Politisches Nachspiel

Nationalistenlied & Wolfsgruß: Wirbel um Islamfest

Ausland
18.05.2026 17:11
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein Jubiläumsfest einer Moscheegemeinde in Deutschland hat für negative Schlagzeilen und ein politisches Nachspiel gesorgt. Ein umstrittenes Lied stand dabei ganz besonders im Fokus. 

Am vergangenen Donnerstag startete in Hamburg-Bergedorf das viertägige Fest auf dem Frascati-Platz. Die ansässige islamische Religionsgemeinschaft Ditib („Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion“) feierte ihr 40-jähriges Bestehen.

Rund 50 Stände wurden aufgebaut, an denen es türkisches Essen und türkische Spezialitäten zu kaufen gab. Ditib ist mit 900 Ortsgemeinden die größte islamische Organisation in Deutschland.

„Muslime sind Teil dieses Landes“
Es gab zunächst Grußworte, unter anderem vom türkischen Generalkonsul Berati Alver und vom Vorsitzenden der Bergedorfer Ditib-Moschee, Fedayi Ileri. Letzterer betonte in seiner Rede die „gesellschaftliche Einheit“. Muslime seien ihm zufolge Teil dieses Landes.

Nationalistenlied regt auf
Doch wenig später gab es bereits den ersten Aufreger. Von einer Band wurde das Lied „Ölürüm Türkiyem“ („Ich sterbe für Dich, meine Türkei“) des Musikers Mustafa Yıldızdoğan gespielt (siehe Posting unten). Der Song gilt als Hymne türkischer Nationalisten. Der Bremer Verfassungsschutz rechnet Yıldızdoğan der türkisch-rechtsextremen Bewegung zu.

Im veröffentlichten Video des FDP-Politikers Eren Güvercin auf X ist kurz eine Besucherin zu sehen, die während des Liedes den sogenannten Wolfsgruß zeigt – das Erkennungszeichen der türkisch-rechtsextremen „Grauen Wölfe“. Für Güvercin stellt sich die Frage, warum auf einem Fest, das laut Veranstaltern dem interkulturellen Dialog dienen soll, ein Lied gespielt wird, das in nationalistischen Kreisen als Bekenntnis zum Türkentum gilt.

FDP-Kritik am Umgang mit der Presse 
Sonja Jacobsen, Bergedorfs FDP-Chefin, legte nun gegenüber dem „Focus“ nach. Sie kritisierte nicht nur das Lied und den Wolfsgruß, sondern auch den Umgang der Veranstalter mit der Presse. Ihr zufolge hatte die Ditib-Gemeinde angekündigt, die Presseberichterstattung auf dem Frascati-Platz „streng zu reglementieren“. Schon am ersten Veranstaltungstag habe ein Team des TV-Senders NDR Schwierigkeiten gehabt, dort Aufnahmen zu machen.

Sieben umstrittene Gastredner hätten auftreten sollen
Die Veranstaltung hatte bereits im Vorfeld für heftige Kritik gesorgt. Ursprünglich waren nämlich gleich sieben umstrittene Gastredner, darunter sechs Prediger und ein Kinder-Influencer, zum Fest eingeladen. Zu den eingeladenen Predigern gehörte beispielsweise Bünyamin Topçuoğlu. Er soll den früheren Hamas-Chef Ismail Haniyye in sozialen Medien als „Märtyrer“ bezeichnet und ein Zitat verbreitet haben, in dem Israel das Existenzrecht im Nahen Osten abgesprochen wird. Ebenfalls auf der Gästeliste stand Mustafa Özcan Güneşdoğdu. Er soll den Hamas-Sprecher Abu Ubayda als Helden gefeiert, Angriffe der Huthi-Milizen verherrlicht und Israel als „tollwütigen Hund“ diffamiert haben.

Auch Kinder-Influencer erhitzt die Gemüter
Für Empörung sorgte auch der geplante Auftritt des Kinder-Influencers Sertaç Güngör, bekannt als „Sertaç Abi“. In einem Video, das er in den sozialen Medien geteilt hat, ist zu sehen, wie iranische Raketen in Tel Aviv einschlagen. Dazu sind Musik und ein tanzendes Kleinkind zu sehen. Eingeblendet ist der Text: „BOOM BOOM TEL AVIV“. Kritiker sehen darin eine Verherrlichung von Angriffen auf israelische Zivilisten.

Hamburger Senat muss Vorgänge wohl erklären
Nach anhaltender Kritik und Gesprächen mit dem Bezirk hatte die Gemeinde die sieben Gastredner wieder ausgeladen. Ihnen wurde Antisemitismus vorgeworfen. Die Ditib wiederum bezeichnete die Kritik als Diffamierung. Die FDP sieht die Verantwortung nicht alleine beim Bezirk, sondern auch beim Senat, der mit den islamischen Religionsgemeinschaften Staatsverträge geschlossen hat. Die politische Debatte über das Fest und die Ditib-Gemeinde soll nun im Senat fortgesetzt werden.

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