Acht Menschen verletzt

Raserfahrt durch Modena: „Überall sah man Blut“

Ausland
17.05.2026 10:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Schock nach der Raserfahrt durch das Zentrum der norditalienischen Stadt Modena am Samstag sitzt tief. Ein 31-Jähriger war mit einem Auto in eine Fußgängergruppe gefahren. Acht Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. „Überall sah man Blut, Schuhe und Taschen“, so ein Augenzeuge über die dramatischen Szenen.

Videoaufnahmen von Überwachungskameras zeigen, wie ein Auto am Samstagnachmittag mit hoher Geschwindigkeit durch eine verkehrsberuhigte Zone fährt und gezielt auf Passanten zusteuert. Am Steuer saß laut Polizei ein 31-jähriger Italiener marokkanischer Herkunft, der in Modena lebt.

In Schaufenster gefahren
Der Mann habe zunächst mehrere Fußgänger und einen Radfahrer erfasst, dann die Straßenseite gewechselt und weitere Menschen angefahren, bevor das Fahrzeug in die Schaufensterscheibe eines Kleidergeschäfts prallte.

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Die Personen, die den Fahrer festgehalten haben, haben großen Mut gezeigt, ihnen gilt mein Dank.

Bürgermeister Massimo Mezzetti

Nach dem Aufprall versuchte der Fahrer zu fliehen. Mehrere Passanten verfolgten ihn und hielten ihn in einer Seitenstraße fest. Dabei zog der Mann ein Messer und verletzte einen der Verfolger am Kopf; ein weiterer Stich verfehlte nach Angaben von Zeugen nur knapp das Herz des Mannes. „Die Personen, die den Fahrer festgehalten haben, haben großen Mut gezeigt, ihnen gilt mein Dank“, lobte Bürgermeister Massimo Mezzetti.

Zwei Opfern Beine amputiert
Acht Menschen wurden bei der Horrorfahrt teils schwerst verletzt. Zu ihnen zählen eine deutsche und eine polnische Touristin, wie Mezzetti am Sonntag bestätigte. Zwei Verletzten, einer 55-jährigen Frau und einem 52-jährigen Mann, mussten die Beine amputiert werden. Die Frau schwebe noch in akuter Lebensgefahr.

„Menschen, die durch die Luft geschleudert wurden“
„Wir haben das Auto kommen sehen, es steuerte direkt auf den Gehweg zu. Plötzlich beschleunigte es stark. Es fuhr mindestens 100 Kilometer pro Stunde, wir sahen Menschen, die durch die Luft geschleudert werden“, berichtete ein Zeuge. „Überall sah man Blut, Schuhe und Taschen.“ 

Ein weiterer Mann, der sich an jener Stelle befand, an der das Auto in die Menschengruppe fuhr, sagte gegenüber lokalen Medien, er habe sich nur retten können, weil er sich im letzten Moment in ein Geschäft flüchtete. „Dann gelang es jemandem, die Fahrertür von außen zu öffnen. Der Fahrer stieß ihn weg und rannte davon“, schilderte der Mann. „Überall sah man Blut, Schuhe und Taschen“, sagte ein Zeuge. 

Vorerst keine Hinweise auf terroristisches Motiv
Die Polizei erklärte am Samstagabend, Alkohol- oder Drogentests seien negativ ausgefallen. Medienberichten zufolge war der Verdächtige bis 2024 wegen einer schizoiden Persönlichkeitsstörung in psychiatrischer Behandlung gewesen. Hinweise auf Verbindungen zu terroristischen Gruppen oder eine islamistische Radikalisierung gebe es bisher nicht.

Die Ermittler prüfen dennoch ein mögliches terroristisches Motiv. Die Vorgehensweise erinnere an frühere Anschläge mit Fahrzeugen, etwa in Nizza oder auf Weihnachtsmärkte in Deutschland, hieß es aus Ermittlerkreisen. Der 31-Jährige wurde festgenommen.

Präsident Sergio Mattarella erkundigte sich beim Bürgermeister über die Situation der Verletzten. Er drückte der Stadt Modena seine Anteilnahme aus und dankte den „mutigen Bürgern“, die den Täter gefasst hatten.

Mattarella und Meloni besuchen Verletzte
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni drückte den Verletzten ihre Anteilnahme aus. Sie sagte einen am Sonntag geplanten Besuch auf Zypern ab, um zusammen mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella nach Modena zu reisen. Dort sollen die beiden Politiker die Verletzten im Krankenhaus besuchen, wie italienische Medien berichteten.

Andere Länder kondolierten Italien. „Ich bin erschüttert über den feigen Anschlag in Modena, bei dem Zivilisten angefahren und mit Messern angegriffen wurden“, schrieb der israelische Außenminister Gideon Saar auf der Plattform X. „Ich möchte der italienischen Regierung und den Familien der Opfer in diesem schwierigen Moment meine Solidarität ausdrücken und allen Betroffenen dieses schrecklichen Ereignisses eine schnelle Genesung wünschen“, fügte er hinzu.

„Ich bin tief erschüttert über den schweren Vorfall, der sich heute in Modena ereignet hat. Meine Gedanken sind bei den Verletzten, von denen sich einige in ernstem Zustand befinden. Ich danke den Sicherheitskräften, die schnell und mutig eingegriffen haben“, schrieb die Präsidentin des Europäischen Parlaments Roberta Metsola auf X.

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