Stille statt Scrollen

Wenn der Wald weitaus wichtiger ist als das WLAN

Burgenland
06.05.2026 09:00

Kann man im Online-Zeitalter noch offline leben? Ja, sagt diese junge Burgenländerin. Obwohl sie ein sogenannter „Digital Native“ ist und mit dem Internet aufwuchs, hat sie sich für Freiheit statt für Dauerverbindung entschieden. Wir haben die Netz-Aussteigerin daheim besucht.

Katja Horvath (33) aus Güssing gehört der Generation „Millenials“ an. Sie wurde mit dem World Wide Web groß und hat den Übergang von der analogen zur digitalen Welt aktiv miterlebt. Sie weiß aber auch, wie sich eine Kindheit ohne Smartphones und Social Media anfühlt – nämlich wesentlich freier, unbeschwerter und fokussierter als heute: „Wir waren damals täglich draußen in der Natur unterwegs, haben uns viel mehr bewegt und noch echte soziale Kontakte gepflegt“, erinnert sich die junge Künstlerin.

Schon als Jugendliche stand sie der Technologisierung kritisch gegenüber. Als sich die meisten Gleichaltrigen ein Smartphone zulegten, hielt die Wirtstochter bewusst an ihrem alten Tastenhandy fest, das sie einst als Hauptschülerin geschenkt bekam: „Es erfüllt immer noch alle Funktionen, die mir wichtig sind. Ich will nicht wie ferngesteuert über Touchscreens wischen oder jede Route ins Navi eingeben. Wenn ich die Orientierung verliere, frage ich die Leute nach dem Weg.“ Außerdem will sie Dinge anfassen und spüren, sagt sie: „Alles, was uns auf Bildschirmen suggeriert wird, ist für mich nicht echt.“

Horvath mit ihrem Tastenhandy
Horvath mit ihrem Tastenhandy(Bild: zVg)
Ein Blick in ihr Kinderzimmer, in dem sie nun mit 33 Jahren wieder wohnt
Ein Blick in ihr Kinderzimmer, in dem sie nun mit 33 Jahren wieder wohnt(Bild: zVg)

Einfachheit statt Algorithmus
Seit die Corona-Pandemie den technischen Fortschritt massiv beschleunigt hat, befremdet sie unsere neue computerbasierte Welt und die gesellschaftlichen Zwänge, denen wir dadurch ausgesetzt sind, noch mehr. Deshalb führt Horvath mittlerweile ein komplettes Offline-Leben. Briefe schreibt sie nicht mehr via Mail, sondern auf einer Schreibmaschine oder mit der Hand. „Ich fühle mich keineswegs eingeschränkt. Im Gegenteil: Ich staune, wie einfach der Alltag wird!“

Inzwischen hat Horvath auch dem Konsumterror abgeschworen und ist von ihrer 100-Quadratmeter-Wohnung zurück ins Elternhaus gezogen – genau genommen in ihr 17 Quadratmeter großes Kinderzimmer, in dem sie nun lebt und arbeitet. Von den vielen unnötigen Dingen, die sich über die Jahre ansammelten, hat sie sich getrennt: „Das empfehle ich jedem. Je weniger man besitzt und anhäuft, umso zufriedener wird man!“

Katja Horvath malt mit Tinte, Feder und Pinsel.
Katja Horvath malt mit Tinte, Feder und Pinsel.(Bild: zVg)
Die Botschaft ihrer Bilder: „Lasst uns zu unserem schöpferischen Ursprung zurückkehren anstatt ...
Die Botschaft ihrer Bilder: „Lasst uns zu unserem schöpferischen Ursprung zurückkehren anstatt künstliche Welten zu schaffen.“(Bild: zVg)
(Bild: zVg)

Die Weisheit der Bäume
Gewonnen hat sie diese Erkenntnis nicht etwa dank Google, sondern bei ihren regelmäßigen Aufenthalten im Wald. Bäume sind nämlich Horvaths Musen – „allen voran der keltische Weltenbaum und die riesigen Mutterbäume, die es einst gab und aus denen alles Leben kam.“ Ihnen hat sie auch ihre erste Ausstellung gewidmet, die ab 9. Mai unter dem Titel „Im Kreise magischer Bäume“ in der Galerie „Dezentrale“ in Strem zu sehen ist.

„Bäume sind universelle Lebensspender. Sie helfen uns dabei, die Anbindung zu uns selbst wiederzufinden, weil wir dank ihnen den Lärm des Alltags ausblenden und uns auf unser natürliches und wahres Wesen rückbesinnen können“, so die Gegenstromschwimmerin. 

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