1. Seniorenstrategie

Wien präsentiert erstmals seinen Plan fürs Alter

Wien
13.05.2026 12:00

Wien zählt bereits 457.000 Einwohner ab 60 Jahren – bis 2040 soll ihr Anteil auf mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung steigen. Die Stadt reagiert mit einer umfassenden Seniorenstrategie: altersfreundlich, inklusiv und auf Jahrzehnte angelegt. Bürgermeister Michael Ludwig nennt es ein Versprechen an alle Generationen.

Der demografische Wandel macht vor Wien nicht Halt. Schon heute leben rund 457.000 Menschen ab 60 Jahren in der Bundeshauptstadt – das entspricht 22,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Laut Prognosen wird dieser Anteil bis 2040 auf 26 Prozent anwachsen. Der Grund liegt auf der Hand: Die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre erreichen nun Schritt für Schritt die Altersgrenze. Bürgermeister Michael Ludwig hat dafür klare Worte: „Unsere Stadt verdankt den Älteren nicht nur Geschichte, sondern auch Haltung. Der Beitritt zum WHO-Netzwerk der altersfreundlichen Städte ist für uns zugleich Ansporn und Maßstab.“ Im Jahr 2023 trat Wien als erste österreichische Stadt dem WHO-Netzwerk bei – einem internationalen Zusammenschluss von mehr als 1700 Städten in 60 Ländern. Dieser Schritt markierte den Startschuss für die nun vorliegende Seniorenstrategie, die von Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gemeinsam erarbeitet wurde.

Die Jahresschwerpunkte: von Digital bis Wohnen
Die Strategie ist auf konkrete Jahresschwerpunkte aufgebaut. 2026 steht die Digitalisierung im Mittelpunkt: Zwar nutzen bereits 77 Prozent der Wiener Senioren das Internet täglich oder fast täglich, doch gerade Hochbetagte greifen bei Gesundheitsfragen überdurchschnittlich stark auf gedrucktes Material oder die Telefonhotline 1450 zurück. Das Ziel: ein besserer, altersgerechter Zugang zu digitalen Angeboten – als Ergänzung, nicht als Ersatz analoger Wege. 2027 folgt das Thema Wohnen 60+, 2028 Vielfalt und Respekt. Stadtrat Peter Hacker bringt es auf den Punkt: „Wer in Wien alt wird, soll gut leben – mittendrin statt außen vor. Der Beitritt zum WHO-Netzwerk der altersfreundlichen Städte ist kein PR-Gag, sondern ein Auftrag.“

Fonds Soziales Wien versorgt 60.000 Ältere
Die Realität hinter der Strategie ist nüchtern: Rund 30.000 Wiener leben mit Demenz, 14 Prozent der über 65-Jährigen fühlen sich mehr als die Hälfte der Zeit einsam, 31,3 Prozent der Senioren wohnen allein. Der Fonds Soziales Wien unterstützt jährlich mehr als 145.000 Menschen in der Stadt, davon rund 60.000 Kunden ab 60 Jahren. Geschäftsführerin Susanne Winkler: „Bei hoher Lebensqualität möglichst lang im eigenen Zuhause leben können – das ist unser Ziel für die Wiener im Alter.“ Bis 2030 soll die Zahl der regionalen Gesundheitszentren von derzeit 67 auf rund 100 steigen.

Von der Aktion 65 Plus zu Mobilitäts-Scouts
Konkret setzt die Stadt bereits auf ein breites Maßnahmenbündel. Wiener Wohnen, Europas größte kommunale Hausverwaltung, unterstützt Senioren mit der sogenannten Aktion 65 Plus dabei, in kleinere, altersgerechte Wohnungen zu übersiedeln. Der Fonds Soziales Wien berät mit dem mobilen Angebot „Mitten in Wien“ direkt dort, wo die Menschen sind – in Einkaufszentren oder Strandbädern. Sensorbasierte Systeme wie automatische Sturzerkennung sollen die Selbstständigkeit im Alltag verbessern. Im öffentlichen Raum entstehen sogenannte Cooling Zones mit Trinkbrunnen, mehr Sitzgelegenheiten und bessere Beleuchtung. Alle Wiener U-Bahn-Stationen sowie mehr als 95 Prozent der Bus- und Straßenbahnhaltestellen sind bereits barrierefrei. Und sogenannte Mobilitäts-Scouts – ältere Bürger, die sich in der Planung kommunaler Räume einbringen – sorgen dafür, dass die Bedürfnisse der Generation 60+ von Anfang an mitgedacht werden.

Die Seniorenbeauftragte koordiniert seit 1996
Das Herzstück der Strategie ist die Seniorenbeauftragte der Stadt – eine Funktion, die Wien bereits seit 1996 kennt. Seit 2022 bekleidet Sabine Hofer-Gruber das Amt. Sie koordiniert die Umsetzung, vernetzt Institutionen und sorgt dafür, dass die Perspektiven älterer Menschen in Politikfeldern wie Mobilität, Wohnen oder digitale Teilhabe Gehör finden. „Für mich beginnt Altersfreundlichkeit mit echtem Miteinander. Nur wenn alle Generationen zusammenhelfen, einander zuhören und wir gemeinsam mit Herz und einer Portion Wiener Schmäh unsere Stadt weiterentwickeln, bleibt Wien eine Stadt für alle Generationen“, sagt Hofer-Gruber. Die Strategie soll 2028 evaluiert und in einer überarbeiteten Neuauflage weiterentwickelt werden.
Die Wiener Seniorenstrategie ist auf seniorinnen.wien nachzulesen.

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