Manninger-Tod berührt

So (un)sicher sind die Bahnübergänge im Land

Österreich
09.05.2026 05:00

Nach der Unfalltragödie des internationalen Ex-Top-Goalies Alexander Manninger aus dem Salzburger Stadtteil Lehen ist die Diskussion über fehlende Schranken in ganz Österreich wieder neu entflammt. Die „Krone“ fragte im Ministerium, bei den ÖBB und bei Verkehrsexperten nach ...

An den Salzburger Stammtischen und Sportplätzen wird beim gemeinsamen Fußballschauen immer noch viel über den „Alex aus Lehen“ geredet – einige haben Erinnerungen aus der gemeinsamen Fußballzeit in der Jugend parat und alle sind schockiert darüber, wie der beliebte Mozartstädter aus dem Leben gerissen worden ist. Der 48-Jährige verunglückte an einem unbeschrankten Bahnübergang in Nußdorf am Haunsberg bei Salzburg. Nur ein Andreaskreuz „sicherte“ die Gleise.

Das Auto des zweifachen Familienvaters, der international erfolgreich war, wurde von einer Garnitur der Lokalbahn erfasst und mitgeschleift. Manninger war sofort tot. Und ein Schranken an dieser Stelle hätte sein Leben retten können – da sind sich Experten einig (siehe auch Interview unten).

Tormann Alexander Manninger starb, als sein Wagen von einer Lokalbahn erfasst worden ist. Es gab ...
Tormann Alexander Manninger starb, als sein Wagen von einer Lokalbahn erfasst worden ist. Es gab keinen Schranken.(Bild: Krone KREATIV/Markus Tschepp, GEPA pictures/Witters)

„Behörde entscheidet anhand von Kriterien“ 
Doch warum ist nicht bei jeder Eisenbahnkreuzung ein Schranken Pflicht? „Nicht jede Eisenbahnkreuzung braucht Schranken, weil die Sicherung in Österreich gesetzlich je nach Situation festgelegt wird. Laut Eisenbahngesetz und Eisenbahnkreuzungsverordnung entscheidet die Behörde im Einzelfall anhand von Kriterien wie Zuggeschwindigkeit, Verkehrsaufkommen, Sichtverhältnissen und örtlichen Gegebenheiten“, heißt es auf Nachfrage der „Krone“ aus dem heimischen Mobilitätsministerium, dem Peter Hanke (SPÖ) vorsteht.

Daten & Fakten

In Österreich gibt es derzeit rund 3000 Eisenbahnkreuzungen, davon exakt 2916 im Schienennetz der ÖBB.

Vor 25 Jahren gab es noch mehr als 6000 Eisenbahnkreuzungen.

Im Jahr 2024 gab es laut Statistik in Österreich 43 Unfälle auf Eisenbahnkreuzungen.

Nur zwei auf Kreuzungen mit Schranken.

Vier Menschen kamen dabei ums Leben.

Die meisten Unfälle waren in Niederösterreich (15) und in Oberösterreich (12 Unfälle).

ÖBB-Sprecher Daniel Pinka dazu: „Gemeinsames Ziel von Bund, Ländern und den ÖBB ist es, die Zahl der Eisenbahnkreuzungen in Österreich Schritt für Schritt zu reduzieren. Pro Jahr investieren die ÖBB zwischen 25 und 30 Millionen Euro in die Verbesserung der Sicherheit an Bahnübergängen.“ Nachsatz von Pinka: „Alle Eisenbahnkreuzungen im Netz der ÖBB sind gesichert, entweder technisch oder nicht technisch. Es gibt also keinen einzigen Bahnübergang im Streckennetz der ÖBB, der nicht gesichert ist.“ Aktuell sind das 2916. 

Zitat Icon

Ich fahre immer wieder über unbeschrankte Eisenbahnkreuzungen – verringerte Geschwindigkeit und genauer Blick sind entscheidend.

Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ)

NÖ-Landesrat mit einer Sicherheitsoffensive 
Insgesamt gibt es von Vorarlberg bis Burgenland rund 3000 Eisenbahnkreuzungen. Der freiheitliche Verkehrslandesrat Udo Landbauer hat in NÖ eine Sicherheitsoffensive an Bahnkreuzungen gestartet: „Wir wollen Menschen vor gefährlichen Situationen schützen.“ Flossen 2024 knapp 375.000 Euro in Schrankenanlagen, waren es im vergangenen Jahr 1,3 Millionen Euro. Tendenz steigend.

INTERVIEW mit VCÖ-Experte Christian Gratzer
„Krone“: Welche Gefahr lauert, wenn ich mich als Verkehrsteilnehmer einem unbeschrankten Bahnübergang nähere? Wie verhalte ich mich am besten?
Christian Gratzer: Der Straßenverkehr hat bei Eisenbahnkreuzungen immer Nachrang! Der schreckliche Unfall von Alexander Manninger ruft uns in Erinnerung, dass wir uns bei Eisenbahnkreuzungen ohne Schranken immer vorher vergewissern, ob ein Zug kommt. Dieser kann sowohl von links als auch von rechts kommen. Bei Stoppschild immer stehen bleiben. Wenn das Lichtzeichen rot ist, dann selbstverständlich stehen bleiben. Ein Missachten des Stoppschilds oder des Rotlichts ist bei Eisenbahnkreuzungen lebensgefährlich. Ein Zug hat aufgrund der Masse einen mehr als zehnmal so langen Bremsweg wie ein Auto.

Warum kommt es trotz guter Übersicht immer wieder zu folgenschweren Unfällen?
Ablenkung und Unachtsamkeit sind leider häufige Ursachen schwerer Verkehrsunfälle, auch im Zusammenhang mit Eisenbahnkreuzungen. Deshalb ist es so wichtig, aufmerksam und konzentriert ein Fahrzeug zu lenken. Wenn die Sonne blendet, entsprechend Tempo reduzieren, um sich vergewissern zu können, ob ein Zug kommt oder ob das Lichtsignal rot ist. Bei ortsansässigen Personen, die täglich Eisenbahnkreuzungen queren, kann der Glaube, den Fahrplan zu kennen, gefährlich werden. Denn Fahrpläne können sich ändern, es kann Verspätungen geben, außerplanmäßige Fahrten oder zusätzliche Güterzüge können fatale Folgen haben, wenn man sich vor dem Überqueren nicht versichert, ob ein Zug kommt.

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Wer mit dem Auto zwischen den Schranken stecken bleibt, Gas geben! Die Schranken sind so konstruiert, dass sie beim Durchfahren nachgeben.

Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ)

Warum sind nicht alle Bahnübergänge mit einem Schranken versehen?
Es gibt es in Österreich fast 3000 Eisenbahnkreuzungen. In den vergangenen Jahren wurden laufend Eisenbahnkreuzungen sicherer gemacht, jedes Jahr zusätzliche Kreuzungen mit Schranken ausgestattet, Unterführungen gemacht oder beispielsweise bei Feldwegen Kreuzungen aufgelassen. Die Maßnahmen wirken, wie die Unfallstatistik zeigt. Im Jahr 2024 kamen in Österreich vier Menschen bei Unfällen auf Eisenbahnkreuzungen ums Leben, im Jahr 2010 waren es mit 14 mehr als dreimal so viele. Umso wichtiger ist es, dass die Straßenerhalter verstärkt in die Sanierung jener Eisenbahnkreuzungen investieren, die noch keine Schranken haben.

Retten Schranken Leben?
Ja, das zeigt die Unfallstatistik sehr deutlich. Im Jahr 2024 gab es 43 Unfälle auf Eisenbahnkreuzungen, nur zwei davon auf Kreuzungen mit Schranken. 21 passierten bei Kreuzungen mit Lichtsignalanlagen und 20 bei Kreuzungen ohne technische Sicherungen. Darüber hinaus ist es aber extrem wichtig, das Bewusstsein zu schärfen, dass man sich vor Überqueren von Eisenbahnkreuzungen immer versichern muss, dass kein Zug kommt.

Was soll ich machen, wenn ich zu spät einfahre und zwischen den Schranken eingeschlossen bin?
In diesem Fall heißt es wirklich, Gas geben! Die Schranken sind so konstruiert, dass sie beim Durchfahren nachgeben. Nach dem Durchfahren des Schrankens muss der Schaden der Polizei und der Kfz-Versicherung gemeldet werde.

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