Christian und Doris Steinscherer aus Gratkorn in der Steiermark starten waghalsig in das größte Abenteuer ihres Lebens. Das Ehepaar lässt alles zurück und setzt die Segel in Richtung großer Freiheit! Anfang Juni geht es los – davor trafen sie die „Krone“ zum Gespräch.
Nervosität ist da, auch Angst und Respekt – aber vor allem Vorfreude. Anfang Juni brechen Doris und Christian Steinscherer zur großen Weltreise auf. Ihr neues Zuhause ist 13 Meter lang und heißt „Feel Good“. Die 44 Jahre alte schwedische Segeljacht ist robust, bestens ausgestattet und in einem außergewöhnlich guten Zustand. Ein Glücksfall für die neuen Besitzer. „Hätten wir all das selbst machen müssen, wäre die Reise vorbei gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hätte“, betont Christian.
Traum von Tuvalu
Doch warum all das? „Ich habe schon als 14-Jähriger davon geträumt, einmal den Inselstaat Tuvalu im Pazifischen Ozean zu bereisen“, strahlt der ehemalige Leiter des Rotkreuz-Blutspendedienstes, der für diesen Traum seinen Top-Job kündigte und die beiden fast erwachsenen Kinder zurücklässt, um gemeinsam mit Ehefrau Doris in ein neues Leben aufzubrechen.
„Ich frage mich natürlich, welchen Wahnsinn wir uns da antun.“ Und was sagen die Kinder dazu, dass die Eltern plötzlich weg sind? „Die Kinder freuen sich mit uns, dass wir aus unserem Hamsterrad aussteigen und ein neues Leben in Freiheit beginnen.“ Ausschlafen ohne Wecker. Aufstehen, wenn die Sonne scheint. In Wärme leben. Menschen begegnen, neue Kulturen entdecken, fremde Menschen und anderes Essen kennenlernen. Das Schiff ist dabei Mittel zum Zweck.
Übers Internet soll auch auf See Geld hereinkommen
Ehefrau Doris trägt diesen Traum mit. Das Einkommen soll künftig über ein Online-Business kommen – solange Internet und Computer am Schiff funktionieren. Aber auch solange das Geld reicht und unbeherrschbare Gefahren der Aussteiger-Tour kein Ende bereiten. Die Tour startet über Griechenland, weiter nach Sizilien, Sardinien, Mallorca und schließlich nach Gibraltar. Unter Seglern heißt es: Wer Gibraltar erreicht, schafft es auch weiter hinaus in die Welt.
Schon einmal ist das Ehepaar auf große Segeltour gegangen – elf Monate auf See, bis Corona die Segel einholen ließ. Die Erfahrungen von damals haben Spuren hinterlassen. Meterhohe Wellen, heftige Turbulenzen, Momente echter Todesangst. „Mein Mann war der Fels in der Brandung. Er wusste, was zu tun war, während ich noch lernte, mit Leinen, Ruder und Verantwortung umzugehen.“
Vor sechs Jahren war vieles neu, fremd, unberechenbar. Die Schräglage des Schiffes, das Tosen der Wellen, die Gewalt des Atlantiks: „Bei jeder zweiten Welle habe ich geglaubt, das Schiff kippt jetzt um.“ Diese Ängste sind nun weg, der Respekt vor dem Meer jedoch noch größer. Denn wer zu zweit unterwegs ist, weiß: Fällt einer ins Wasser, überlebt keiner. Deshalb wurde jedes Detail geprüft, jede Ausrüstung kontrolliert und dennoch lassen sich nicht jede Gefahr und jedes Risiko exakt einschätzen: Natürlich gibt es Etappen, die Respekt einflößen. Tage nur aus Wasser und Horizont.
„Beim ersten Mal wurde ich richtig seekrank“
„Beim ersten Mal wurde ich richtig seekrank. Zweimal ging es mir auf See so schlecht, dass bei mir alles aus war.“ Nun soll’s besser laufen. Mit mentalem Training, Hypnose und intensiver Arbeit an den Gedanken.
Ganz ohne Sicherheitsnetz segeln Christian und Doris aber nicht über die Weltmeere. Ein kleines Türchen bleibt offen: ihr Zuhause in Gratkorn. „Falls etwas schiefgeht, können wir zurück. Aber mehr Sicherheit gibt es nicht.“ Träume sind nicht immer bequem. Sie sind nicht immer einfach. Aber wenn man sie lebt, können sie das Schönste sein, was einem passiert.
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