Kolumne von David Narr

Gutes Image fängt bei den Begriffen an

Tirol
12.04.2026 10:00
Porträt von David Narr
Von David Narr

In seiner neuen Kolumne in der „Tiroler Krone“ schreibt der Tiroler Lehrlingsexperte und Fachkräftekoordinator in der WK Tirol, David Narr, über diverse Begriffe und Bezeichnungen, die bereits verändert wurden oder noch verändert werden sollen.

Sprache prägt unser Denken – und damit auch unsere Haltung. Heute spricht niemand mehr von „Hilfsarbeitern“, sondern von „angelernten Arbeitskräften“. Und der Tourismus hat sich zu Recht längst vom Begriff „Fremdenverkehr“ verabschiedet. Auch in der Fachberufslehre gibt es erste zaghafte Ansätze: So wurde beispielsweise aus der „Lehrlingsentschädigung“ das „Lehrlingseinkommen“. Das kann freilich nur ein Anfang sein, denn: Moderne Begriffe sind Ausdruck von Wertschätzung – und sie zeigen, wie sich eine Ausbildung weiterentwickelt hat.

Denn was die Inhalte betrifft, ist die Fachberufslehre längst moderner geworden. Digitalisierung, neue Technologien und flexible Ausbildungsmodelle sind Teil des Alltags. Tablets, digitale Lernplattformen und Apps gehören in vielen Lehrbetrieben genauso dazu wie klassische Werkzeuge. Auch die Berufsbilder entwickeln sich ständig weiter: Automatisierungstechnik, erneuerbare Energien oder moderne Fahrzeugtechnik zeigen, wie stark sich zahlreiche Lehrberufe verändert haben.

David Narr, Lehrlingsexperte und Fachkräftekoordinator in der WK Tirol
David Narr, Lehrlingsexperte und Fachkräftekoordinator in der WK Tirol(Bild: Christof Birbaumer)

Dazu kommen neue Ausbildungswege. Modelle wie Maturanten in die Lehre, modulare Lehrberufe oder zusätzliche Spezialisierungen eröffnen jungen Menschen heute deutlich mehr Möglichkeiten. Wer eine Fachberufslehre beginnt, entscheidet sich nicht für einen „Plan B“, sondern für einen praxisnahen Bildungsweg mit handfesten Karrierechancen – bis hin zur Höheren Beruflichen Bildung oder zur Selbstständigkeit. Wir wissen alle selbst genau, wie gefragt viele Fachkräfte sind.

In der Praxis ist die duale Ausbildung also am letzten Stand – das kann man vom veralteten Wording nicht behaupten. Viele Begriffe stammen noch aus einer anderen Epoche und werden dem Können und der Verantwortung unserer Fachkräfte nicht gerecht. Sprache beeinflusst jedoch, wie junge Menschen Berufe wahrnehmen. Wenn wir wollen, dass die Fachberufslehre als moderner Bildungsweg gesehen wird, dann sollte sich das auch in der Sprache widerspiegeln. Es ist kein Zufall, dass sich Unternehmen intensiv mit der Bezeichnung ihrer Produkte und Dienstleistungen befassen. Worte haben Kraft – sie lösen beispielsweise Assoziationen aus und prägen das Image. Dieses Prinzip gilt für die Fachberufslehre genauso.

Meine Vorschläge sind daher bewusst einfach und klar: „Fachberufslehre“ statt „Lehre“, „Ausbildungsbetrieb“ statt „Lehrbetrieb“, „Fachberufsprüfung“ statt „Lehrabschlussprüfung“, „Ausbildungszeit“ statt „Lehrzeit“ oder „Fachberufsdiplom“ statt „Lehrabschlusszeugnis“. Derartige Begriffe beschreiben besser, was heute tatsächlich geleistet wird – nämlich qualifizierte Ausbildung, hohe fachliche Standards und echte Entwicklungsmöglichkeiten.

Aus diesem Grund sollte der Gesetzgeber gemeinsam mit den Sozialpartnern prüfen, welche sprachlichen Anpassungen sinnvoll sind und wie man sie umsetzt. Es geht nicht um einen oberflächlichen Trend und auch nicht um politische Symbolik. Es geht um ein klares Signal an Jugendliche, Eltern und Betriebe. Denn wer moderne Leistungen verlangt, sollte sie auch modern benennen. Oder anders gesagt: Professionelle Leistung verdient eben auch eine professionelle Bezeichnung.

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