Theater St. Gallen

Ein musikalischer Partnertausch im Reihenhaus

Vorarlberg
13.05.2026 09:30
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Das Theater Sankt Gallen zeigt derzeit Mozarts Oper „Così fan tutte“ mit „La-Traviata“-Dirigent Pietro Rizzo. Der Abend ist äußerst unterhaltsam – ein Besuch lohnt sich. 

Kaum zu glauben, aber wahr. Der Plot von Mozarts „Così an tutte“ beruht auf einer Episode, die sich zu Mozarts Zeit in Wien zugetragen hat. Warum dann nicht die Handlung in unsere Zeit verlegen, dachte folgerichtig Regisseurin Barbara-David Bruesch und erzählt die Geschichte um ein Experiment in Sachen Liebe und Treue anhand von zwei Paaren, die nebeneinander in einem modernen Reihenhaus leben. Man mag an „Sex and the City“ oder „Vorstadtweiber“ denken, aber auch an Goethes „Wahlverwandtschaften“. Dieses als Planspiel der Liebe im Geist der Aufklärung begonnene Experiment mündet in einem Sturm der Gefühle, aus dem niemand unbeschadet herauskommt.

„Das ändere doch nichts an den Gefühlen zu ihren Ehemännern“
Am wenigsten die tief empfindende Fiordiligi, wunderbar verkörpert und gesungen von Olivia Smith. Aber auch ihr früherer Nachbar und in der Folge Geliebter namens Ferrando hat mit seinen Gefühlen zu ringen. Brian Michael Moore ist allerdings mit den lyrischen Linien Mozarts weniger vertraut, sein Tenor drängt ins Dramatische. Im Spiel der Erotik tun sich Dorabella alias Jennifer Panana und der Ehemann ihrer Nachbarin Fiordiligi namens Guglielmo, gesungen vom Bariton Vincenzo Neri, leichter. Dieser Seitensprung „ändere doch nichts an den Gefühlen zu ihren Ehemännern“, meint die Mezzosopranistin in einem Rezitativ. Zur Untreue angestachelt werden die beiden Frauen von ihrer Haushälterin Despina, gesungen von Mack Wolz. Und der infernale Einflüsterer bei den Männern ist Jonas Jud als Don Alfonso.

Dass Regisseurin Barbara-David Bruesch in dieser schachbrettartigen Anordnung die Figur des Amor, getanzt von Ann-Kathrin Adam, eingefügt hat, ist eher dekorativ als logisch. Das ist aber der einzige Einwand gegen diese ansonsten brillante Regie, die die Charaktere wunderbar zeichnet und, ganz im Sinne Mozarts, minutiös auf die Musik eingeht. Auch diese macht rundherum glücklich, und die Bregenzer freuen sich schon, dass Pietro Rizzo, der so sensibel wie hochmusikalisch agierende Dirigent, im Sommer auf der Seebühne zu erleben sein wird. Unter seinen Händen klingt das Sinfonieorchester Sankt Gallen fein und differenziert, und der Chor des Theaters fügt sich in diese hervorragende Produktion bruchlos ein. Prädikat: Hingehen!

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

3° / 12°
Symbol wolkig
3° / 17°
Symbol wolkig
4° / 16°
Symbol stark bewölkt
4° / 16°
Symbol wolkig
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung