Spitalsreform

Ärztekammer sieht Rüscher-Pläne kritisch

Vorarlberg
28.07.2026 13:36
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) will die Gesundheitsberatung 1450 weiter ausbauen, um die Patientenströme besser zu leiten. Die Vorarlberger Ärztekammer begrüßt dieses Ansinnen, allerdings brauche es dazu auch die entsprechenden Versorgungsangebote.

„Patientinnen und Patienten an die medizinisch richtige Stelle zu führen, ist sinnvoll und notwendig. Wer Menschen in den niedergelassenen Bereich lenken will, muss aber sicherstellen, dass dort ausreichend Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte mit Kassenvertrag zur Verfügung stehen“, erklärt Dr. Alexander Loibnegger, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte in der Ärztekammer für Vorarlberg. Zusatz: „Genau das ist derzeit vielerorts nicht gewährleistet.“

Die Spitäler müssen die Defizite ausbaden
Und wenn die Kapazitäten im niedergelassenen Bereich fehlen, würde sich das unmittelbar auf die Spitalsambulanzen auswirken – dort nämlich kreuzen dann jene Patienten auf, die keinen passenden Arzt finden. „Die Krankenhäuser verfügen nicht über ein Terminsystem, mit dem sich die Zahl der Patientinnen und Patienten begrenzen lässt. Wir müssen jene versorgen, die zu uns kommen, und tragen damit weiterhin die Hauptlast der Akutversorgung“, betont Loibnegger. Die Spitäler seien bereits am Limit: Sie würden die Hauptlast der ärztlichen Ausbildung tragen und hätten mit steigenden Patientenzahlen zu kämpfen. Zudem sei zu befürchten, dass der bestehende Personalengpass durch den absehbaren Fachärztemangel noch verstärkt werde. „Wir brauchen daher nicht nur zusätzliche und tatsächlich versorgungswirksame Kapazitäten im niedergelassenen Bereich, sondern auch ausreichend ärztliches Personal und Ausbildungsstellen in den Krankenhäusern“, mahnt Loibnegger.

Zitat Icon

Die Verantwortung für fehlende Termine und nicht ausreichende Versorgungskapazitäten darf nicht auf die Patientinnen und Patienten übertragen werden.

Alexander Loibnegger, Kurienobmann der angestellten Ärztinnen und Ärzte für Vorarlberg

Diskussion über Selbstbehalte führe am Thema vorbei
Angesichts des unbefriedigenden Status quo führe auch die Diskussion über Anreizsysteme, Selbstbehalte oder Ambulanzgebühren am Thema vorbei. Rüscher könnte sich bekanntlich vorstellen, mittels Selbstbehalten jene Patienten zu disziplinieren, die den Versorgungsweg nicht einhalten, und „mitten in der Nacht wegen einer Kleinigkeit die Spitalsambulanzen aufsuchen“. „Bevor über Sanktionen oder Gebühren gesprochen wird, müssen funktionierende Alternativen geschaffen werden“, stellt Loibnegger klar. „Die Verantwortung für fehlende Termine und nicht ausreichende Versorgungskapazitäten darf nicht auf die Patientinnen und Patienten übertragen werden.“

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