Lösung für Bub (8)

Nach zwei Jahren hat Christian einen Schulplatz

Steiermark
14.05.2026 10:00

Gut Ding braucht Weile – auch wenn es sich im konkreten Fall nur darum handelt, dass ein Bub seinen Volksschulplatz bekommt. Fast zwei Jahre lang hat Christians Familie alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihm ab Herbst einen Volksschulstart im steirischen Mariazell zu ermöglichen.

Christian wird bald acht Jahre und lebt mit seiner Familie im niederösterreichischen Mitterbach: Er kam, nach einem komplizierten Geburtsvorgang, mit Kraniosynostose zur Welt. Die Schädelnähte sind dabei (teilweise bereits vor der Geburt) verknöchert, sodass bei der Entwicklung des Gehirns kein normales Schädelwachstum stattfinden kann.

Es betrifft zwei von 1000 Neugeborenen und macht meist eine möglichst baldige chirurgische Korrektur notwendig, um eine normale Entwicklung des Gehirns und Schädelknochens zu ermöglichen.

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Es war bereits grenzwertig, ob man die OP überhaupt noch durchführen kann.

Beate und Christian Illek

Die Diagnose und der erste operative Eingriff haben bei Christian erst sehr spät stattgefunden, knapp vor seinem ersten Geburtstag. Gehirnhäute waren bereits mit dem Schädelknochen verwachsen: „Es war bereits grenzwertig, ob man die OP überhaupt noch durchführen kann“, sagen die Eltern Beate und Christian Illek. Die Operation verlief nicht komplikationslos und machte in den folgenden zwei Jahren drei weitere schwere Eingriffe notwendig.

Therapien gehören zum Alltag
Erst im Alter von drei Jahren hatte Christian, nicht zuletzt infolge eines speziell angefertigten Implantats, erstmals wieder einen stabilen Kopf. Wie belastend diese Zeit für Christian und die ganze Familie mit dem älteren Bruder Sebastian gewesen ist, lässt sich kaum erahnen. In der Folge wurden bei dem Buben schwere Entwicklungsprobleme und eine Lähmung am Fuß festgestellt. Seither sind alle möglichen Therapien Alltag. Die übrigen drei Familienmitglieder versuchen, Christian „mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu fördern und zu unterstützen“, so Vater Christian.

Bereits 26 Vollnarkosen
Erst jüngst hat ein äußerst schmerzhafter Paukenerguss im Ohr zu einem weiteren Eingriff geführt. Etwa 26 Vollnarkosen hat der Bub mit knapp acht Jahren bereits hinter sich. Die Panik, die sich im Laufe länger dauernder Spitalsaufenthalte bei Christian oft bemerkbar macht, ist verständlich. Erwähnt wird aber auch die tolle Behandlung an den HNO- und Kinder-Abteilungen des Uniklinikums St. Pölten, wo man Christian bereits kennt. 

Ab Herbst geht Christian im Wallfahrtsort Mariazell zur Schule.
Ab Herbst geht Christian im Wallfahrtsort Mariazell zur Schule.(Bild: Christian Jauschowetz)

Schwierige Suche nach Volksschulplatz
Aktuell besucht Christian, anstelle eines Vorschuljahres, so oft wie möglich den Kindergarten in Mitterbach. Er fühlt sich dort sehr wohl. Den Kindergartenplatz zu finden, war noch verhältnismäßig leicht gewesen, sagt Beate Illek. Beim Volksschulplatz hingegen war es nicht einfach. Das Grundproblem: Der Wohnort ist das niederösterreichische Mitterbach, die Schule im steirischen Mariazell. Eine Angelegenheit, die sich seit 2024 fast zwei Jahre lang zog. Keine neue Erfahrung: Als die Illeks vor Jahren in St. Sebastian (Stmk) lebten, konnten sie ein Therapie-Angebot in St. Pölten (NÖ) nicht in Anspruch nehmen.

Nach unzähligen Gesprächen, in die auch die Bildungsdirektion Steiermark und die Mitterbacher Gemeindespitze involviert waren, wurde seitens der Volksschule Mariazell Christians Schulplatz für das Schuljahr 2026/27 zugesagt. Beate Illek: „Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen!“

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Es ist klar und selbstverständlich, dass man in solcher Angelegenheit zusammenhilft.

Bürgermeister Thomas Teubenbacher

Großes Lob für den Bürgermeister
Wesentlichen Anteil am Zustandekommen hatte Thomas Teubenbacher, Bürgermeister von Mitterbach. Familie Illek äußert sich in höchsten Tönen über sein engagiertes und lösungsorientiertes Vorgehen. Im Gemeinderat wurde sogar beschlossen, dass die für Christian während des Schulbesuches notwendige Stützkraft bezahlt wird – und zwar als Gemeindebedienstete im erforderlichen Zeitausmaß von rund 20 Stunden pro Woche. Christian ist mit ihr bereits vertraut. „Wir wünschen Christian das Allerbeste, es ist klar und selbstverständlich, dass man in solcher Angelegenheit zusammenhilft“, so Teubenbacher.

Christians Sensitivität ist sehr groß, sein Sprachverständnis ist gut, so die Eltern. Als wir das Gespräch in Mitterbach führten, wurde im Erdgeschoß gerade ein großer Raum für ihn adaptiert und damit ausgestattet, was ihm Freude macht: Turngeräte, ein Keyboard, Spielsachen, mit weichem Teppichboden zum Austoben. Mittlerweile hält er sich dort häufig auf, begleitet von einer Betreuerin, für die der Lionsclub Mariazell für „zwei bis vier Stunden pro Woche in wirklich dankenswerter Weise aufkommt“, sagt Beate Illek. Zeit, die sie für sich selbst nutzt, da sie dann nicht wie sonst mit zumindest einem Auge auf Christian schaut.

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