Flughäfen geschlossen

Ukraine feuert massenhaft Drohnen auf Russland

Außenpolitik
08.05.2026 13:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig den Bruch jeweils einseitig erklärter Feuerpausen vor. Im Süden Russlands wurde der Betrieb von 13 Flughäfen eingestellt.

Moskau teilte am Freitag mit, in den frühen Morgenstunden seien über Russland 264 ukrainische Drohnen abgeschossen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte wiederum, russische Truppen hätten in der Nacht ukrainische Stellungen attackiert. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew wurde am Freitag Luftalarm ausgelöst.

„Strafmaßnahmen mit großer Reichweite“
Die Angriffe zeigten, dass Moskau „nicht einmal ansatzweise den Versuch einer Feuerpause an der Front unternommen hat“, so Selenskyj. Demnach trafen ukrainische Streitkräfte eine russische Ölanlage in Jaroslawl, das mehr als 700 Kilometer von der Grenze entfernt liegt. In der Stadt befindet sich eine große Raffinerie. Der Präsident sprach auf dem Kurznachrichtendienst Telegram von „Strafmaßnahmen mit großer Reichweite“ als Reaktion auf russische Angriffe auf ukrainische Städte und Dörfer. Zuvor hatte der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärt, die Hauptstadt sei ins Visier genommen worden. Auch die Ural-Region Perm wurde Behörden zufolge mit Drohnen angegriffen.

Die Lage im russischen Rostow:

13 Flughäfen geschlossen
Wegen eines Drohneneinschlags in der Stadt Rostow am Don stellten 13 Flughäfen im Süden Russlands den Betrieb ein, teilte das russische Verkehrsministerium mit. Betroffen sind die Airports in Sotschi, Wolgograd, Krasnodar, Grosny, Astrachan, Wladikawkas, Gelendschik, Machatschkala, Magas, Mineralnye Wody, Naltschik, Stawropol und Elista.

Selenskyj hatte zuvor Vertreter der mit Russland verbündeten Staaten davor gewarnt, am Samstag an der Weltkriegsparade in Moskau teilzunehmen. Russland rief indes angesichts eines möglichen Vergeltungsangriffs auf Kiew die Bewohner der ukrainischen Hauptstadt und ausländische Diplomaten erneut dazu auf, die Stadt zu verlassen. Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium eine Feuerpause vom 8. bis zum 10. Mai angekündigt.

Ursprünglich war dies für den 8. und 9. Mai anberaumt. An diesen Tagen feiert Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland mit einer Militärparade in Moskau. Die Ukraine wirft der Regierung in Moskau vor, die Waffenruhe diene lediglich dem Schutz der Parade vor ukrainischen Drohnenangriffen. Kiew bot stattdessen eine unbefristete Feuerpause ab dem 6. Mai an, was Russland bisher ignoriert.

Hier ist die brennende Ölraffinerie in Jaroslawl zu sehen:

Einseitige Waffenruhe begonnen
Die einseitig von Moskau ausgerufene Waffenruhe begann in der Nacht. Das russische Verteidigungsministerium hatte die Feuerpause zuvor bekräftigt. Sie gelte von Freitag 0.00 Uhr Ortszeit (Donnerstag 23.00 Uhr MESZ) bis zum 10. Mai, teilte das Ministerium mit.

Keine Panzer bei Siegesparade am Samstag
Aus Angst vor ukrainischen Angriffen sollen bei den Feierlichkeiten in Moskau anders als in den vergangenen Jahren aber keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät in Moskau auffahren. Die russischen Sicherheitsdienste bereiteten sich auf die Parade vor, insbesondere mit Blick auf die „terroristische Bedrohung“ durch die Ukraine, sagte Peskow. Das gelte auch für die persönliche Sicherheit von Präsident Wladimir Putin. Der Kreml-Sprecher kündigte zudem weitere Internetblockaden in Moskau an. Diese seien nötig, um die Sicherheit der Einwohner zu gewährleisten.

Nach Drohungen aus Moskau mit einem „Vergeltungsschlag“ auf Kiew hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Russland mangelnde Friedensbemühungen vorgeworfen. „Die heutigen Luftangriffe auf die Ukraine zeigen einmal mehr, dass Russland es nicht ernst meint, wenn es von Waffenruhe oder Frieden spricht“, erklärte von der Leyen am Donnerstag im Onlinedienst X.

Russischer Beschuss verursacht Waldbrand in der Ukraine
Bedroht durch russische Drohnen kämpfen indes ukrainische Forstleute gegen einen großen Waldbrand im nördlichen Gebiet Tschernihiw direkt an der Grenze zu Russland. Das Feuer sei durch russischen Beschuss ausgelöst worden und habe 2400 Hektar Wald erfasst, teilte der staatliche Forstbetrieb Lissy Ukrajiny mit.

Zu dem Grenzgebiet bei den Orten Jelyne und Tychonowytschi hätten Förster aus Sicherheitsgründen schon lange keinen Zugang mehr gehabt. Mit Traktoren werde versucht, Schneisen zu ziehen, um das Ausbreiten der Flammen zu verhindern. Ständig seien feindliche Drohnen in der Luft, gegen die man sich mit Störsendern wehre. Trotzdem könne ein Großteil des mobilisierten Löschgeräts nicht eingesetzt werden. An diesem Abschnitt der Grenze gab es noch keinen Versuch der russischen Armee, in die Ukraine einzudringen.

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