Die Schubertiade Hohenems präsentierte am Samstag gleich zwei Konzerte, die jeweils einen überragenden Eindruck hinterließen. Die Darbietungen wurden vom Publikum gebührend gefeiert.
Erst zu Anfang des Monats sang der Tenor Ilker Arcayürek Schuberts Zyklus „Die schöne Müllerin“ im Markus-Sittikus-Saal in Hohenems. Nun, am Samstagabend, interpretierte sein Fachkollege Julian Prégardien dort dasselbe Werk. Die zwei Tenöre sind übrigens beide im Jahr 1984 geboren. Wenn sich nun jemand gefragt hat „Warum schon wieder?“, so lieferte Prégardiens Deutung die Antwort, denn die bekannten Lieder erklangen erfrischend anders.
Schon der Klavierpart ließ vom ersten Ton an aufhorchen, denn Kristian Beziudenhout spielte ihn auf einem Hammerflügel, der mit seiner markanten Bassregion und seiner aufregenden Trennschäfte ein wunderbares Klangbild bot. Es erlaubte dem Sänger zudem, in feinste Pianoregionen zu gehen. Wobei jeder auch nur halbwegs Geschulte weiß, dass Pianosingen nicht einfach Leisesein bedeutet, sondern eine hervorragende Atemführung voraussetzt. Mit den mannigfachen Ausdrucksfarben seiner Stimme zeichnete Julian Prégardien die zärtlichen und resignierenden Emotionen des verliebten Müllerburschen ebenso wie er die Wut auf seinen Rivalen geradezu herausbrüllte.
Einer der gefragtesten Interpreten Alter Musik
Neu an Prégardiens Interpretation waren auch die ziemlich weitgehenden Varianten in der Melodie bei den Strophenliedern, die er mit großer Stilsicherheit wagt – Prégardien ist ja derzeit einer der gefragtesten Interpreten Alter Musik und daher mit Verzierungen wie auch Improvisation wohlvertraut. Da war es nur noch eine Kleinigkeit, dass er sowohl mit seinem Outfit als auch seinem behutsamen Einsatz von Mimik und Bewegung auch eine optische Komponente anbot. So erlebte das fachkundige Publikum, das diesen Liederzyklus wohl schon mehrfach gehört – oder selbst gesungen beziehungsweise gespielt – hat, eine neue, faszinierende Variante, die es mit frenetischem Applaus feierte.
Überzeugendes Schubertiade-Debüt
Am Samstagnachmittag konnte man erneut die Frage nach dem „Wie oft?“ stellen, denn schon am 22. Juni erklingt das Streichquintett in C-Dur D 956 von Franz Schubert, gespielt vom Hagen Quartett mit der Cellistin Julia Hagen in Schwarzenberg. Aktuell wurde in Hohenems dieses ikonische Werk vom Alinde Quartett, ergänzt durch den Cellisten Stefan Heinemeyer, interpretiert, welche hiermit ihr Schubertiade-Debüt feierten. Es gelang überzeugend, und das nicht erst beim Quintett nach der Pause.
Als Quartett präsentierten sich Eugenia Ottaviano, Guglielmo Dandolo Marchesi, Gregor Hrabar und Bartolomeo Dandolo Marchesi mit einem sehr differenziert gestalteten Quartettsatz in c-Moll und mit einem Quartett in C-Dur D 46, beides von Schubert. Das Klangbild des Alinde Quartetts, das sich nach einem Lied Schuberts benannt hat, ist ausgewogen, aber mit markantem Schwerpunkt an der ersten Violine, deren Interpretin Alfred Brendel „Feuer, Gefühlsstärke und Vorstellungskraft“ bescheinigte. Dass die meisten der Musiker sich intensiv mit Alter Musik befassen, merkte man an besonderen Effekten wie bordunartigen Klängen. Beim Streichquintett nach der Pause, das vermutlich im letzten Lebensjahr Schuberts entstanden ist, war in der Interpretation des Alinde Quartetts eine Nähe zu Anton Bruckner zu spüren. So erlebte das Publikum am Samstag zwei herausragende Konzerte, die es gebührend feierte.
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