Militärexperten:

In der Ukraine gibt es am Boden kaum mehr Bewegung

Außenpolitik
18.05.2026 10:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Russland und die Ukraine überziehen einander massiv mit Luftangriffen. Ein Krieg der Drohnen prägt mittlerweile das Geschehen. Diese Übermacht verhindere echte Bewegung an der Front, sagte der russische Militärexperte Dmitri Kusnez von der Kremlkritischen Nachrichtenplattform Meduza.

Die Front ist keine Linie mehr. Sie umfasst eine Länge von mehr als 1000 Kilometern und stellenweise bis über 20 Kilometer Breite. Kämpfe am Boden stecken in der Sackgasse, weil sich die Streitkräfte auflauern und auf jeden Versuch eines Vorstoßes des Gegners mit Drohnenattacken reagieren. „Gegen die Übermacht der Drohnen scheint es gegenwärtig noch kein Instrument zu geben. Die müssten erst einmal auf dem Gefechtsfeld eliminiert werden, damit wieder ein erfolgreicher Vorstoß möglich ist“, sagte der Russland-Experte Matthias Uhl, der ein Buch über russische Militärmacht geschrieben hat. „Russland ist aufgrund seiner Ressourcen durchaus in der Lage, noch weiter Krieg zu führen“, sagte Uhl, der am Max Weber Netzwerk Osteuropa arbeitet und Russland weiter bereist.

Der russische Militärexperte Dmitri Kusnez sieht die Ukraine mit ihren technologischen Fortschritten besser aufgestellt für den Drohnenkrieg als Russland. Er bezweifelt, dass die russischen Streitkräfte bis Ende Herbst den Donbass erobern könnten. Russland würden auch die vielen ukrainischen Angriffe auf Anlagen der Ölindustrie zu schaffen machen, sagte Uhl. „Hinzu kommt, dass die Ukrainer zunehmend die russische Luftabwehr zerlegen und versuchen, die Krim und die von dort laufende Versorgung der Truppen abzuschneiden.“

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Die Drohnen müssten erst einmal auf dem Gefechtsfeld eliminiert werden, damit wieder ein erfolgreicher Vorstoß möglich ist.

Russland-Experte Matthias Uhl

Das sind die Probleme der Ukrainer
Uhl sieht die Ukraine allerdings personell im Nachteil. Derzeit seien keine großangelegten Offensiven wie in den ersten Kriegsjahren mehr möglich. „Der Mangel an Soldaten und hier vor allem an Infanterie wird sich höchstwahrscheinlich noch weiter verstärken. Letzter Ausweg wäre wahrscheinlich die Mobilisierung der 18 bis 25 Jahre alten Männer, die bisher vom verpflichtenden Kriegsdienst ausgeschlossen sind“, sagte der Militärexperte. Zudem sei Kiew auf westliche Waffen, Luftverteidigungssysteme und Aufklärungsdaten der Geheimdienste angewiesen, die inzwischen vor allem aus Frankreich kämen.

Moskau könnte hingegen eine weitere Teilmobilmachung oder die Umwandlung der „militärischen Spezialoperation“ (offizielle Bezeichnung für den Krieg in der Ukraine, Anm.) in eine „Anti-Terror-Operation“ durchführen, um den Einsatz von Wehrpflichtigen zu ermöglichen. Zudem habe das Land überhaupt mehr Einwohnerinnen und Einwohner.

Szenarien für Kriegsende
Der Krieg berge die Gefahr, dass eine der beiden Seiten zu spät erkenne, wann der Endpunkt erreicht sei, sagte Uhl. Mögliche weitere Szenarien für ein Ende seien ein „unvorhersehbares Ereignis“, das Einfrieren des Konflikts ohne Frieden und ein erzwungener Kompromiss, etwa ein von außen erwirkter Waffenstillstand. „Es ist nicht auszuschließen, dass das System Putin durch den fortdauernden Krieg zu einem vorzeitigen Ende kommt, weil dessen Wille, eine militärische Entscheidung herbeizuführen, Kraft und Moral des Landes erschöpfen“, sagte er.

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