Erstmals durchgespielt

Ebola-Szenario: Wenn der Tod in Graz landet …

Steiermark
08.05.2026 18:08

„Alarmplan 5“ hieß es am Freitag am Grazer Flughafen: „Bedrohungslage Infektion“. Ein Flugzeug mit zwei Ebola-Patienten an Bord muss notlanden, so die Übungsannahme – ein hierzulande noch nie durchgespielter Fall.

„Für so etwas gibt es kein Drehbuch“, war einer der meistgehörten Sätze Freitagnachmittag auf „Position 28“ des Grazer Flughafens. Auf diese Fläche werden Flugzeuge mit hochinfektiösen Insassen gelotst. Dann wird die angrenzende Gerätehalle zum medizinischen Separationsbereich.

Erfahrungswerte und Improvisation
Dafür müssen die Betroffenen aber einmal aus der Maschine gebracht werden. Die Choreografie, mit der die rund 200 Beteiligten von Einsatzorganisationen und Behörden die kritischen Abläufe aufeinander abstimmen, folgt einerseits bewährten Richtlinien und Erfahrungswerten. Andererseits wird aber auch viel improvisiert, wie sich in Graz zeigte.

Rund 200 Personen wirkten aktiv mit, dazu kamen noch die Statisten, die die Insassen mimten – ...
Rund 200 Personen wirkten aktiv mit, dazu kamen noch die Statisten, die die Insassen mimten – gemeinsam mit einer echten Avanti-Air-Crew.(Bild: Jürgen Fuchs)

Die Übungsannahme: Ein Biotechnik-Team aus Wien muss einen Forschungsaufenthalt in Zentralafrika nach einem Ebola-Ausbruch kurzfristig abbrechen und fliegt zurück in die Heimat. In der Luft wird ein medizinischer Notfall zweier Passagiere gemeldet, eine Notlandung in Graz wird verfügt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

Anzüge anlegen und warten auf das „Go“
Um 13.20 Uhr „landet“ die Maschine der deutschen Chartergesellschaft Avanti Air, mit der es normalerweise ans Mittelmeer oder für die Sturm-Kicker zu internationalen Spielen geht, und wird von der Betriebsfeuerwehr und der Airport Ambulance umringt. Nach und nach treffen weitere Einsatzkräfte ein, von der Polizei bis zum Kriseninterventionsteam, auch aus Kärnten. Die ersten schlüpfen am Rollfeld in ihre Ganzkörperanzüge, zunächst bleibt die Maschine aber hermetisch abgeriegelt.

„Erstkontakt“: Eine Kiste mit Notfall-Material wird in die Maschine gehievt.
„Erstkontakt“: Eine Kiste mit Notfall-Material wird in die Maschine gehievt.(Bild: Jürgen Fuchs)

Um 13.38 Uhr wird angeklopft, die Tür öffnet sich, eine Kiste mit Notfallausrüstung wird in die Kabine gereicht. Gut zehn Minuten später betreten zwei ganzkörpergeschützte Helfer das Flugzeug, bald darauf werden die ersten Insassen hinausgebracht – es sind die beiden Infizierten, die eigentlich als Letzte an der Reihe gewesen wären. Ihr Gesundheitszustand hat das Lehrbuch-Prozedere über den Haufen geworfen.

Zum Durchklicken: Auch die Polizei war bei dem simulierten Gesundheitsnotstand vor Ort und ...
Zum Durchklicken: Auch die Polizei war bei dem simulierten Gesundheitsnotstand vor Ort und sicherte das Rollfeld.(Bild: Jürgen Fuchs)
Rotkreuz-Sanitäter und Notärzte wappnen sich für den Einsatz.
Rotkreuz-Sanitäter und Notärzte wappnen sich für den Einsatz.(Bild: Jürgen Fuchs)
In Lachsrosa: Das Hochinfektions-Transportteam HITT
In Lachsrosa: Das Hochinfektions-Transportteam HITT(Bild: Jürgen Fuchs)
Die erste Ebola-Patientin, die aus dem Flugzeug gebracht wurde, wird am Rollfeld erstversorgt ...
Die erste Ebola-Patientin, die aus dem Flugzeug gebracht wurde, wird am Rollfeld erstversorgt ...(Bild: Jürgen Fuchs)
... und zur weiteren Behandlung bzw. Isolation in den Separationsbereich gebracht.
... und zur weiteren Behandlung bzw. Isolation in den Separationsbereich gebracht.(Bild: Jürgen Fuchs)
Der zweite Betroffene hat das Bewusstsein verloren.
Der zweite Betroffene hat das Bewusstsein verloren.(Bild: Jürgen Fuchs)
Er wird liegend am Flugfeld versorgt und medizinisch überwacht.
Er wird liegend am Flugfeld versorgt und medizinisch überwacht.(Bild: Jürgen Fuchs)
Skizze der Einsatzleitung
Skizze der Einsatzleitung(Bild: Jürgen Fuchs)

Erkenntnisgewinn für einen Fall, der hoffentlich nie eintritt
Vom Hochinfektions-Transportteam des Roten Kreuzes (HIT) werden die Betroffenen nun in Inkubatoren isoliert. Der Spezialeinsatz am Flughafen ist auch für die Seuchen-Spezialisten in ihrer lachsrosa Kluft eine Premiere.

Diese wird nun gemeinsam mit den Behörden analysiert. Die Hoffnung aller Beteiligten ist aber freilich, dass man die Erkenntnisse nie in der Praxis anwenden muss.

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