Eltern in U-Haft

„Warum musste siebenjähriges Kind fast sterben?“

Tirol
14.05.2026 09:57

Verwahrlost, abgemagert, beinahe schon tot! Der Fall um ein siebenjähriges Mädchen aus dem Tiroler Oberland sorgt für Fassungslosigkeit. Auch innerhalb der „Krone“-Community. „Wie konnte es nur so weit kommen, dass das Kind beinahe sterben musste?“, lautet der Tenor. Die Eltern sitzen bekanntlich in U-Haft. Für die Ermittler gibt es noch viele Fragen zu klären.

Eine rund 1000-Seelen-Gemeinde im Tiroler Oberland befindet sich in Schockstarre. Keiner kann fassen, was eine „kleine Seele“ in den vergangenen Wochen oder vielleicht sogar Monaten durchmachen musste.

Die Nachricht vom Leid der Siebenjährigen und von der Festnahme der Eltern verbreitete sich in den vergangenen Tagen jedenfalls wie ein Lauffeuer. Der Bürgermeister schilderte gegenüber der „Krone“: „Wir sind in einer Schockstarre. Dieser Fall hat uns völlig unvorbereitet getroffen!“

In lebensbedrohlichem Zustand in Klinik
Am 28. April wurde das Mädchen von den Eltern in die Innsbrucker Klinik gebracht. „Augenscheinlich verwahrlost und in einem lebensbedrohlichen Zustand“, wie es vonseiten der Polizei heißt. Die Ärzte kämpften um das Leben des Kindes – einen Tag später wurde das Landeskriminalamt Tirol informiert, welches sofort Ermittlungen aufgenommen hatte.

Doch die Eltern – die Mutter soll um die 40 Jahre alt sein, der Vater Mitte 30 – tauchten offenbar unter. „Da die beiden Elternteile für die Ermittlungsbehörden folglich nicht erreichbar waren, wurde durch die Staatsanwaltschaft Innsbruck deren Festnahme angeordnet.“

Erst stellte sich Mutter, dann der Vater
Nach zwei Wochen klickten schließlich die Handschellen. Zunächst bei der Mutter, die sich am Montag der Polizei stellte – und dann beim Vater, der am Dienstag bei einem Posten auftauchte.

Die beschuldigten Eltern sitzen in der Justizanstalt Innsbruck in U-Haft.
Die beschuldigten Eltern sitzen in der Justizanstalt Innsbruck in U-Haft.(Bild: Christof Birbaumer)

Die beschuldigten Eltern wurden über Anordnung der Staatsanwaltschaft in die Innsbrucker Justizanstalt eingeliefert. Am Mittwochnachmittag wurde über die beiden Untersuchungshaft verhängt. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand besteht der Verdacht, dass die Eltern ihre Fürsorgepflicht über einen längeren Zeitraum gröblich vernachlässigt und es insbesondere unterlassen haben, rechtzeitig die gebotene medizinische Versorgung ihres Kindes zu gewährleisten“, heißt es.

„Wie konnte das im Dorf nicht auffallen?“
Aber wie kann es sein, dass das Leid der Siebenjährigen so lange – beinahe bis zu ihrem Tod – unbemerkt geblieben ist? Das fragen sich auch unzählige „Krone“-User. „Vor allem in einem Dorf, wo praktisch jeder jeden kennt, muss doch so etwas auffallen“, lauteten sinngemäß zahlreiche Kommentare.

Der Vater sei im Dorfgeschehen durchaus präsent gewesen, die Mutter eher weniger, sagte der Bürgermeister zur „Krone“. Wie oft bei solchen Dramen hinter vier Wänden dürfte das Bild nach außen hin – zumindest halbwegs – intakt gewesen sein. Die Beschuldigten haben offenbar noch einen kleinen Sohn, der das Kindergartenalter aber noch nicht erreicht habe. Er sei nun auf behördliche Anordnung fremduntergebracht.

Schützendes Umfeld von Schule fiel weg
Was in diesem tragischen Fall noch dazukommt und womöglich mit ein Grund ist, dass das Drama nicht schon früher aufgefallen war, ist, dass das schützende Umfeld einer Schule nicht vorhanden war. Denn die Siebenjährige sei laut Angaben der Eltern zu Hause unterrichtet worden, wie Hansjörg Mayr, Sprecher der Innsbrucker Staatsanwaltschaft, gegenüber der „Krone“ erklärte. Erst kürzlich sei die Aufforderung an das Paar erfolgt, ihre Tochter wieder in den regulären Unterricht zu schicken, dies sei missachtet worden.

Die Siebenjährige befindet sich nach wie vor in der Innsbrucker Klinik. Ihr Zustand sei stabil, heißt es von dort. Sie befinde sich auch nicht mehr in akuter Lebensgefahr.

Dennoch bleiben viele Fragen offen. Wie konnte es so weit kommen. Hat wirklich niemand anderer von dem Leid des Mädchens gewusst? Wo waren Großeltern, Freunde, Bekannte, Nachbarn? Fragen, die es für die Ermittler zu klären gilt. Die Beschuldigten bleiben jedenfalls vorerst in U-Haft. In zwei Wochen wird über die Verlängerung oder Aufhebung entschieden ...

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung