Seit Wochen findet der Unterricht iranischer Universitäten nur online statt. Dabei gibt es jedoch massive Schwierigkeiten. Nicht zuletzt, weil eine Internetsperre den Iran seit mittlerweile 70 Tagen vom weltweiten Netz abschneidet.
An iranischen Hochschulen herrscht große Ungewissheit über die Zukunft. Irans Wissenschaftsminister sagte am Freitag, es sei immer noch keine Entscheidung über Vorlesungen und Prüfungen in Präsenz gefallen. Man „warte ab, wie sich die Lage entwickeln wird“, sagte Hussein Simaei laut der Nachrichtenagentur „Tasnim“.
Zerbombte Universitäten, nicht genug Geld für Wiederaufbau
Die Regierung sei immer noch dabei, die im Krieg bombardierten Universitäten wiederaufzubauen. Dafür seien jedoch erhebliche finanzielle Mittel notwendig. Seit mehreren Wochen unterrichten Lehrende an iranischen Hochschulen nur online. Dabei soll es jedoch auch massive Probleme geben. Hinzu kommt die Netzsperre, die Irans Bevölkerung vom weltweiten Internet abgeschnitten hat.
70. Tag ohne globales Internet
Die Iraner sind inzwischen den 70. Tag in Folge vom Zugang zum globalen Internet ausgeschlossen. Die Sperre halte bereits seit 1656 Stunden an, teilte die auf Netzsperren spezialisierte Organisation „Netblocks“ auf der Plattform X mit. Mit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar hatte die Regierung in Teheran den Zugang zum weltweiten Internet weitgehend gesperrt. Seitdem steht nur ein eingeschränktes Netzwerk mit staatlich genehmigten Inhalten zur Verfügung.
Sperre treibt Iraner in Arme einheimischer Angebote
Für viele Iraner sind seither lokale Apps die einzige Möglichkeit zur internetbasierten Kommunikation. Regierungsstellen drängen ihre Angestellten mittlerweile dazu, diese lokalen Alternativen für Arbeitszwecke zu installieren. Häufig bieten sie die einzige Möglichkeit für Kontakt zu Angehörigen im Ausland. Viele Menschen misstrauen diesen iranischen Apps jedoch aus Angst vor Überwachung.
Iraner riskieren ihr Leben für Internet
„Euronews“ berichtete sogar, dass einige Iraner auf der Suche nach Internet ihr Leben riskieren. In ihrer Verzweiflung fahren sie an die irakische Grenze – dort wurden zuletzt über 50 Menschen bei einer Razzia wegen der Internetnutzung verhaftet. Ein kleiner Teil des Militär- und Machtapparats nutzt jedoch das globale Internet ohne Einschränkungen. Auch iranische Medien publizieren ihre Nachrichten auf Telegram und X – also auf Portalen, die eigentlich gesperrt sind.
Hochschulzeitung: „Drohende Hinrichtung wegen Demo-Teilnahme“
Doch nicht nur zerstörte Infrastruktur und die Internetsperre stellen sich als Probleme dar: Studierendenverbände beklagten anhaltend harte Repressionen nach den inzwischen verstummten Massenprotesten vom Jänner. Die Hochschulzeitung „Amir-Kabir“ berichtete am Donnerstag etwa, dass einem Studenten, der an den Demonstrationen teilgenommen habe, die Hinrichtung drohen würde. An mehreren Universitäten seien zudem Studierende wegen mutmaßlicher Protestteilnahme exmatrikuliert worden.
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