In unserer Welt toben so viele Kriege wie seit Jahrzehnten nicht mehr – und trotzdem werden weltweit die Budgets für humanitäre Hilfe gekürzt. Internationale Experten starten einen Weckruf.
Aktuell gibt es 130 bewaffnete Kriege weltweit. Das damit einhergehende menschliche Leid stand am Mittwoch im Palais Epstein in Wien im Fokus der Diskussion. Dort referierten hochkarätige Experten rund um die Frage, ob internationale Hilfe überhaupt noch Zukunft hat – darunter Mirjana Spoljaric Egger, Präsidentin des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, Martin Frick, Direktor UN World Food Programme, Victoria Roșa, Botschafterin der Republik Moldau, sowie Andrea Barschdorf-Hager, Geschäftsführerin CARE Österreich und Melissa Dobner-Mujanayi, Direktion Verteidigungspolitik BMLV.
„Egoismus ist keine nachhaltige Strategie, das hat die Geschichte immer wieder gezeigt“, ist Mirjana Spoljaric Egger überzeugt. Dennoch stehe es nicht gut um die humanitäre Hilfe in unserer Welt. Nicht nur, dass die staatliche Finanzierung in vielen Ländern abnimmt, auch die politische Unterstützung gehe immer mehr verloren. Und weil zudem das Völkerrecht immer mehr an Bedeutung verliert, nehmt die Zahl der Opfer stetig zu.
„Was unsere Teams in Konfliktgebieten rund um die Welt erleben, ist nicht der übliche Kriegsalltag, sondern eine systematische Verrohung der Kriegsführung. Es ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen, das humanitäre Völkerrecht zu missachten“, so die Präsidentin. „Was die Welt dringend braucht, sind Führungsstärke und Mut zur Deeskalation um Gewalt begrenzen!“
Als Internationales Komitee vom Roten Kreuz zählen wir derzeit mehr als 130 bewaffnete Konflikte weltweit – doppelt so viele wie vor 15 Jahren.

Mirjana Spoljaric Egger, Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz
Bild: Karo Pernegger
Anhaltende Iran-Krise stürzt Millionen in die Not
Die USA haben etwa ihre Entwicklungshilfeagentur aufgelöst und dadurch rund 50 Milliarden Dollar eingespart – gleichzeitig kostet sie der Krieg im Iran eine Milliarde am Tag. Laut Martin Frick, Direktor des World Food Programme der Vereinigten Nationen, würden zusätzlich 45 Millionen Menschen humanitäre Hilfe benötigen, sollte die Iran-Krise noch mehrere Wochen anhalten. Armut treibe viele junge Menschen in die Hände von radikalen Gruppierungen.
Grünen-Chefin Leonore Gewessler, die zu der Veranstaltung lud, ist überzeugt: „Bei Internationaler Hilfe geht es gerade für Europa auch um Sicherheit – denn immer öfter treffen auch uns Krisen, die fernab unserer Grenzen ihren Ausgang haben. Die Frage ist also nicht, ob wir uns internationale Hilfe leisten können, sondern ob wir es uns leisten können, darauf zu verzichten.“
Ihr Parteikollege und Sprecher der Grünen für Entwicklungszusammenarbeit, David Stögmüller, warnt ebenfalls vor den Kürzungen: „Die Kürzungen im Außenministerium treffen Österreichs humanitäres Herz. Wer hier kürzt, spart nicht bei Zahlen, sondern bei Menschlichkeit, Vertrauen und internationaler Verantwortung.“ Und auch Petra Bayr von der SPÖ stimmt zu: „Unsere Welt brennt, und wir kürzen bei der Feuerwehr.“
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