Bei den Polytechnischen Schulen gibt es neben bekannten Problemen auch positive Entwicklungen, betont Tirols WK-Fachkräftekoordinator und „Krone“-Kolumnist David Narr. Dass sich bei der Qualitätssteigerung etwas tut, sieht er als ein gutes Signal.
Polytechnische Schulen sind und bleiben die wichtigste Zubringerschulen für die Lehre. Genau deshalb brauchen sie die entsprechende Unterstützung. Wer es mit der Fachberufslehre ernst meint, muss auch das Poly ernst nehmen – mit guter Ausstattung, ausreichenden Fachlehrkräften und einer Infrastruktur, die diesen Namen verdient. Denn dort werden junge Menschen auf ihren weiteren Weg vorbereitet. Gerade für Jugendliche, die lieber praktisch arbeiten und mit den eigenen Händen etwas schaffen wollen, ist das Poly oft ein entscheidender Schritt in Richtung Zukunft.
Das Poly braucht nicht nur Diskussionen über Standorte und Strukturen, sondern konkrete Schritte zur Qualitätssteigerung.

David Narr
Bild: Christof Birbaumer
Neben Problemen auch positive Entwicklungen
Umso wichtiger ist es, dass es neben den bekannten Problemen auch positive Entwicklungen gibt. Denn das Poly braucht nicht nur Diskussionen über Standorte und Strukturen, sondern konkrete Schritte zur Qualitätssteigerung. Genau dort bewegt sich jetzt etwas – und das ist ein gutes Signal. Im April ist in Tirol an der Pädagogischen Hochschule (PHT) ein neuer Lehrgang gestartet, der Lehrerinnen und Lehrer an Polytechnischen Schulen im technischen Bereich weiterbildet. Im Mittelpunkt stehen die Fachbereiche Bau und Holz. Besonders freut mich dabei: Diesen Lehrgang gibt es derzeit nur in Tirol. Das zeigt einmal mehr, dass unser Bundesland in der Fachberufsbildung vielfach eine Vorreiterrolle einnimmt.
Praxisnah aufgebauter Hochschullehrgang
Der Hochschullehrgang ist bewusst praxisnah aufgebaut. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiten mit Werkstoffen, Maschinen und Werkzeugen und vertiefen gleichzeitig ihr fachliches und pädagogisches Wissen. Denn an Polytechnischen Schulen wird nicht nur Theorie vermittelt. Dort geht es um Berufsorientierung zum Angreifen. Jugendliche sollen Berufe kennenlernen, praktische Erfahrungen sammeln und herausfinden, wo ihre Stärken liegen. Gerade in technischen Bereichen braucht es dafür Lehrpersonen, die sich in der Materie auskennen und aus eigener Erfahrung wissen, worauf es in der Praxis ankommt.
Das Poly ist kein Nebenschauplatz im Bildungssystem, sondern ein entscheidender Baustein für die Fachkräfte von morgen.

David Narr
Bild: Christof Birbaumer
Lehrgang auch ein wichtiges Bekenntnis
Besonders positiv ist die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, den Innungen und den Berufsschulen. Das ist typisch Tirol und genau der richtige Weg. Wenn Schule, Betriebe und Fachausbildung an einem Strang ziehen, entsteht Qualität. Lehrpersonen bekommen dadurch einen unmittelbaren Einblick in die berufliche Praxis – und die Schülerinnen und Schüler profitieren davon am meisten. Sie erhalten ein realistisches Bild moderner Berufsbilder und der Anforderungen am Arbeitsmarkt. Dieser Lehrgang ist auch ein wichtiges Bekenntnis: Das Poly ist kein Nebenschauplatz im Bildungssystem, sondern ein entscheidender Baustein für die Fachkräfte von morgen. Wer die Lehre stärken will, muss dort investieren, wo Jugendliche ihre ersten praktischen Erfahrungen sammeln und Berufsorientierung hautnah erleben.
Die gute Nachricht zum Schluss: Trotz aller Herausforderungen gibt es also beim Poly auch positive Entwicklungen. Der neue Hochschullehrgang ist ein starkes Zeichen für Qualität, Praxisnähe und Aufwertung. Genau solche Initiativen braucht es, damit das Poly auch in Zukunft ein starkes Sprungbrett in die Lehre bleibt.
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