Drei Tage in Griffen

Nobelpreisträger auf Besuch in der alten Heimat

Kärnten
16.05.2026 16:01

Er ist weltberühmt, wurde 2019 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, lebt in einem Vorort von Paris, kommt aber gelegentlich in seine alte Heimat Griffen: Stätten seiner Kindheit und Freunde besuchte Peter Handke diese Woche.

„Sein Wunsch war es, Stätten seiner Kindheit wiederzusehen, Erinnerungen aufleben zu lassen und Freunde zu treffen“, so Valentin Hauser. Der langjährige Freund Handkes ist selbst Buchautor und konnte mit Bürgermeister Josef Müller den berühmten Sohn der Gemeinde begleiten.

Das Trio war im Obstgarten in Altenmarkt, den Handkes im Zweiten Weltkrieg gefallener Onkel Gregor Siutz angelegt hatte. Dort hatte der spätere Schriftsteller als Kind oft Kühe gehütet.

Bgm. Josef Müller und Valentin Hauser konnten Peter Handke wieder in Griffen begrüßen (v. l.).
Bgm. Josef Müller und Valentin Hauser konnten Peter Handke wieder in Griffen begrüßen (v. l.).(Bild: Valentin Hauser)

Beim jüngsten Heimatbesuch zog es den 83-jährigen Handke auch zum Griffner See, an dem er mit seinem Großvater Schilf und andere Grünpflanzen für das Vieh gesammelt hatte. Natürlich besuchte Handke auch die Gräber seiner Familie.

Johann Dersula, den langjährigen Pfarrer von Griffen, suchte Handke im Pflegeheim in Bleiburg auf – Arthur Ottowitz musizierte bei diesem Besuch auf seiner Mundharmonika.

„Während seines Aufenthalts traf er auch einige Bekannte und informierte sich interessiert über das aktuelle Geschehen in der Gemeinde“, erzählt Valentin Hauser von den Tagen von 13. bis 15. Mai. „Er verbrachte drei Tage in seiner Heimatgemeinde und teilte an den Abenden viele Erinnerungen aus früheren Zeiten – in geselliger Atmosphäre. Zum Abschied sagte er, dass er sich auf ein baldiges Wiedersehen in Griffen freue.“

Ein Autor von Weltrang
Bub von Altenmarkt, Ehrenbürger von Griffen

Peter Handke wurde am 6. Dezember 1942 in Altenmarkt bei Griffen geboren – und ist dem kleinen Ort bis heute verbunden. Er studierte in Graz Rechtswissenschaften, brach das Studium allerdings nach der Veröffentlichung seines ersten Romans „Die Hornissen“ (1966) und der Aufführung seines ersten Theaterstücks „Publikumsbeschimpfung“  (1966) unter der Regie von Claus Peymann ab und widmete sich völlig der Literatur. Er wurde als Erzähler, Dramatiker, Lyriker, Hörspiel- und Filmdrehbuchautor und Übersetzer berühmt.

Von seiner Kindheit und Jugend, von seiner Mutter, von den Frauen ihrer Generation erzählt er nach dem Suizid seiner Mutter in der Erzählung „Wunschloses Unglück“ – bis heute das meist gelesene Werk Handkes. Sein jüngstes Buch trägt den Titel „Schnee von gestern, Schnee von morgen“. 

In den Köpfen vieler bleiben neben der großartigen Werke auch politische Äußerungen Handkes, mit denen er polarisierte: Stark kritisiert wurde seine Haltung im Jugoslawienkrieg; er sah den Massenmord in Srebrenica nicht als Völkermord; wohl aber als Brudermord, und das sei was viel Schlimmeres. Er hielt sogar bei der Beerdigung des als Kriegsverbrecher wegen Völkermords angeklagten Slobodan Milošević eine Rede. Im Vorjahr ließ Handke erneut aufhorchen, als er in einem Interview mit dem ORF sagte: „Ich kann das Wort Demokratie nicht mehr ausstehen.“ Heutige Demokratien seien oftmals Scheindemokratien.

Leben und Werk im Stift Griffen entdecken
Im Stift Griffen ist eine Dauerausstellung zu Leben und Werk Peter Handkes eingerichtet. Die Stationen zeigen Fotos aus Handkes Kindheit und Jugend, Lebensdokumente, vor allem aber Werkmaterialien wie Notizbücher, für Recherchen angefertigte Fotos, Typoskript- und Bleistiftmanuskriptblätter, Briefe oder Druckfahnen - 335 Exponate. Die Ausstellung ist täglich außer montags von 9 bis 19 Uhr geöffnet. 

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