Liebe Leserinnen, lieber Leser, der Artikel in der heutigen Sonntagsausgabe über die Alpe Süns im Mellental führt uns drastisch vor Augen, woran die Debatte um den Wolf in Mitteleuropa oft krankt: an einer tiefen Kluft zwischen gut gemeinter Theorie und knallharter alpiner Realität. Wenn Naturschützer aus der Ferne pauschal nach Zäunen, Eseln und Hütehunden rufen, klingt das am grünen Tisch nach einer harmonischen Lösung. Doch wer einmal im steilen, unwegsamen Gelände gestanden hat, weiß, dass sich die Praxis nicht in Paragrafen pressen lässt. Ein Zaun schützt im extremen Gefälle oft nur auf dem Papier, und der Stress, den das nächtliche Einpferchen für die Rinder bedeutet, grenzt schon an Tierwohlgefährdung. Es geht also nicht um blinden Hass auf den Wolf, sondern um den Schutz von Nutztieren und die Existenzsicherung der Älpler. Die Novellierung des Vorarlberger Jagdgesetzes, die einen schnelleren Abschuss ermöglicht, ist daher kein Rückschritt für den Naturschutz, sondern ein notwendiges Werkzeug für den Notfall. Sie gibt den Bauern zumindest ein Stück Handlungsfähigkeit zurück. Einen angenehmen und erholsamen Sonntag wünscht Ihnen Sonja Schlingensiepen
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