„Alarmplan 5“ hieß es am Freitag am Grazer Flughafen: „Bedrohungslage Infektion“. Ein Flugzeug mit zwei Ebola-Patienten an Bord muss notlanden, so die Übungsannahme – ein hierzulande noch nie durchgespielter Fall.
„Für so etwas gibt es kein Drehbuch“, war einer der meistgehörten Sätze Freitagnachmittag auf „Position 28“ des Grazer Flughafens. Auf diese Fläche werden Flugzeuge mit hochinfektiösen Insassen gelotst. Dann wird die angrenzende Gerätehalle zum medizinischen Separationsbereich.
Erfahrungswerte und Improvisation
Dafür müssen die Betroffenen aber einmal aus der Maschine gebracht werden. Die Choreografie, mit der die rund 200 Beteiligten von Einsatzorganisationen und Behörden die kritischen Abläufe aufeinander abstimmen, folgt einerseits bewährten Richtlinien und Erfahrungswerten. Andererseits wird aber auch viel improvisiert, wie sich in Graz zeigte.
Die Übungsannahme: Ein Biotechnik-Team aus Wien muss einen Forschungsaufenthalt in Zentralafrika nach einem Ebola-Ausbruch kurzfristig abbrechen und fliegt zurück in die Heimat. In der Luft wird ein medizinischer Notfall zweier Passagiere gemeldet, eine Notlandung in Graz wird verfügt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Anzüge anlegen und warten auf das „Go“
Um 13.20 Uhr „landet“ die Maschine der deutschen Chartergesellschaft Avanti Air, mit der es normalerweise ans Mittelmeer oder für die Sturm-Kicker zu internationalen Spielen geht, und wird von der Betriebsfeuerwehr und der Airport Ambulance umringt. Nach und nach treffen weitere Einsatzkräfte ein, von der Polizei bis zum Kriseninterventionsteam, auch aus Kärnten. Die ersten schlüpfen am Rollfeld in ihre Ganzkörperanzüge, zunächst bleibt die Maschine aber hermetisch abgeriegelt.
Um 13.38 Uhr wird angeklopft, die Tür öffnet sich, eine Kiste mit Notfallausrüstung wird in die Kabine gereicht. Gut zehn Minuten später betreten zwei ganzkörpergeschützte Helfer das Flugzeug, bald darauf werden die ersten Insassen hinausgebracht – es sind die beiden Infizierten, die eigentlich als Letzte an der Reihe gewesen wären. Ihr Gesundheitszustand hat das Lehrbuch-Prozedere über den Haufen geworfen.


Erkenntnisgewinn für einen Fall, der hoffentlich nie eintritt
Vom Hochinfektions-Transportteam des Roten Kreuzes (HIT) werden die Betroffenen nun in Inkubatoren isoliert. Der Spezialeinsatz am Flughafen ist auch für die Seuchen-Spezialisten in ihrer lachsrosa Kluft eine Premiere.
Diese wird nun gemeinsam mit den Behörden analysiert. Die Hoffnung aller Beteiligten ist aber freilich, dass man die Erkenntnisse nie in der Praxis anwenden muss.
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