Fehler erkennen, bevor sie teuer werden: Das niederösterreichische Unternehmen J. u. A. Frischeis in Stockerau setzt auf künstliche Intelligenz direkt in der Produktion. Das Ziel: mehr Qualität, weniger Ausschuss und nachhaltigere Prozesse in der Möbelteilefertigung.
In der modernen Möbelproduktion läuft vieles vollautomatisch. Doch selbst hochpräzise Anlagen stoßen an ihre Grenzen, wenn Beschädigungen oder Materialfehler erst am Ende der Fertigung entdeckt werden. Genau hier setzt ein innovatives Digitalisierungsprojekt der Firma Frischeis in Stockerau an.
„Wir brauchen eine Echtzeit-Lösung, damit wir Schäden sofort erkennen und eingreifen können, bevor weitere fehlerhafte Teile produziert werden.“

Florian Herbst, Ansprechpartner der Firma J. u. A. Frischeis Gesellschaft m.b.H.
Bild: STRMZ Media e.u.
Holzkompetenz mit Hightech-Unterstützung
Frischeis zählt zu den größten Holzhandelsunternehmen in Mittel- und Osteuropa und ist langjähriger Partner für Tischlereien in Österreich und weit darüber hinaus. Am Standort Stockerau werden Möbelbauteile individuell gefertigt – digital bestellt, automatisiert verarbeitet und termingerecht ausgeliefert.
„Der klassische gewerbliche Kunde hat bei uns die Möglichkeit, über mehrere Tools seine Bestellungen auszulösen. Diese werden dann hier im Bearbeitungszentrum aufbereitet, verplant und zeitgerecht zum Kunden geliefert“, betont Herbst.
Die Produktion selbst läuft bereits hochautomatisiert. Doch Qualitätsmängel wie beschädigte Kanten, Kratzer oder Materialfehler wurden bislang oft erst bei der Verpackung sichtbar – mit erheblichen Folgen.
Wenn Fehler teuer werden
„Wenn die Teile mal produziert sind und wir erst bei der Verpackung draufkommen, dass etwas beschädigt ist, ist die ganze Wertschöpfung schon reingeflossen. Wir haben Energie verbraucht, Zeit verbraucht und Material verbraucht“, schildert Herbst die Herausforderung.
Die Ursachen reichen von Bedienfehlern bis hin zu Material- und Oberflächenfehlern bei Dekorspanplatten und ABS-Kanten. Die Konsequenz: hohe Kosten, unnötiger Ausschuss und Verzögerungen in der Produktion.
KI erkennt Fehler sofort
Die Lösung kommt aus der Welt der künstlichen Intelligenz und Computer Vision. Kameras überwachen jedes Bauteil direkt während des Produktionsprozesses. Eine KI-basierte Software analysiert die Bilder in Echtzeit und erkennt sichtbare Mängel automatisch.
„In der ersten Phase prüfen wir die Kanten direkt während des Durchlaufs bei der Bekantungsmaschine. Die Teile werden von oben und unten gefilmt, kontrolliert werden Leimfugen, Beschädigungen, Ausrisse oder Ausplatzer“, erklärt Herbst.
Die erkannten Fehler werden automatisch dokumentiert und an das Produktionsleitsystem gemeldet. Dadurch kann sofort reagiert werden, bevor weitere fehlerhafte Teile entstehen.
Drei Ausbaustufen für maximale Qualität
Das Projekt ist in mehreren Entwicklungsstufen aufgebaut. Nach der Kantenprüfung folgt bereits der nächste Schritt: die Kontrolle kompletter Oberflächen. In der dritten Ausbaustufe geht die Digitalisierung noch weiter: Die KI soll künftig sogar Maße und Bohrungen der Möbelteile automatisch überprüfen.
„Dann wird jedes Loch digital vermessen und geschaut, ob alles genau so produziert wurde, wie es geplant war.“

Florian Herbst, Ansprechpartner der Firma J. u. A. Frischeis Gesellschaft m.b.H.
Bild: STRMZ Media e.u.
Nachhaltiger produzieren – Menschen entlasten
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie künstliche Intelligenz in der Industrie eingesetzt werden kann – nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Unterstützung im Arbeitsalltag. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden entlastet, Prozesse effizienter gestaltet und Ressourcen geschont.
Ein zentrales Element dabei ist auch das intelligente Datenmanagement. Alle erfassten Informationen werden zentral gespeichert, analysiert und in bestehende IT-Systeme integriert. Dadurch wird nicht nur die Qualität laufend verbessert, sondern auch die Zusammenarbeit mit Lieferanten effizienter gestaltet.
So entsteht in Stockerau ein Produktionsmodell, das zeigt, wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können.