Wirbel in St. Pölten

26 Bäume werden gefällt: Gutachten als Rettung?

Niederösterreich
09.06.2026 09:15

Große Aufregung um Bauarbeiten in St. Pölten: 26 große Linden sollen in der Heidenheimer Straße gefällt werden. Aus Sicherheitsgründen, wie die Stadt betont. Doch nun gibt es ein Gegengutachten.

Punkt 5 Uhr früh wollten sich Mitglieder der Bürgerplattform „Pro St. Pölten“ am Montag an die Bäume in der Heidenheimer Straße anbinden. Sie wollten damit die Fällung von 26 Linden stoppen. Doch dazu kam es nicht. Noch nicht.

Hintergrund: Fahrbahn und Gehsteig sollen dort erneuert, Wasserleitungen und Fernwärme verlegt werden. Der Asphalt ist aber übersät mit Aufwölbungen, die Wurzeln darunter müssen zurückgeschnitten werden. Eingriffe, die – laut der seit Jahren von der Stadt mit der Begutachtung der Bäume beauftragten „AG Baum“ – die Restlebenszeit der vorhandenen Bäume auf unter zehn Jahre verkürzen würden. Als Ersatz sollen 36 Jungbäume nach dem Schwammstadtprinzip gepflanzt werden.

Die Bauarbeiten haben begonnen, die Bäume werden aber noch nicht gefällt.
Die Bauarbeiten haben begonnen, die Bäume werden aber noch nicht gefällt.(Bild: zVg)

Das Vorhaben wurde im Gemeinderat bereits beschlossen, nur FPÖ und die „wilde“ Gemeinderätin Susanne Binder-Novak  hatten dagegengestimmt. Letztgenannte hatte mit „Pro St. Pölten“ nun einen Gutachter beauftragt. Das Ergebnis: Bis auf drei Bäume ist der Zustand der Linden „gut“. Die Ex-ÖVP-Politikerin hat daher eine Aufsichtsbeschwerde beim Land eingebracht.

„Bäume jederzeit gefährdet“
„Die Bäume haben nicht einmal die Hälfte ihres Lebensalters erreicht“, beruft sich Binder-Novak auf das Gutachten. Sie sieht im Vorgehen der Stadt Verletzungen des NÖ Naturschutzgesetzes sowie von EU-Verordnungen. „Die Stadt verliert ökologisch wertvollen Altbaumbestand“, betont die Gemeinderätin, die mehr als besorgt ist: „Durch den Beschluss können die Bäume jederzeit gefällt werden, es ist Gefahr in Verzug.“

Arbeiten haben begonnen
Der Tausch der Wasserleitungen hat bereits begonnen. Die Bäume dürfen aber zumindest noch etwas weiterleben. Ein Ornithologe prüft derzeit den Vogelbestand. Sollten Bäume aktuell als Brut- und Lebensraum von Vögeln dienen, würden die Fällungen im Herbst durchgeführt, heißt es aus dem Rathaus. Die Sicherheit der Bürger habe oberste Priorität. „Die Stadt legt in ihrer Betrachtung den Maßstab der Standsicherheit und Bruchfestigkeit an, während in dem nun vorliegenden Gutachten vor allem die Vitalität beziehungsweise die Erhaltungswürdigkeit betrachtet wird“, heißt es aus dem Rathaus, wo auch die Aussagekraft des neuen Gutachtens des Sachverständigen angezweifelt wird. „Die ,AG Baum‘ ist seit Jahren mit der Begutachtung der Stadtbäume beauftragt. Das externe Gutachten beruht auf einer einmaligen Betrachtung und dem Rückblick über Google Maps.“

Sorgsamer Umgang
Leichtfertig Fällen würde man die Bäume jedoch keinesfalls. „Wenn wir die Wurzelstränge unter dem Gehsteig abschneiden, um ihn barrierefrei machen zu können, wissen wir nicht, welche Auswirkungen das für den Baum hat. Die Wurzel kann absterben, Pilze können sich ansiedeln. Wir müssten dann jedes Jahr teure Zugtests mit jedem Baum machen, obwohl wir schon den Baumkataster haben, in dem 13.000 Straßenbäume verzeichnet sind“, so SPÖ-Vizebürgermeister Michael Kögl. Der tragische Unfall im März 2008 oder zuletzt ein umgeknickter Baum im Sommerbad habe gezeigt, wie sorgsam mit diesem Thema umgegangen werden müsse.

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Bis zur Klärung dieser Widersprüche ist aus unserer Sicht an eine Entnahme der Bäume nicht zu denken.

Walter Heimerl-Lesnik, Grüne

Auch die Grünen haben nun Zweifel
Kurios: Die Grünen, Koalitionspartner der SPÖ, haben den Beschluss im Mai  mitgetragen. „Die Ergebnisse mit den zuständigen Fachabteilungen hatten schlussendlich zum Ergebnis, dass keine geeignete Alternative zur Entnahme der Bäume bestünde“, heißt es seitens der Öko-Partei. Doch auch sie haben das neue Gutachten in die Hände bekommen. „Das Ergebnis steht in deutlichem Widerspruch zu den uns vorliegenden Informationen aus dem Magistrat. Ein solcher Eingriff darf aber nur erfolgen, wenn zweifelsfrei keine andere sinnvolle Vorgehensweise möglich ist. Bis zur Klärung dieser Widersprüche ist aus unserer Sicht an eine Entnahme der Bäume nicht zu denken“, so Walter Heimerl-Lesnik.

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