Eine „Investitionsmetropole“ soll Graz in der nächsten Periode nach der Wahl Ende Juni werden. Das wünscht sich die Industriellenvereinigung (IV). Am Dienstag wurde das Paket „Graz, mach was!“ präsentiert, das Maßnahmen in Bereichen wie Produktion, Verwaltung und Bildung enthält.
Graz habe gute Voraussetzungen, etwa als Forschungsstandort, sagten der steirische IV-Präsident Kurt Maier und Geschäftsführer Christoph Robinson. Zwar werde die Landeshauptstadt nicht vordergründig als Industriestandort wahrgenommen, aber rund 30.000 der insgesamt 200.000 Beschäftigten sind direkt in der Industrie beschäftigt, erklärt Maier. Dazu kämen noch Tausende Mitarbeiter in den indirekt mit der Industrie verbundenen Wirtschaftsdiensten.
Industriejobs würden um 600 bis 900 Euro besser bezahlt als der Durchschnitt, was sich auch auf die Steuerleistung auswirke. Die Kommunalsteuer sei in Graz in den Jahren 2015 bis 2024 um 59 Prozent gewachsen, in Graz-Umgebung sogar um 82 Prozent.
Graz hat alle Voraussetzungen, um zu einer Innovations- und Technologiemetropole zu werden. Wir wollen, dass die Stadt ihre Stärken endlich bündelt.
IV-Steiermark-Präsident Kurt Maier
Als Forschungs- und Industriestadt „viel zu wenig sichtbar“
Graz sei grundsätzlich eine Forschungs- und Industriestadt mit einem starken Innovationsbereich. Dieser sei aber international viel zu wenig sichtbar. „Die Stadt braucht daher ein gemeinsames klares Zukunftsbild“, so Maier. Benötigt werde eine Standortpartnerschaft wie mit dem Land Steiermark. Eine Stadt wie Graz ende nicht an der Stadtgrenze, weshalb eine neue Rathaus-Koalition auch die Umlandgemeinden einbeziehen müsse.
Verfahrensdauer: Graz soll vom letzten auf den ersten Platz
IV-Geschäftsführer Robinson sagte, der Forderungskatalog sei basierend auf Interviews mit IV-Mitgliedern aus Graz und Graz-Umgebung erstellt worden. Auch Joanneum Research sei um eine Analyse des Innovations- und Industriestandorts gebeten worden. Anzustreben wäre auch, dass Graz die Statutarstadt in Österreich mit der kürzesten Verfahrensdauer bei Genehmigungen werde. Derzeit verzeichne man die längste Verfahrensdauer mit im Schnitt etwa zwei Jahren, vor Städten wie Linz, Wien oder Salzburg.
Die dringlichsten Forderungen
Zu den dringlichsten Maßnahmen zählten ein partnerschaftliches Denken und das Vorantreiben einer starken internationalen Positionierung. Weitere wichtige Punkte seien eine „gestaltende und ermöglichende“ Stadtverwaltung und eine Weiterentwicklung des klassischen Citymanagements. Die geforderte regionale Kooperation mit den Umlandgemeinden solle auch den Einsatz der Stadt für überregionale Schienen- und Straßenprojekte und die Entwicklung des Grazer Flughafens als multimodaler Verkehrshub umfassen.
„Wir hoffen, sie springen auf den Zug auf“
Robinson bedauerte, dass „Wirtschaftspolitik in der Stadtpolitik leider überhaupt keine Rolle spielt“. Zwar habe man den Kontakt mit der Stadt gesucht, „aber ganz ehrlich, es ist eine Einbahnstraße“, sagte Maier. Man stelle den Maßnahmenkatalog zur Verfügung und „wir hoffen, sie springen auf den Zug auf“. Eine Wunschzusammensetzung bzw. ein Wunschergebnis bei der Gemeinderatswahl wollte Maier nicht nennen. Wesentlich sei, dass Wirtschafts- und Standortpolitik wieder eine wichtigere Rolle spiele.
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