagt Sarah Layendecker. Sie bewertet die „Biber-Tötungsverordnung“ als „europa- und völkerrechtswidrig“.
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