Großer Rückblick

Verena Dunst: Zwischen Enkeln und Uhudler

Burgenland
13.05.2026 08:49

Mit ihrem Rückzug als ehrenamtliche Volkshilfe-Präsidentin beginnt für Verena Dunst ein neuer Lebensabschnitt – mit mehr Zeit für die Familie und neuen Aufgaben als Winzerin.

Nach fast drei Jahrzehnten im sozialen Dauereinsatz zog sich Verena Dunst in der Vorwoche als ehrenamtliche Präsidentin der Volkshilfe Burgenland zurück – wegen jener Menschen, die für sie privat am wichtigsten sind. Und plötzlich war sie da, diese andere Seite der Verena Dunst. Nicht die ehemalige Landesrätin oder erste Landtagspräsidentin des Burgenlandes, sondern die Großmutter. Drei Enkelkinder, fünf Jahre, eineinhalb Jahre und zwei Monate alt. Dazu die berufliche Situation ihrer Töchter, die sich verändert habe. „Ich kann daher nicht mehr in der ersten Reihe mitspielen“, sagt Dunst.

„An eigene Familie denken“
„Jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich auch an die eigene Familie denken muss, die in den vergangenen Jahrzehnten oft viel zu kurz gekommen ist.“ Ganz weg sein werde sie aber nicht. Ehrenamtlich wolle sie der Volkshilfe erhalten bleiben, vor allem in den Sonnenmärkten.

Und weil Stillstand nie wirklich zu ihr passte, hat sich die 68-Jährige inzwischen ein neues Betätigungsfeld gesucht: „Gemeinsam mit meiner Familie verkaufe ich jetzt Uhudler und Uhudler-Frizzante“, erzählt die Moschendorferin. Dass ausgerechnet sie einmal kürzertreten würde, konnten sich viele kaum vorstellen.

Nach Ausscheiden „arbreitet sie noch mehr“
Noch im Dezember sagte Dunst im Gespräch mit der „Krone“: „Ich will bis 94 arbeiten und mit 104 Jahren sterben.“ Ein Satz, der bei ihr weniger nach Scherz als nach Haltung klang. 24 Jahre lang stand Dunst an der Spitze der Volkshilfe Burgenland. Immer unterwegs, immer erreichbar, oft dort, wo Hilfe gebraucht wurde. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Landtag im Vorjahr hieß es in ihrem Umfeld oft: „Jetzt arbeitet sie eigentlich noch mehr.“

Dunst bei der Feier anlässlich 1 Jahr Sonnenmarkt Güssing mit ihrem Nachfolger als Präsident ...
Dunst bei der Feier anlässlich 1 Jahr Sonnenmarkt Güssing mit ihrem Nachfolger als Präsident Thomas König (Mi.).(Bild: Christian Schulter)

Vielleicht hängt das auch mit ihrer eigenen Geschichte zusammen. Dunst wuchs in einfachen Verhältnissen auf, ihr Vater arbeitete beim Straßenbauamt, die Mutter als Näherin in einer Fabrik. Geld war knapp. Schon als Jugendliche arbeitete sie in den Ferien als Stubenmädchen in Hotels.

Konkret über Probleme sprechen
Wer mit ihr spricht, merkt schnell: Ihre soziale Ader ist keine politische Erzählung. Sie wusste, wie sich Scham anfühlt, wie leise Armut oft daherkommt. Deshalb sprach Dunst über soziale Probleme meist sehr konkret – über Familien mit Stromrückständen, Kinder, die sich schämen, Freunde einzuladen, oder ältere Menschen, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.

Auch die Anfangszeit bei der Volkshilfe sei schwierig gewesen. Finanzielle Unsicherheiten, fehlende Strukturen, viel Verantwortung. „Ich habe damals sogar einen Wechsel über 150.000 Euro auf mein eigenes Haus unterschrieben, weil ich an die Volkshilfe und an die Menschen geglaubt habe, die unsere Unterstützung brauchen.“

Für die Aktion „Burgenland schenkt“ teilt die ehrenamtliche Präsidentin der Volkshilfe ...
Für die Aktion „Burgenland schenkt“ teilt die ehrenamtliche Präsidentin der Volkshilfe Burgenland jedes Jahr sogar noch am Heiligen Abend Päckchen aus (r.).(Bild: Reinhard Judt)

Projekte ausgebaut
In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Projekte oder wurden ausgebaut: Hauskrankenpflege, Essen auf Rädern, Demenzangebote, Nachhilfeprojekte, Ferienaktionen gegen Armut, Frauenprojekte, soziale Stützpunkte oder die Sonnenmärkte. Heute beschäftigt die Volkshilfe Burgenland rund 270 Mitarbeiter, mehr als 20.000 Menschen wurden allein im vergangenen Jahr unterstützt.

Wenn sie heute auf ihre 24 Jahre bei der Volkshilfe zurückblickt, spricht Dunst vor allem von „Dankbarkeit“ – „für unzählige Begegnungen, für Vertrauen, für gemeinsame Wege und dafür, dass wir in all den Jahren so vielen Menschen helfen konnten.“ „Diese Aufgabe war für mich nie nur ein Ehrenamt. Sie war Verantwortung, Herzensangelegenheit und Lebensaufgabe zugleich.“ 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

6° / 18°
Symbol heiter
1° / 17°
Symbol heiter
4° / 18°
Symbol heiter
4° / 18°
Symbol wolkig
2° / 17°
Symbol heiter
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung