Sparmaßnahme

Nachtambulanz am LKH Hohenems wird geschlossen

Vorarlberg
14.05.2026 15:55
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Die Ambulanz am Landeskrankenhaus Hohenems wird ab 1. Juli in der Nacht zwischen 21 und 7 Uhr nicht mehr geöffnet haben. Während die Geschäftsführung der Landeskrankenhäuser von einer notwendigen Anpassung aufgrund der zu geringen Auslastung spricht, sparen die Vertreter der Opposition nicht mit Kritik.

Es ist wahrlich nicht so, dass die Ambulanz am LKH Hohenems in der Nacht überrannt worden wäre: So hat eine Auswertung der Frequenzen gezeigt, dass zwischen 21 und 7 Uhr durchschnittlich gerade einmal 6,6 Patienten behandelt werden. Davon sind zwei Drittel sogenannte Selbstzuweiser, ein Drittel wird mit der Rettung eingeliefert. „Angesichts des hohen Kostendrucks im Gesundheitswesen sowie des zunehmenden Fachkräftemangels haben wir daher die Entscheidung getroffen, den nächtlichen Ambulanzbetrieb nicht länger fortzuführen“, erklärt Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Landeskrankenhäuser. Er betont, dass die umliegenden Krankenhäuser in Bregenz, Feldkirch und Dornbirn die wenigen zusätzlichen Patienten aus Hohenems mit ihren bestehenden Kapazitäten und Strukturen „zuverlässig mitversorgen können“. Zudem werde auch in Zukunft am LKH Hohenems eine Notfallstruktur bereitstehen: „Wir brauchen diese sowohl für Notfälle im Spital, beispielsweise wenn eine Patientin nachts stürzt, als auch für externe Notfälle.“ Die Portiersloge bleibe rund um die Uhr besetzt, sodass bei einem eintreffenden akuten Notfall umgehend Unterstützung angefordert und die innerklinische Notfallversorgung eingeleitet werden kann. Heißt im Klartext: Niemand wird vor geschlossenen Krankenhaustüren verbluten. Nach erfolgter Erstversorgung und Stabilisierung sollen die betroffenen Patienten dann zur weiteren Behandlung bzw. zur stationären Versorgung in das für sie geeignete Spital gebracht werden.

Die Bevölkerung wird sich umstellen müssen
In den kommenden Wochen wird die Bevölkerung im Einzugsgebiet des LKH Hohenems über die Änderungen umfassend informiert. „Ziel ist es, durch Aufklärung, verstärkte Bewusstseinsbildung und Patientenlenkung sicherzustellen, dass nach der Umstellung ab 1. Juli möglichst wenige Menschen in den Nachtstunden das Hohenemser Spital aufsuchen und sich bei Bedarf direkt an die anderen Krankenhäuser wenden“, so Fleisch. Eine wichtige Rolle soll dabei die telefonische Gesundheitsberatung 1450 übernehmen – deren Mitarbeiter geben etwa auf Basis des Beschwerdebilds Auskunft darüber, ob ein Aufsuchen eines Spitals notwendig ist oder nicht.

Keine Degradierung des Standorts Hohenems
Mit den betroffenen Teams im LKH Hohenems seien die geänderten Ambulanzzeiten bereits besprochen worden, auch mit den anderen Krankenhäusern hätte man die Maßnahme abgestimmt, sagt Fleisch. Eine Botschaft ist ihm besonders wichtig: Der Krankenhausstandort Hohenems bleibt auch in Zukunft ein zentraler Pfeiler der Gesundheitsversorgung in Vorarlberg. „Durch die nächtliche Ambulanzschließung ist der Standort etwas weniger akut ausgerichtet, am Leistungsspektrum ändert sich allerdings nichts – weder in der Intensivmedizin, der Inneren Medizin oder in der Pulmologie.“ Zudem soll in den kommenden Monaten – so sieht es die Spitalsreform vor – die Dermatologie vom Schwerpunktkrankenhaus Feldkirch nach Hohenems verlegt werden.

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Durch die nächtliche Ambulanzschließung ist der Standort etwas weniger akut ausgerichtet, am Leistungsspektrum ändert sich allerdings nichts.

Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Landeskrankenhäuser

Landtag diskutiert, Landesregierung schafft Tatsachen
Obwohl es gute Gründe für die Schließung der Nachtambulanz gibt, schäumt die Opposition. Das liegt allerdings auch an der Art und Weise, wie die schwarz-blaue Landesregierung die Spitalsreform insgesamt vorantreibt – nämlich ohne breite politische Diskussion und einem Austausch auf Augenhöhe mit den Betroffenen. Insofern passt es gut ins Bild, dass die Schließung der Nachtambulanz am Mittwoch just zu dem Zeitpunkt verkündet wurde, als der Vorarlberger Landtag gerade über die Zukunft der Vorarlberger Spitallandschaft diskutierte. Die Neos hatten ihren Reformschlag „Zwei starke Spitäler für Vorarlberg: eines für den Süden, ein Neubau für den Norden“ im Zuge der „Aktuellen Stunde“ zur Diskussion gestellt. Eine solche entbrannte sich allerdings nicht, weder die zuständige ÖVP-Landesrätin Martina Rüscher noch ein Vertreter der FPÖ hatte etwas zum Thema zu sagen. Dass die Debatte dennoch in Erinnerung bleiben wird, lag daran, dass sie von Landtagspräsident Harald Sonderegger nach bereits etwa 15 Minuten beendet wurde, weil die Oppositions-Fraktionen zögerten, sich zu Wort zu melden – die „Krone“ berichtete.

Gamon beklagt fehlenden Austausch
Für Neos-Klubobfrau Claudia Gamon ist der Fall jedenfalls klar: „Das ist kein Kommunikationsfehler, das ist Methode! Diese Landesregierung scheut die Auseinandersetzung!“ Die pinke Landesparteichefin kritisiert zudem den Umgang mit den Mitarbeitenden am LKH Hohenems. So sei die Belegschaft einfach kurzerhand dazu aufgerufen worden, sich in der Kantine einzufinden und habe dann von der Ambulanzschließung erfahren – keine Einbindung, keine Vorinformation, kein Dialog. Für Neos-Gesundheitssprecherin Katharina Fuchs steht dieses Vorgehen sinnbildlich für die Planlosigkeit von Schwarz-Blau: „Offensichtlich eskalieren die Kosten – aber anstatt die Reformen endlich konsequent zu Ende zu denken und seriös mit uns über unseren Vorschlag zu diskutieren, die derzeit sieben Krankenhäuser zu zwei starken Standorten weiterzuentwickeln, werden die einzelnen Krankenhäuser jetzt systematisch zerstückelt.“

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Das ist kein Kommunikationsfehler, das ist Methode! Diese Landesregierung scheut die Auseinandersetzung!

Claudia Gamon, Neos-Klubobfrau

Noch weiter geht SPÖ-Gesundheitssprecherin Manuela Auer. Sie wirft Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und Landesstatthalter Christof Bitschi (FPÖ) vor, den Gesundheitsbereich kaputtzusparen: „Vorarlberg braucht keine Gesundheitspolitik der geschlossenen Türen. Wer Ambulanzen zusperrt und bewährte Hilfsstrukturen abbaut, macht unser Gesundheitssystem kaputt.“

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